Dunkle Gestalten sind gerade verstärkt auf der Suche nach Beute in Wohnhäusern Foto: dpa

Neue Offensive der Wohnungseinbrecher: 77 Einbrüche und Versuche hat es am Wochenende in Stuttgart und den umliegenden Landkreisen gegeben. Die Fälle zeigen die Handschrift organisierter Täter – ganz häufig aus Georgien.

Stuttgart - Der 56-jährige Hausbesitzer auf den Fildern ist froh, dass er in diesen Tagen nachgerüstet hat. Zwei Terrassentüren, Haustür und sieben Erdgeschossfenster haben neue Beschläge und Schließzylinder. Fünf Wochen hatte er auf einen Beratungstermin eines Beamten der Kriminalpolizeilichen Vorbeugungsstelle warten müssen – „und da hatte ich wohl noch Glück gehabt“, meint er. Aber der Berater hatte ohnehin einen Termin in der Nähe. Sonst hätte es noch länger dauern können. Dann musste sich der 56-Jährige noch anderthalb Tage Zeit für die Handwerker nehmen. Jetzt hofft er, dass er verschont bleibt von der Flut der aktuellen Wohnungseinbrüche.

77 Fälle allein an diesem Wochenende in der Region Stuttgart – mit Schwerpunkt in den Landkreisen Böblingen und Ludwigsburg. In Stuttgart wurden am Samstag und Sonntag zehn Wohnungen ins Visier genommen – und nur in drei Fällen blieben die Täter erfolglos. Meist verschwanden Schmuck, Bargeld und elektronische Geräte, der Gesamtwert liegt bei mehreren Tausend Euro.

Dabei sind Schwerpunkte nicht erkennbar: „Das zog sich quer durchs Stadtgebiet“, sagt Polizeisprecher Thomas Ulmer. Neue Stecknadeln auf der Tatortkarte sind die Johannes­straße im Stuttgarter Westen, Egerer Straße in Möhringen, Am Feldrand in Vaihingen, Im Häldle in Untertürkheim, Erbstetter Straße in Bad Cannstatt, Feuerbacher Weg im Norden und Hornissenweg in Stammheim.

Dabei werden die Täter immer dreister. Noch keine heiße Spur gibt es im Fall des brutalen Eindringlings, der am vergangenen Freitag im Pfaffenwaldring in Vaihingen mit einem Messer auf den 47-jährigen Wohnungsinhaber losging. Der etwa 40-jährige Täter mit der kräftigen Statur und dem runden Gesicht hatte zugestochen, als er bei seinem Beutezug überrascht wurde.

So gesehen hat ein Ehepaar in Oberriexingen (Kreis Ludwigsburg) ja noch Glück gehabt, als es am Sonntag tief und fest schlief. Derweil brachen Unbekannte ein Erdgeschossfenster auf, ließen mehrere Elektronikartikel, Geldbörsen mit Ausweispapieren sowie Schlüssel mitgehen. Der Wert des Diebesguts beträgt mehrere Tausend Euro. Ganz ähnlich erging es einem Ehepaar in Böblingen, das schlafend von einem Einbrecher heimgesucht wurde. Über ein gekipptes Fenster der Einliegerwohnung kam er bis in den ersten Stock und erbeutete Schmuck und Bargeld für mehrere Hundert Euro.

„Das Wochenende war bei uns besonders heftig“, sagt Peter Widenhorn, der als Polizeisprecher für die Kreise Ludwigsburg und Böblingen zuständig ist. In den beiden Landkreisen hat es jeweils 22 Wohnungseinbrüche nebst Versuchen gegeben. Die Täter verschwanden wie Phantome. Zwei Verdächtige in Herrenberg sind als etwa 25-Jährige mit dunklen Haaren und dunkler Kleidung eher vage beschrieben.

In Ermittlerkreisen ist längst klar, dass ein Teil der Verantwortlichen in Osteuropa zu suchen ist. Wenn Täter erwischt werden, stammen sie auffallend häufig aus der gleichen Gegend. Aus Georgien. „Die Beschuldigten kommen meist als Studenten oder Asylbewerber ins Land“, sagt Thomas Ulmer von der Stuttgarter Polizei. Meist für ein paar Wochen, dann später wieder, mit falschen Pässen.

Den jüngsten Ermittlungserfolg landete die Polizei Ende Oktober in Göppingen, wo acht verdächtige Georgier im Alter von 21 bis 38 Jahren sowie eine 24-jährige Frau als mutmaßliche Logistikerin der Gruppe festgenommen wurden. Die Verdächtigen sollen für mindestens 30 Einbrüche allein im Raum Göppingen verantwortlich sein. Bei der Polizeirazzia wurde auch die Sammelunterkunft in Heiningen nach Beweismitteln durchsucht. Die Beschuldigten sollen vornehmlich Häuser der 80er Jahre ins Visier genommen haben.

Der Schlag dürfte zumindest kurzfristig für Ruhe gesorgt haben. Im Kreis Göppingen gab es am vergangenen heißen Wochenende lediglich zwei Einbruchsmeldungen. Zum Vergleich die anderen Landkreise: Zehn in Stuttgart, 22 in Böblingen, 22 in Ludwigsburg, 13 in Esslingen, acht im Rems-Murr-Kreis. Der Schaden geht in die Hunderttausende.

Manches Opfer hat aber auch Glück. Nach der Festnahme eines georgischen Trios in Untertürkheim bekam eine Frau aus Gaisburg 22 Beutestücke zurück, die ihr bei einem Einbruch gestohlen worden waren. Die Polizei hatte mit Plakaten nach Besitzern unbekannter Schmuckstücke gefahndet – und die Betroffene hatte einige Gegenstände wiedererkannt. Unter anderem eine Schmuckschatulle, ein altes Familienstück. Und auch ihre Eheringe hat die Betroffene wieder. Damit konnte die Stuttgarter Polizei immerhin einen weiteren Fall klären. Die Aufklärungsquote ist gering genug. 2013 lag sie bei 11,4 Prozent.

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