Das Mineralband Cannstatt Foto: Kraufmann

Seit 30 Jahren versucht die Stadt, das Mineralwasser von chlorierten Kohlenwasserstoffen zu säubern. Nun liegt ein neuer Plan vor, der auf älteren Erkenntnissen aufbaut.

Stuttgart - Das Amt für Umweltschutz Stuttgart hat am Donnerstag und Freitag auf einer Fachtagung vorgestellt, wie es künftig die Qualität des Mineralwassers in der Stadt verbessern will. Im Haus der Wirtschaft präsentierte es die Ergebnisse aus fünf Jahren Forschung. Sie sind Ausgangspunkt, um die Mineralquellen von sogenannten leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) zu reinigen.

Das Problem ist bekannt: Bereits vor 30 Jahren sorgte die Entdeckung von LCKW im Stuttgarter Grund- und Mineralwasser für Unruhe im Gemeinderat. Diese Stoffe werden eigentlich nur in der Industrie und zur chemischen Reinigung eingesetzt. Zumindest in hoher Konzentration können sie Schäden am Nervensystem und an inneren Organen des Menschen verursachen.

Bedrohlich war die Menge an LCKW im Stuttgarter Grundwasser nicht. Trotzdem begann die Stadt damit, die Ursachen für die Verunreinigung zu untersuchen und zu bekämpfen. Das Ziel war klar: Die Mineral- und Heilquellen sollen frei von LCKW werden. Über die Jahre brachte die Stadt dafür mehr als 40 Millionen Euro auf, dazu kamen 42 Millionen an Fördermitteln vom Land und 25 Millionen von Gewerbebetrieben. Doch die gewünschten Erfolge blieben aus. Zwar ging die Konzentration über die Jahre langsam zurück, aber bis heute kann man LCKW in einigen Quellen nachweisen. Die vorgenommenen Maßnahmen waren zu sehr auf einzelne Standorte bezogen, um die Verunreinigungen langfristig in den Griff bekommen zu können.

Um das zu ändern, wurde 2010 das Projekt Magplan gestartet. Ziel des Projekts war es, die Ursachen für die LCKW-Verunreinigung ausfindig zu machen. Diese Stoffe können weit im Boden und Grundwasser absinken, bis sie das tiefer liegende Mineralwasser erreichen. Gleichzeitig bewegen sie sich aber auch innerhalb der Gesteinsschichten. Im Rahmen des Projekts Magplan wurden 873 mögliche Standorte in Stuttgart untersucht, von denen am Ende fünf als Schlüsselstandorte für die LCKW-Verunreinigung übrig blieben. Hier waren früher Firmen ansässig, die chemische Reinigungen vornahmen, Metall verarbeiteten oder Tanklager hatten.

Das Amt für Umweltschutz griff dabei die Ergebnisse aus den Untersuchungen der vergangenen 30 Jahre auf und versuchte, diese in Bezug zueinander zu setzen. Dabei traten immer wieder Probleme auf, die durch gezielte Grundwassermessungen und Untersuchungen gelöst wurden. Insgesamt kostete das Projekt rund 3,6 Millionen Euro, von denen die Hälfte aus Fördergeldern der EU bestritten wurden. Über die kommenden zehn Jahre sollen nun diese fünf Schlüsselstandorte untersucht und umfassenden Sanierungen unterzogen werden. So soll zum Beispiel das verunreinigte Wasser an bestimmten Orten zunächst abgepumpt und dann gereinigt werden.

Die Kosten hierfür schätzt das Amt auf ungefähr 13,5 Millionen Euro. Am vergangenen Mittwoch bereits hat der Verwaltungsausschuss den Maßnahmen zugestimmt, in den kommenden Jahren ist der Gemeinderat gefordert. Das Ziel von vor 30 Jahren ist somit noch immer aktuell: reines Mineralwasser für Stuttgart.

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