BDZV-Präsident Mathias Döpfner spricht am Montag in Berlin beim Kongress 2016 des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Foto: dpa

Wie können Zeitungsverlage im Internet Geld verdienen? Der Chef des Verlegerverbandes Mathias Döpfner fordert Verlage auf, soziale Netzwerke als Vertriebsmodell zu nutzen.

Berlin - Den Zeitungsverlagen fehlt bislang das durchschlagende Geschäftsmodell, mit dem sich auch im digitalen Zeitalter Geld verdienen lässt. Umso gespannter schaute die Branche am Montag auf den neuen Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Mathias Döpfner. Der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Verlages war im Juli zum neuen Präsidenten des BDZV gewählt worden – als Nachfolger des Herausgebers der „Kölnischen Rundschau“ Helmut Heinen. Schon nach seiner Wahl hatte Döpfner klargemacht, dass Verlage ihr wirtschaftliches Fortbestehen durch neue Finanzierungsmodelle sichern müssten.

Döpfner kritisiert Facebook

In seiner Rede in Berlin setzte sich Döpfner vor allem mit der Rolle von Facebook und anderen digitalen Plattformen auseinander, mit jener von sozialer Distribution, also Verbreitung von Inhalten über Facebook, als dem neuem „Mega-Trend“. Der Springer-Chef forderte die Zeitungsverleger dazu auf, soziale Verbreitungsplattformen als „Vertriebsmodell der Zukunft“ zu begreifen und dafür ein faires Geschäftsmodell zu entwickeln, das auch den Medienhäusern eine wirtschaftliche Perspektive sichere. Derzeit, so Döpfner, verdiene letztlich nur Facebook an der Verbreitung von Artikeln.

Kritik übte Döpfner vor allem an der Strategie von Facebook und anderen sozialen Netzwerken, immer häufiger auch wie ein Verleger zu handeln und Einfluss auf Inhalte zu nehmen. „Wenn diese quasi-monopolistischen Technologieplattformen auch inhaltliche Verantwortung übernehmen, sind die Folgen gravierend“, sagte Döpfner – „für das Geschäft und für die Gesellschaft.“

In diesem Zusammenhang forderte Döpfner auch eine neue Medienpolitik: Keine, in der die Presse öffentlich finanziert oder subventioniert werde, denn eine gerettete Presse sei keine mehr, sondern einen international begründeten Regulierungsrahmen und eine Reform des Urheberrechts. Es brauche eine europäische Lösung, die über das deutsche Recht hinausgehe, sagte Döpfner in Richtung des EU-Kommissars für Digitalwirtschaft, Günther Oettinger.

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