Beim bisher letzten Pokalspiel gegen Hansa Rostock 2005 erleidet der VfB mit Marco Streller (li.) an der Ostsee Schiffbruch. Foto: Baumann

Der VfB dürfte vor dem DFB-Pokalspiel beim Drittligisten Hansa Rostock an diesem Samstag (20.45 Uhr) gewarnt sein. Denn die bisherige Pokalbilanz der Stuttgarter an der Ostsee ist verheerend.

Stuttgart - Wenn man es genau nimmt, dann hat die Stuttgarter Götterdämmerung des weltgewandten Misters aus der Lombardei, der den VfB nach nur sieben Monaten Amtszeit wieder verlassen sollte, vor dem Rostocker Ostseestadion ihren Anfang genommen. Jedenfalls ist der damals mit 21 nationalen und internationalen Titeln hoch dekorierte VfB-Cheftrainer Giovanni Trapattoni am Mittwochabend des 26. Oktober 2005 in Rostock alles andere als gut drauf gewesen.

Denn die Tore von Thomas Hitzlsperger und Danijel Ljuboja, sie hatten letztlich nicht gereicht. Der VfB war in der zweiten Pokalrunde beim FC Hansa Rostock, seinerzeit Tabellen-14. der zweiten Liga, blamabel mit 2:3 ausgeschieden. Während der rührselige Sportdirektor Herbert Briem noch versuchte, den Reportern die Gründe für diesen deftigen Ausrutscher nahe zu bringen, da führte sein Startrainer Trapattoni hinter ihm im Teambus einen erregten Veitstanz auf – und klopfte vor Wut mehrfach gegen die Frontscheibe. Wäre eine Fernsehkamera zugegeben gewesen, die legendäre „Flasche-leer“-Rede Trapattonis hätte durch dieses Szenario ernsthafte Konkurrenz bekommen.

Tayfun Korkut ist gewarnt

Der aktuelle Cheftrainer Tayfun Korkut und seine Profis sollten also gewarnt sein, wenn sie an diesem Samstag (20.45 Uhr) in der ersten DFB-Pokalrunde vor dem Ostseestadion vorfahren. Und dies nicht nur deshalb, weil sich der Verein für Bewegungsspiele ja bereits im Vorjahr in Pokalrunde eins gegen einen Außenseiter sehr schwer tat. Damals kam der Erstliga-Aufsteiger aus Stuttgart beim Regionalligisten FC Energie Cottbus knapp mit 6:5 erst nach Elfmeterschießen weiter. Und zwar, weil die Cottbuser bei einem VfB-Fehlversuch von Berkay Özcan aus elf Metern einmal an den Pfosten und einmal daneben zielten.

Diesmal also Rostock, wo die Hansa-Kogge zwar längst nicht mehr in Erstliga-Gewässern segelt, denn nach vier Spieltagen rangiert das Team von Trainer Pavel Dotchev in der dritten Liga lediglich auf einem ernüchternden zehnten Platz. Trotzdem gehen die Hanseaten aus VfB-Sicht durchaus als Angstgegner durch. Denn besonders die Auswärtsbilanz liest sich für die Stuttgarter Profis verheerend: Von den letzten fünf Bundesligaspielen hat der VfB an der Ostsee bei zwei Niederlagen und zwei Unentscheiden lediglich eines gewonnen.

Noch düsterer sieht es im Pokal aus: Hier trafen die Stuttgarter dreimal auf den FC Hansa, dreimal wurde die Partie im hohen Norden angepfiffen – und dreimal ging der VfB als Verlierer vom Platz. Zuletzt 2005 unter Trapattoni, davor kam 1999 im Viertelfinale beim 1:2 (Tor durch Sean Dundee) und 1992 mit einer 0:2-Niderlage in Runde zwei in Rostock das Aus.

Tobias Rathgeb ist von seiner Fußballer-DNA her eigentlich ein VfB-Urgestein. Mehr als 250 Partien absolvierte der Mittelfeldspieler von den Fildern für den VfB II. Das einzige Bundesligator erzielte Rathgeb allerdings im Trikot der Rostocker, für die er 30 Erstligaspiele absolvierte – und zwar ausgerechnet gegen den VfB.

„Das war ein ganz besonderer Moment für mich und meine Familie. Eine verrückte Sache“, erzählt Rathgeb, der sich noch gut an sein Freistoßtor gegen den VfB vom 29. September 2007 erinnern kann. Der Brasilianer Orestes erhöhte für Hansa auf 2:0, der Anschlusstreffer für den damaligen Meister VfB durch Mario Gomez kam daher zu spät. „Ich habe damals vor dem Spiel gesagt, dass ich eigentlich VfB-Fan bin“, sagt Rathgeb: „Aber durch das Tor war jedem Rostocker klar, dass ich im Hansa-Trikot stets alles für den Verein gebe.“

Tobias Rathgeb setzt auf den VfB

Das Spiel ist das bisher vorletzte Aufeinandertreffen beider Mannschaften in der Bundesliga gewesen. Denn zum Ende der Saison 2007/08 stiegen die Rostocker, ihrerseits der letzte Meister der DDR, aus der Bundesliga ab – und kehrten bis heute nicht mehr zurück. „Wenn ein großer Name wie der VfB ausftritt, dann brennt aber die Hütte. Das wird auch am Samstag so sein“, sagt Tobias Rathgeb, der aktuell Co-Trainer der U 17 des VfB ist: „Dennoch wird sich die Qualität und Erfahrung des VfB durchsetzen. Denn die Bundesligisten nehmen derlei Spiele inzwischen extrem ernst.“

Zudem macht immerhin die Erinnerung an das bisher letzte Spiel beider Vereine den Stuttgartern Mut. Im März 2008 siegte der VfB nach Toren von Pavel Pardo, Cacau, Yildiray Bastürk und Gomez gegen Rostock mit 4:1. Dieses Spiel fand allerdings nicht an der Ostsee, sondern in Stuttgart statt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: