Das Karlsruher Wildparkstadion bleibt am Derby-Sonntag leer. Foto: dpa/Uli Deck

Es ist ein Derby der besonderen Art: Wenn am Sonntag der VfB auf den KSC trifft, dann bleiben die Ränge im Karlsruher Wildparkstadion wegen Corona leer. Die Polizei zeigt trotzdem Präsenz – wenn auch eingeschränkt.

Karlsruhe - Leuchtraketen, Böller, verletzte Polizisten, festgehaltene Fans – die Partien zwischen dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC gelten seit jeher als Hochrisikospiele. Doch wenn die beiden Clubs am Sonntag (13.30 Uhr) im Karlsruher Wildparkstadion aufeinandertreffen, dann wird es das wohl ruhigste Duell in der Geschichte der Schwaben und Badener werden – für die Spieler, die Fans und die Polizei. Denn wegen der Corona-Pandemie bleiben die Ränge leer – und die Fans dem Stadion fern.

Davon geht man zumindest im Polizeipräsidium Karlsruhe aus: „Uns sind keine bevorstehenden Störungen bekannt“, sagt Polizeisprecherin Christina Krenz. Doch das Bundesliga-Derby Gladbach gegen Köln, das das erste Geisterspiel vor der Corona-Pause war, zeigt: Einige Fans machen sich womöglich trotzdem auf den Weg zum Stadion. Deshalb hat die Karlsruher Polizei trotz leerer Ränge ein Konzept für den Derby-Sonntag, „wenn auch ein stark eingeschränktes“, sagt Krenz. Der Polizeisprecherin ist es wichtig zu betonen, dass zwar Polizeibeamte vor Ort sein würden. „Doch von einem Einsatz zu sprechen, wäre übertrieben.“

Einsparungen in sechsstelliger Höhe

Auch die Bundespolizei, die für den Bahnbereich verantwortlich ist, hat trotz Geisterspiel Beamte abgestellt. Laut Carolin Bartelt, Sprecherin der Bundespolizei Direktion Stuttgart, werde die Abfahrt in Stuttgart und die Ankunft in Karlsruhe überwacht – vorsichtshalber. Denn auch den Bundespolizisten „liegen keine Informationen zu Reisebewegungen von Fans vor“. In VfB-Kreisen rechnet man ebenfalls nicht mit Fanansammlungen vor dem Stadion.

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Und was bedeutet das für die Staatskasse? Valide lasse sich die Einsparung nicht beziffern, heißt es aus dem baden-württembergischen Innenministerium, weil kurzfristige, lageabhängige Entwicklungen einzukalkulieren seien. Auf der Grundlage von Erfahrungswerten aus den Vorjahren gehe man aber davon aus, dass ein niedriger sechsstelliger Betrag eingespart werden könne.

Großeinsätze in der Vergangenheit

Die vergangenen Begegnungen zwischen dem VfB und dem Karlsruher SC waren für Landes- und Bundespolizisten stets Großeinsätze. Das Derby im Oktober vor vier Jahren, das das erste nach sieben Jahren war, verlief zwar relativ ruhig. Ein verbranntes VfB-Maskottchen seitens der KSC-Fans war noch die unschönste Szene.

Doch schon beim Rückrunden-Spiel im Neckarstadion im April 2017 zündeten KSC-Fans Leuchtraketen und provozierten damit fast den Spielabbruch. 20 Beamte wurden dabei verletzt. Das hatte noch strengere Auflagen zur Folge– vor allem für Karlsruher Fans. Schwenkfahnen und Spruchbänder sind in Bad Cannstatt seither verboten, damit niemand im Verborgenen Pyrotechnik zünden und die Kleidung wechseln kann. Nur kleine Bauchtaschen sind erlaubt, blaue Trikots der Badener nur in fünf Gästeblocks zugelassen.

Beim jüngsten Derby in Stuttgart im November des letzten Jahres haben KSC-Fans auf hat die Polizei mutmaßliche Unruhestifter gar nicht erst ins Stadion gelassen – und knapp 600 KSC-Fans festgehalten, weil auf dem Weg vom Bahnhof in Untertürkheim zur Mercedes-Benz Arena Gegenstände und Böller auf Beamte geworfen worden waren. Auch bei den VfB-Fans kam das Vorgehen der Beamten nicht gut an: Die Polizei habe ihnen die „Derbystimmung“ verdorben, hieß es damals trotz des Sieges.

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