Die neue, fast fünf Kilometer lange U-13-Trasse, die Ditzingen ab 2028 mit dem SSB-Netz verbinden soll, erhält durchgehend Magerwiesengleise. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Der neue Betriebshof kostet rund 70 Millionen Euro, die 4,8 Kilometer lange Trasse bis Ditzingen noch einmal gut 60 Millionen Euro. Insgesamt werden sechs neue Haltestellen und sechs Brücken gebaut.

Jahrelang haben die Verantwortlichen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) einen Standort für einen vierten Stadtbahnbetriebshof gesucht – und zwar im nordwestlichen Bereich ihres Streckennetzes. Erst 2018 wurde man mit „Ditzingen-Ost“ fündig. Nach fünfjähriger Planung wollen die SSB-Verantwortlichen vor den Sommerferien Nägel mit Köpfen machen. Chefplaner Volker Christiani stellte dem Bezirksbeirat Weilimdorf die Entwurfsplanungen vor, die neben einem rund 70 Millionen Euro teuren Betriebshof auch die Verlängerung der Stadtbahntrasse der U 13 bis nach Ditzingen beinhalten. Dieses Projekt wird auf rund 60 Millionen Euro geschätzt. Ein Überblick.

 

Die neue Strecke

Gebaut wird eine 4,8 Kilometer lange zweigleisige Trasse zwischen der Haltestelle Rastatter Straße in Weilimdorf und Ditzingen-Hülben. „Ob die Trasse bis zum Ditzinger Bahnhof geführt wird, steht noch nicht fest“, sagt Christiani. Doch das Interesse sei groß – zumal die Kosten-Nutzen-Berechnungen gezeigt hätten, dass diese Verlängerung förderungsfähig sei. Bei diesem Thema sei man noch im Gespräch mit der Stadt Ditzingen. Die SSB setzen beim Gleisbau durchgehend auf Magerwiesen, die in Stuttgart erstmals 2016 verbaut wurden. Der Vorteil: Der spärliche, aber ökologisch wertvolle Bewuchs bietet Lebensraum für viele Tiere. Zudem wird das gefährliche Mähen des Bewuchses unter laufendem Stadtbahntrieb stark reduziert.

Takt und Fahrzeit

„Die U 13 fährt tagsüber den üblichen Zehn-Minuten-Takt“, sagt Christiani. Dabei seien 40-Meter-Züge im Einsatz. Die Fahrzeit von Hausen bis zum Löwenmarkt in Weilimdorf beträgt 7, bis zum Bahnhof Feuerbach 14 und bis zum Pragsattel 17 Minuten. Von der momentan geplanten Endhaltestelle Ditzingen Hülben beträgt die Fahrzeit der U 13 bis zum Pragsattel 21 Minuten. Möglich macht dies auch die Tatsache, dass der 13er entlang der B 295 mit Tempo 80 unterwegs sein wird, während für die parallel fahrenden Autos lediglich Tempo 60 gilt.

Haltestellen und Brücken

Geplant sind sechs Haltestellen. Jeweils drei in Weilimdorf und in Ditzingen. „Nach der Haltestelle Rastatter Straße werden wir aus der Bestandsstrecke der U 6 ausschleifen und runter auf die B 295 eine neue Brücke bauen“, so Christiani. Die Trasse verläuft dann südlich entlang der Bundesstraße rund 1,2 Kilometer bis zur ersten Haltestelle etwa auf Höhe der Kreuzung Flachter Straße/Gerlinger Straße/B 295. Von dort geht es knapp 600 Meter weiter bis zum geplanten Halt am Weilimdorfer Gewerbegebiet. Im weiteren Trassenverlauf fährt die Stadtbahn entweder in die Werkstatt oder weiter über Hausen in Richtung Ditzingen. Auf der gesamten Strecke müssen die SSB zwei neue Stadtbahn- und zwei neue Feldwegbrücken bauen. Zudem wird die Fußgängerbrücke beim Weilimdorfer Bahnhof umgebaut und erhält einen überdachten Zugang zur neuen Haltestelle. Geplant sind zudem zwei Bachbrücken im Ditzinger Scheffzental. Umfangreiche Baumaßnahmen stellen auch die Stützwände entlang der B 295, des Betriebshofs und entlang der A 8 in Ditzingen dar.

