Gestellte Einbruchsszene in ein Haus: Oft wird rohe Gewalt eingesetzt, um sich Zutritt zu verschaffen. Foto: dpa

Die Versicherungen fordern von der Politik strengere Bau- und Sicherungsvorschriften. Die Branche warnt: Einbrechern werde es in Deutschland zu leicht gemacht.

Berlin - In deutschen Wohnungen lebt es sich immer unsicherer. Die deutschen Versicherer zahlten 2015 wegen Einbruchschäden die Rekordsumme von 530 Millionen Euro an ihre Kunden. Insgesamt wurden 160 000 versicherte Wohnungseinbrüche gemeldet, die höchste Zahl seit 2003. „Einbrechern wird es in Deutschland immer noch zu leicht gemacht“, kritisierte Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die aktuelle Situation bei der Vorlage des „Einbruch-Reports“ in Berlin.

Die Zahlen sind alarmierend und zeigen, dass in Deutschland im Schnitt alle drei bis vier Minuten in eine Wohnung eingebrochen wird. In den letzten fünf Jahren stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche um fast ein Drittel, im vorigen Jahr allein um 10 000. Der Schadenaufwand für die Versicherer vergrößerte sich sogar seit 2010 um mehr als 50 Prozent, 2014 allein um 50 Millionen Euro.

Verbandschef Fürstenwerth fordert nun strengere Bauvorschriften von der Politik. Wichtigste Angriffspunkte der Täter seien Fenster und Türen, deren Sicherungstechnik oft nicht mehr auf dem neuesten Stand sei. Die Ankündigung der Bundesregierung, die Fördermittel für besseren Einbruchschutz auf 50 Millionen Euro pro Jahr aufzustocken, sei daher ein wichtiges Signal. Auf dem Markt gebe es gute Produkte, die bei Neubau und Sanierung nur geringe Mehrkosten verursachten.

Treffen Einbrecher auf Widerstand, lassen viele von ihrem Vorhaben ab

Der Aufwand für bessere Tür- und Fenstersicherungen lohnt sich. Laut Statistik werden rund 40 Prozent der Einbruchversuche abgebrochen, wenn die Täter keinen schnellen Erfolg sehen. In Deutschland würden einbruchhemmende Fenster und Türen aber bisher nicht standardmäßig eingebaut, kritisiert der GDV. Auch Vorschriften zur Beschaffenheit und zu den Widerstandsklassen von Fenstern und Türen gebe es nicht. Die Versicherer fordern deshalb strengere bundesweite Vorgaben in den Bauvorschriften.

Der Einbruch-Report untersucht auch das Vorgehen der Täter anhand der gemeldeten Schäden. Demnach nutzen Täter am liebsten günstige Gelegenheiten wie ein offenes Fenster oder eine leicht zu öffnende Tür. Als Einbruchwerkzeug werde meist ein Schraubendreher oder einfach körperliche Gewalt eingesetzt. Der typische Einbrecher sei unter 30 Jahre alt, männlich und begehe den Einbruch gemeinsam mit einem Komplizen, wobei die Täter auch aus dem Bekanntenkreis kommen können.

Der Verlust des Sicherheitsgefühls in den eigenen vier Wänden ist der Studie zufolge für Opfer meist schlimmer als der finanzielle Schaden. Fast jeder zweite Betroffene fühlt sich demnach auch noch ein Jahr nach der Tat in der gewohnten Umgebung unsicher, fast 40 Prozent leiden langfristig unter Angstzuständen oder Gefühlen der Hilf- und Machtlosigkeit.

Mit einer bundesweiten Öffentlichkeitskampagne der Polizei, die von den Versicherern seit vier Jahren unterstützt wird, sollen die Bundesbürger für das Thema mehr sensibilisiert werden. Ziel dabei ist die „eigenverantwortliche Einbruchsvorsorge“. Die Kampagne bietet auch im Internet viele hilfreiche Infos an.

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