Bisher ist Scientology offiziell in Stuttgart lediglich in Bad Cannstatt ansässig. Foto: Steinert

Der Bezirksbeirat Nord sorgt sich um den vermuteten Verkauf eines Gebäudes an der Heilbronner Straße an Scientology. Diskutiert wird nun, wie man angemessen reagieren und vor allem verhindern könne, dass Scientology auch Teile des nahegelegenen Bürgerhospital-Areals erwirbt.

S-Nord - Laut dem Verfassungsschutz des Landes Baden-Württemberg hat die religiöse Organisation Scientology das Gebäude an der Heilbronner Straße 69 erworben. Scientology streitet dies ab, der Verfassungsschutz hat seine Einschätzung aber nicht widerrufen.

Der vermutete Kauf treibt den Bezirksbeiräten von Stuttgart-Nord die Sorgenfalten auf die Stirn. Am Montagabend schlug Ralph Wöhrle, der Fraktionssprecher der Grünen im Gremium, vor, mit einem Antrag des Bezirksbeirats darauf zu reagieren. Gerade die Lage des Gebäudes – gleich um die Ecke von Milaneo, Europaviertel und Bürgerhospital – gefällt Wöhrle ganz und gar nicht. „Ich habe die Befürchtung, dass Scientology sich eventuell auch auf dem Bürgerhospital-Areal einkauft“, sagt er. In einigen US-Kleinstädten habe Scientology nach und nach Gebäude aufgekauft und alles andere verdrängt, so Wöhrle. „Mir liegt das schwer im Magen. Wir müssen für das Thema sensibilisieren.“

Gremium ist uneins über angemessene Reaktion

Das Bürgerhospital-Areal soll nach dem Auszug des Krankenhauses neu bebaut werden, zusammen mit der Fläche auf der gegenüberliegenden Seite der Türlenstraße, wo derzeit noch ein Bauhof der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) in Betrieb ist. In einem Gebäude auf diesem Bauhof, dem sogenannten ehemaligen „Pferdestall“, soll, so hofft der Bezirksbeirat, ein Bürgerzentrum entstehen. Angrenzend an das Gebäude Heilbronner Straße 69 befindet sich die ehemalige Mercedes-Benz-Niederlassung, die momentan noch übergangsweise als Kulturniederlassung Südwest genutzt wird. Danach wird der Arbeitgeberverband Südwestmetall hier seine neue Zentrale errichten lassen.

Im Gremium herrschte zunächst Uneinigkeit, ob überhaupt und wie der Bezirksbeirat reagieren könne: Einerseits, weil das Gebäude privat verkauft worden sei, und die Stadtverwaltung sich somit nicht einmischen dürfe, und andererseits, weil Scientology den Kauf bisher bestreite. „Wir wissen ja nichts“, gab Markus Beck (Grüne) zu bedenken, offiziell bestätigt sei der Kauf durch Scientology nicht. „Das ist eine schwierige Sache“, befand auch Bezirksvorsteherin Andrea Krueger, merkte aber an: „Die Scientologen wissen das Rechtssystem durchaus zu nutzen.“ Aufgrund der hohen Wirtschaftskraft sei Baden-Württemberg attraktiv für Scientology, und das Gebäude habe auch schon längere Zeit leergestanden.

Nicht förderlich für die Entwicklung des Gebiets

Für den Fall, dass Scientology wirklich in das Gebäude einzieht, war auch Andrea Krueger der Meinung, dass „das keine förderliche Entwicklung ist, was die weitere städtebauliche Entwicklung des Gebiets angeht“. Das Gebäude liege an einer prominenten Stelle am Bezirk, ergänzte Ralph Wöhrle: „Falls dort Werbebanner aufgehängt werden sollen, müssen wir uns darum kümmern, dass die wieder abgehängt werden.“ Timo Haug (CDU) war sich nicht sicher, ob „wir überhaupt soviel Einflussnahme haben“ – da ja auch an umliegenden Gebäude Außenwerbung erlaubt sei, und man somit alles verbieten müsse. Schließlich verabschiedete der Bezirksbeirat einen Antrag, in dem er die Stadtverwaltung aufforderte, im Sinne der weiteren Stadtteilentwicklung „eingehend zu prüfen, an wen Immobilien veräußert werden“. Im Antrag ist vermerkt, dass dessen Anlass die Medienberichte über den Verkauf des Gebäudes Heilbronner Straße 69 sind.

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