Der FC Hansa Rostock machte dem VfB Stuttgart das Leben schwer – der durch den Treffer von Hamadi Al Ghaddioui (li.) dennoch gewann. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart hat seinen Rostock-Fluch besiegt und steht in Runde zwei des DFB-Pokals. nach dem mühevollen 1:0 beim FC Hansa kündigte Sportdirektor Sven Mislintat aber auch eine „längere Analyse“ an. Wir sagen, warum.

Rostock - Es lief schon die Nachspielzeit, als bei allen, die es gut mit dem VfB Stuttgart meinen, noch einmal der Puls nach oben ging. Der eingewechselte Philipp Klement foulte an der eigenen Strafraumgrenze, Schiedsrichter Sven Jablonski entschied auf Freistoß – und der FC Hansa Rostock schnupperte plötzlich doch noch an der Verlängerung. Jonas Hildebrandt legte sich den Ball zurecht, nahm Anlauf – und sorgte dann für kollektives Durchatmen auf Stuttgarter Seite. Der Schuss des Rostockers fand statt des Tores das Fangnetz, und der VfB hatte endlich seinen Rostock-Fluch besiegt.

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Viermal schon hatte der aktuelle Zweitligist im Pokal die Segel streichen müssen im Ostseestadion, letztmals in der vergangenen Saison, als das 0:2 der Auftakt einer katastrophalen Saison war, die im Abstieg gipfelte. Nun kam der VfB also als Mitglied von Liga zwei zum Drittligisten – und steht nach dem 1:0-Erfolg in Runde zwei. „Wir sind sehr glücklich“, sagte deshalb Trainer Tim Walter. Was gar nicht so selbstverständlich war – nicht nur wegen der kritischen Vorgeschichte.

Immer wieder zu langsam

Schon vor dem Anpfiff hatte der VfB die erste Hiobsbotschaft zu verdauen gehabt: Gregor Kobel, der Torhüter Nummer eins, musste wegen einer Hüftprellung passen. Für den Stammkeeper stand Fabian Bredlow zwischen den Pfosten – der dort zwar fehlerlos agierte, im Aufbauspiel aber nicht an die Passsicherheit, die Selbstsicherheit und die Coolness von Kobel heranreichte. Und so war schon die Stuttgarter Spieleröffnung viel mehr von langen, hohen Bällen geprägt, als sie das in den ersten beiden Pflichtspielen unter dem Trainer Tim Walter gewesen war. Doch an Bredlow allein war nicht festzumachen, dass es dem VfB zunächst schwerfiel, die Partie richtig unter Kontrolle zu bekommen.

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Die ersten guten Möglichkeiten hatten jedenfalls die Gastgeber, beim VfB dagegen war vom rasanten Passspiel der ersten Spiele nicht viel zu sehen – was einerseits an der mangelnden Passgenauigkeit lag, andererseits am fehlenden Topspeed in den Abläufen der Stuttgarter Kicker. „Es hat sich angefühlt, als ob unsere Spieler immer eine halbe Sekunde zu langsam waren in ihren Aktionen“, bemängelte der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. Walter ergänzte: „Wir haben zu wenig Tempo ins Spiel gebracht, waren zu behäbig. Im letzten Drittel haben wir es nicht gut ausgespielt. Da waren wir zu wenig strukturiert.“ Und natürlich hatte der Gegner nichts weiter im Sinn, als dem VfB die Optionen zu nehmen, ihn früh zu attackieren und dann schnelle Konter zu fahren. „Unser Anspruch ist, dass wir souveräner auftreten wollen. Das haben wir nicht geschafft“, analysierte Mittelfeldspieler Daniel Didavi – der dann aber der Mann war, der den Klassenunterschied ausmachte. Zumindest in dieser Situation in der 19. Minute.

Orel Mangala muss früh verletzt vom Feld

Santiago Ascacibar war einem eigentlich zu lang gespielten Ball nachgegangen und hatte eine Ecke erzwungen. Als die Rostocker noch lamentierten, führte Gonzalo Castro kurz aus, Didavi flankte nach innen – wo Hamadi Al Ghaddioui derart frei zum Kopfball kam, dass er keine Mühe hatte, den Ball im Tor unterzubekommen. Der Stürmer war bereits in der 12. Minute für Orel Mangala eingewechselt worden. Der Belgier hatte wegen einer Knieverletzung vom Feld gemusst, zur Pause blieb auch noch Holger Badstuber wegen Problemen am Sprunggelenk in der Kabine.

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Die Verletzungen waren – neben der Mühe, die das Spiel dem VfB bereitete – die negativen Erscheinungen dieses Abends. „Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden“, sagte Mislintat, kündigte aber an: „Die Analyse wird etwas länger ausfallen.“ Doch es gab ja auch Positives. In der Phase nach der Pause hatten die Stuttgarter die erhoffte Spielkontrolle und die erwarteten Möglichkeiten, der Engländer Nathaniel Phillips feierte in Hälfte zwei ein solides Debüt im VfB-Dress. Und vor allem: Der Absteiger steht in Pokalrunde zwei, die am 29. und 30. Oktober ausgespielt wird. „Auch das zählt“, sagte der Abwehrspieler Pascal Stenzel.

Nathaniel Philipps feiert ein gelungenes Debüt

Bis zum nächsten Pokalspiel warten jedoch einige andere Aufgaben auf den VfB, der gut beraten ist, sein neues Spiel weiter zu festigen, um im Ligaalltag mit der von Tim Walter gewünschten Rasanz zu bestehen. Zum Beispiel schon am kommenden Samstag (13 Uhr). Dann kommt der FC St. Pauli in die Mercedes-Benz-Arena.

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