Der Leverkusener Robert Andrich (rechts) sprintet Chris Führich vom VfB Stuttgart hinterher – und hat in diesem Spiel Glück, dass er nicht vom Platz fliegt. Foto: dpa/Marius Becker

Die Stuttgarter fühlen sich nach dem Pokal-Aus zurecht benachteiligt, weil Robert Andrich nicht vom Platz fliegt. Dennoch können sie aus ihrer Gesamtleistung viel Kraft ziehen, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.

Sebastian Hoeneß hat den Namen des Sünders nicht in den Mund genommen. Bewusst. Um sich in seinem Ärger zurückzuhalten. Die Szene aus der 36. Minute verschwieg der Trainer des VfB Stuttgart in seiner Analyse jedoch nicht – und jeder im Raum der Bayarena wusste nach dem Abpfiff, wen er meinte. Der Leverkusener Robert Andrich kam während des Spiels gegen Enzo Millot deutlich zu spät, rammte den Stuttgarter am Ball von hinten weg und erwischte den VfB-Profi zudem noch am Fuß. Ein Foul, das eine Gelbe Karte nach sich ziehen sollte – normalerweise.

 

Andrich, der zuvor schon für sein rustikales Einsteigen verwarnt worden war, kam jedoch ungeschoren davon. Der Schiedsrichter Daniel Schlager ermahnte den Mittelfeldspieler nicht einmal. Eine Fehlentscheidung, die wie Hoeneß zurecht anmerkte, großen Einfluss auf das Gesamtgeschehen nahm. Denn anstatt vom Platz zu fliegen, erzielte Andrich beim 3:2-Sieg im Viertelfinale des DFB-Pokals später ein wichtiges Tor zum 1:1 (50.).

Es ist müßig darüber zu spekulieren, was gewesen wäre, wenn der VfB nach der 1:0-Führung durch Waldemar Anton (11.) mit elf gegen zehn Mann weitergespielt hätte. Es wird dieser Klassepartie mit ihrer Rasanz nicht gerecht, sie auf eine strittige Szene zu reduzieren. Zumal der Unparteiische ansonsten gut pfiff. Zur Enttäuschung über die Niederlage in letzter Minute kommt bei den Gästen aber nachvollziehbarerweise das Gefühl dazu, benachteiligt worden zu sein.

Es ehrt die Stuttgarter rund um ihren Chefdiplomaten Hoeneß, die Aktion des Raubeins aus dem Rheinland hinterher nicht in das Zentrum ihrer Aussagen gestellt zu haben. Sondern die Leistungen zweier Mannschaften, die sich auf höchstem nationalen Fußballniveau begegnet sind. Mit Tempo, Technik und Toren (für den VfB traf noch Chris Führich, für die Werkself waren zudem Amine Adli und Jonathan Tah erfolgreich).

Der VfB war in jeder Sekunde des Spiels mit dem bislang in drei Wettbewerben ungeschlagenen Spitzenreiter der Bundesliga auf Augenhöhe. Mindestens. Das ist es, woraus die starken Stuttgarter nach dem Pokal-Aus für die Liga Kraft ziehen sollten.