Ein krasses Verbrechen beschäftigt die Menschen in Wernau: Ein 15 und ein 16 Jahre altes Mädchen wurden überfallen. Foto: dpa

Die beiden versuchten Vergewaltigungen in Wernau beschäftigen die Bürger wie die Polizei gleichermaßen. Jetzt ist die Kriminaltechnik am Zuge.

Wernau - Seit Tagen sind die beiden Verbrechen Stadtgespräch in Wernau (Kreis Esslingen). In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte ein noch unbekannter Mann versucht, erst eine 15-Jährige und wenige Stunden später eine 16-Jährige zu vergewaltigen. Der Mann hatte sie jeweils von hinten angegriffen und niedergestoßen. Nur weil sich die beiden Mädchen heftig wehrten, hatte der Täter von ihnen abgelassen, allerdings hatte er bei den Taten ihre Handtaschen mit ihren Wertsachen gestohlen.

„Die Verbrechen haben viele Menschen in der Stadt nachdenklich gemacht“, sagt der Wernauer Bürgermeister Armin Elbl, und auch im Gemeinderat sei diskutiert worden, welche Konsequenzen man aus diesem Fall ziehen müsse. Den Hut zieht er jedenfalls vor der Polizei, die das Verbrechen nicht auf die leichte Schulter nehme, sondern alles daran setze, um den Täter zu finden. „Das haben wir schon in der Tatnacht gesehen, als die Einsatzkräfte mit vielen Streifenwagen, mit einer Hundestaffel und mit Hubschraubern in Wernau waren, und die beiden Tatorte in der Adlerstraße und in der Goethestraße untersucht hatten.“

Im Polizeipräsidium Reutlingen bearbeitet Christian Wörner als zuständiger Pressereferent den Fall. „Wir haben Hinweise aus der Bevölkerung erhalten“, sagt er, „wir haben aber auch andere Spuren gefunden, die wir auswerten müssen“. Er bittet um Verständnis, dass gerade diese Auswertung der Kriminaltechnik Zeit brauche und vielleicht erst in ein paar Wochen abgeschlossen sei.

Die Taten geschahen in der Adlerstraße und der Uhlandstraße

Die beiden Mädchen waren am Nachhauseweg vom Wernauer Bahnhof gewesen. Eine Tat geschah in der Wernauer Adlerstraße, die andere in der parallel verlaufenden Uhlandstraße. Der Täter wird beschrieben als etwa 1,70 Meter groß, als etwa 25 bis 30 Jahre alt. Er spricht akzentfreies Deutsch. Zur Tatzeit trug er schwarze Kleidung und hatte sich ein Tuch vor den Mund gebunden. Wer Hinweise geben kann, den bittet die Polizei, sich zu melden. Die Telefonnummer ist 07021 / 50 10.

Der Profiler Adolf Gallwitz ist Polizei-Psychologe, Psychotherapeut und bis zu seinem Ruhestand Lehrer an der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen gewesen. Dass eine versuchte Vergewaltigung mit einem Raub einher geht, ist für ihn nichts Ungewöhnliches: „Täter gehen nicht nach dem Strafgesetzbuch vor“, sagt er zu dieser Form von Mischkriminalität.

„Täter sucht sich unterlegene Menschen“

Für ihn ist es weit mehr entscheidend, dass der Täter in Wernau sich augenscheinlich unterlegene Menschen ausgesucht hat, um sie zu überfallen. Dies bescheinige eine hohe kriminelle Energie, sagt er, und damit sei mit großer Wahrscheinlichkeit zu befürchten, dass der Täter bald wieder zuschlage.

In Wernau kann sich niemand erinnern, dass es jemals eine solche Tat im Stadtgebiet gegeben hätte. Der Eindruck entsteht, es würde immer mehr Straftaten gegen Frauen in Deutschland geben. Doch wird dieser Eindruck korrigiert, wenn man sich die Polizei-Statistik anschaut. In Stuttgart beispielsweise liegt der Anteil der weiblichen Opfer im Fünf-Jahres-Mittel unverändert bei 33,3 Prozent. Im vergangenen Jahr hat es allerdings einen geringfügigen Anstieg von 0,9 Prozentpunkten in den Straftaten gegen Frauen gegeben. Daran sind laut der Kriminalstatistik allerdings nicht verstärkte Gewalttaten schuld, sondern die Tatsache, dass im November 2016 das Delikt der sexuellen Belästigung erstmals neu eingeführt wurde.

Männer sind häufiger Opfer und Täter von Straftaten

Das heißt im Umkehrschluss, im Schnitt sind 66,7 Prozent aller Opfer von Straftaten Männer. Die Männer sind allerdings auch deutlich häufiger die Täter.

Auch die Straftaten selbst sind geschlechtsspezifisch: Während 87,2 Prozent der Frauen Opfer eines Verbrechens gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind, wurde 77,8 Prozent der männlichen Opfer eine gefährliche Körperverletzung oder eine schwere Körperverletzung zugefügt.

Einzig im Bereich der häuslichen Gewalt habe es eine Zunahme gegeben, berichtet die Stuttgarter Polizei, hier sei die Anzahl der Einsätze um mehr als 50 Prozent gestiegen – auf 755 Fälle im vergangenen Jahr.

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