Chris Ganter hat schon viele triste Wände in Stuttgart verschönert. Foto: Kathrin Wesely

Chris „Jeroo“ Ganter verschönert die Nesenbachtalbrücke. Über das Motiv gab es im Bezirksbeirat Süd Unstimmigkeiten. Sein Wunschvorschlag war manch einem in dem Gremium zu „sexistisch“.

S-Süd - Es gibt viele Möglichkeiten gegen Vandalismus vorzugehen, gegen Schmierereien im öffentlichen Raum. Die wahrscheinlich beste: freie Flächen von Künstlern bemalen zu lassen. Das hält andere Sprayer aus Respekt davon ab, darüber zu malen, und verschönert ganz nebenbei triste, graue Flächen. Das Tiefbauamt der Stadt arbeitet deshalb schon lange eng mit der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft zusammen, aber auch mit einzelnen Sprayern.

Jeroo hat schon einige kahle Wände verschönert

Einer der bekanntesten in Stuttgart ist Chris Ganter, der als Jeroo schon einige kahle Wände im Auftrag der Stadt angesprüht hat. Nach der Mauer entlang der Falkertstaffel im Westen und einer großflächigen Arbeit in Stuttgart-Fasanenhof folgen nun die Pfeiler der Nesenbachtalbrücke an der B 14 in Richtung Kaltental. „Die Brücke ist mir schon lange aufgefallen“, sagt Ganter, der beim Tiefbauamt schließlich angefragt hat. Die Genehmigung von Seiten der Stadt, sowie vom Land, die die Bundesstraße verwaltet, ist schon erteilt. Einzig über das Motiv muss im Bezirksbeirat noch beraten werden.

Die Darstellung der Frauen galt als zu „sexistisch“

Vor zwei Wochen hat Chris Ganter sein geplantes Projekt in der Sitzung des Bezirksbeirats vorgestellt, das Gremium hat im Anschluss darüber beraten und diskutiert. „Wir sind grundsätzlich auf jeden Fall dafür. Wir wünschen uns eine Verschönerung der Fläche“, sagt der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Süd, Raiko Grieb. Auch in seinem Bezirk habe man mit solchen Verschönerungen gute Erfahrungen gemacht, erst kürzlich etwa bei der Bemalung von einzelnen Mülleimern. Vor allem bei Vertretern von Bündnis 90/Die Grünen aber hat das Motiv für Unmut gesorgt. „Die Darstellung der Frau sei zu sexistisch“, sagt Ganter. Er selbst habe letztlich kein Problem damit einzulenken und sich auf die Darstellung der Naturmotive zu konzentrieren.

Wie immer vor einem Projekt, hat er sich über den Ort informiert, hat in diesem Fall Historisches über den Nesenbach in Erfahrung gebracht und dadurch sein Motiv entwickelt. Zu sehen sein werden nun etwa Wasservögel, Schmetterlinge, Fische und Pflanzen – das endgültige Motiv wird voraussichtlich bei der nächsten Sitzung am 27. Oktober vorgestellt und, wenn alles gut ankommt, abgesegnet. „In diesem Fall bringt es nichts, eine Kampfabstimmung zu machen. Wir möchten, dass alle dahinterstehen“, sagt Grieb. Und dann kann Jeroo je nach Witterungsverhältnissen mit seinem großflächigen Kunstwerk loslegen.

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