Flächenbedarf

„Durch den Verlauf der Trasse entlang der B 295, die größtenteils in die Böschung reingebaut wird, kann der Flächenverbrauch reduziert werden“, sagt Christiani. Trotzdem sei der Bedarf groß, was jedoch auch an den gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen liege. Der Gesamtbedarf an landwirtschaftlichen Flächen auf Stuttgarter Markung beläuft sich auf rund neun Hektar Ackerflächen. 4,8 Hektar für den neuen Stadtbahnbetriebshof, zwei Hektar für die U-13-Trasse und 2,1 Hektar für Ausgleichsflächen. Für die Baustellenlogistik und die Zwischenlagerung des Erdaushubs werden etwa 3,8 Hektar Ackerflächen benötigt.

Der Betriebshof

Das Areal Ditzingen-Ost im Westen von Weilimdorf ist 4,8 Hektar groß. Neben der 9500 Quadratmeter großen Abstellhalle für 47 Stadtbahnzüge sind eine 6000 Quadratmeter große Werkstatt sowie ein Dienst- und Sozialgebäude mit Stellwerk (2400 Quadratmeter) geplant. Die Kostenschätzungen beliefen sich zuletzt auf etwa 70 Millionen Euro. Das Besondere: Die drei Gebäude bekommen ein gemeinsames, rund 18 600 Quadratmeter großes Gründach (Regenrückhaltung), das zudem noch mit einer gut 4300 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage versehen wird. Das Regenwasser wird unter anderem zur Reinigung der Stadtbahnen und zur Bewässerung der Außenanlagen genutzt. In der Abstellhalle wird zudem eine riesige „Platte“ in den Boden eingebaut, mit der im Sommer Wärme gespeichert wird, die dann im Winter entnommen werden kann.

Artenschutz

Für die Zaun- und Mauereidechsen werden entlang der B 295 und auf städtischen, landwirtschaftlichen Flächen temporäre und dauerhafte Habitate geschaffen. Für Feldlerchen wird eine Brutbrache angelegt. Für weitere Vogelarten, darunter auch Turmfalken, werden künstliche Nisthilfen geschaffen. Zuletzt müssen auch Fledermäuse auf Ditzinger Markung geschützt werden. Damit die Tiere nicht gegen die Stadtbahnen fliegen, werden im Bereich Beutenbach sogenannte Kollisionsschutzwände (Fledermaus-Hop-over) mit Vegetation eingegrünt.

Kosten

Ohne Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) kein Trassenbau. Doch die dafür nötige Kosten-Nutzen-Untersuchung war laut Christiani erfolgreich – selbst eine mögliche Verlängerung bis zum Ditzinger Bahnhof. Allerdings gibt es über das GVFG einen Zuschuss nur für den Trassenbau, der rund 60 Millionen Euro kosten wird. „Im Jahr 2020 hat der Bund seinen Förderanteil von 50 auf 75 Prozent erhöht“, so der SSB-Chefplaner. Von den verbliebenen 25 Prozent übernimmt das Land die Hälfte, sodass die SSB noch 12,5 Prozent stemmen müssen. Das Land unterstützt zudem den Bau des Betriebshofs aus einem anderen Fördertopf mit 50 Prozent. Der Zuschuss würde sich auf 75 Prozent erhöhen, wenn der Klimamobilitätsplan, an dem die Stadt momentan arbeitet, greift.

Zeitplan

Die Entwurfsplanung soll im Bezirksbeirat Weilimdorf am 20. Juni und in den gemeinderätlichen Ausschüssen (27. Juni im Städtebauausschuss, 5. Juli im Verwaltungsausschuss) diskutiert und abschließend am 6. Juli im Gemeinderat beschlossen werden. Danach soll das Planfeststellungsverfahren durch das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart eingeleitet werden. Gibt das RP seinen Segen, könnte Anfang 2025 mit dem Bau begonnen werden. „Der Betriebshof und die Trasse nach Hausen könnten 2027 eröffnet werden, die Trassenverlängerung nach Ditzingen ein Jahr später“, sagt Christiani.