Beim VfB muss Gotoku Sakai nun mühsam Deutsch lernen, aber immerhin hat er einen engagierten Lehrer. Foto: dpa

VfB-Neuzugang tut sich neben und auf dem Platz schwer – Einladung an die Oma aus Nürnberg.

Belek - Seine Frau Mama hatte es nur gut gemeint. Aber Gotoku „Go“ Sakai wollte ja nicht. Als Kind lehnte er es ab, die Sprache seiner deutschen Mutter Angelika zu lernen, obwohl die ihn immer dazu gedrängt hat. Jetzt ist er der Gelackmeierte. Beim VfB muss er nun mühsam Deutsch lernen, aber immerhin hat er einen engagierten Lehrer.

Nach dem Mittagessen nahm sich Georg Niedermeier im Trainingslager im türkischen Belek, das am Freitag zu Ende gegangen ist, immer Zeit, um Sakai in die Geheimnisse einzuweihen. „Ich bin, du bist, er ist“, sagt Sakai, stockt, lacht und fügt hinzu: „Du bist böse.“ Das hat Mutter Angelika beim Mittagessen immer zum kleinen Go gesagt, wenn er den Teller nicht leer gegessen hatte.

Gotoku Sakai wurstelt sich so durch. Das gilt für die fremde Sprache ebenso wie für die neue Fußball-Welt, in die er beim VfB eingetaucht ist. Beim 2:0 gegen Beerschot AC bestritt er seine ersten 45 Minuten im VfB-Trikot – und erntete Lob und Tadel. „Go hat viel Tempo gemacht und präzise Flanken geliefert, wie wir uns das von ihm erwarten“, sagte Trainer Bruno Labbadia, „aber in der Defensive hat er sich auch zweimal falsch verhalten.“

Dankbar für jeden Hinweis

Deshalb hat der Coach die Taktikbesprechung unter der Woche besonders Gotoku Sakai gewidmet: „Er hat in Japan ein bisschen anders gespielt als bei uns, deshalb müssen wir ihm die Umstellung ein wenig ­erleichtern.“ Mit Reden und mit Anschauungsunterricht per Video.

Sakai, der das Zimmer mit Shinji Okazaki geteilt hat und auch sonst immer die Nähe zu seinem Landsmann sucht, ist dankbar für jeden Hinweis. „Der Trainer hat mir schon wertvolle Tipps gegeben. In Deutschland ist alles anders – Tempo, Kraft, kämpferischer Einsatz und Handlungsschnelligkeit. Ich muss mich in allen Bereichen umstellen“, sagt Sakai (20), der mit dem linken Fuß so stark ist wie mit dem rechten – oder umgekehrt. „Der rechte ist mein starker Fuß“, sagt Sakai. Den linken hat er sich starktrainiert, als er 16, 17 Jahre alt war: „Ich wollte beidfüßig werden, das macht mich doch viel unberechenbarer“, sagt er.

Ziel: Im ersten Spiel in der Startelf

So verwundert es auch nicht, dass Philipp Lahm sein großes Vorbild ist. „Er kann wie ich auf beiden Abwehrseiten spielen, auf ­beiden ist er gleich stark.“ Am 8. Februar kommt es im DFB-Pokal zum direkten Duell gegen den Verteidiger des FC Bayern. Den Termin hat sich Sakai schon dick angekreuzt, aber davor stehen auch schon zwei Kreuze in seinem Terminkalender. Am 21. Januar startet der VfB bei Schalke 04 in die Rückrunde. Da will Sakai selbstredend dabei sein – nicht als Zuschauer, sondern auf dem Platz. „Ich will im ersten Spiel gleich in der Startelf stehen“, sagte er selbstbewusst.

Allerdings ist ihm auch bewusst: „Einfach wird das nicht. Cristian Molinaro und Khalid Boulahrouz sind gute Spieler.“ Falls es nicht klappt? „Dann wäre ich auch nicht enttäuscht. In Japan bin ich auch manchmal auf der Ersatzbank gesessen. Wichtig ist doch nur, was für die Mannschaft gut ist.“

Häufiger mit der Oma telefonieren

Das zweite Kreuz hat er am 29. Januar gesetzt, zum ersten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Dann will er seine Oma, die in Nürnberg lebt, nach Stuttgart einladen. Gesehen hat er sie zum letzten Mal vor zehn Jahren in Japan. „Ich will jetzt häufiger mit ihr telefonieren, damit ich noch schneller Deutsch lerne“, sagt Gotoku Sakai. Wie denn seine Großmutter heißt? „Oma“, sagt Sakai nach einigem Überlegen, „ich habe immer nur Oma zu ihr gesagt.“

Da muss auch Takashi Kawagishi schmunzeln. Am Ende des Gesprächs sagt der Dolmetscher zu Sakai: „Gute Nacht.“ Wieder zwei deutsche Worte mehr. Da ist es übrigens 1 Uhr . Aber das harte Training fordert seinen Tribut – in Form eines Mittagsschlafs.

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