Der völlig zerstörte Transporter steht auf der Fahrbahn der A1 bei Wildeshausen. Foto: Thomas Lindemann/TeleNewsNetwork/dpa

Bei Unfällen, an denen Lkws beteiligt sind – wie am Mittwoch auf der A1 in Niedersachsen –, sind Schwerverletzte oder Tote relativ häufig. Die häufigsten Unfallursachen auf Autobahnen bei Lkws wie Pkws: geringer Abstand und hohe Geschwindigkeit.

Wildeshausen/Stuttgart - Bei dem schweren Verkehrsunfall in der Nacht zum Mittwoch (7. Oktober) auf der Autobahn 1 in Niedersachsen waren alle fünf Insassen eines Transportes ums Leben gekommen. Nach Polizeiangaben war der Transporter zwischen Wildeshausen-Nord und Wildeshausen-West auf einen Sattelzug aufgefahren und unter den Lastwagen geraten.

Ursachen für Unfälle mit Lkws

Bei Unfällen, an denen Lkws beteiligt sind, sind Schwerverletzte oder Tote relativ häufig – vor allem wenn ein Laster in ein Stau-Ende rast. Laut Statistischem Bundesamt Destatis gab es im Jahr 2018 insgesamt 8046 Unfälle mit schweren Lkws – also Sattelzugmaschinen über 18 und bis 40 Tonnen –, davon 4210 allein auf Autobahnen.

Geringer Abstand

Die beiden häufigsten Unfallursachen auf Autobahnen sind laut Auto Club Europa (ACE) zu hohe Geschwindigkeit und geringer Abstand. „Lkw sind seltener an Unfällen beteiligt, allerdings sind die Folgen bei Kollisionen mit Lkw meist viel dramatischer, die Unfallschwere überdurchschnittlich hoch“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold.

Der gesetzliche Mindestabstand für Lkw auf Autobahnen beträgt, wenn sie schneller als 50 Kilometer pro Stunde fahren, 50 Meter. Eine der häufigsten Ursachen für Lkw-Unfälle ist laut ADAC zu geringer Abstand zum Vordermann. Häufig betrage der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nur wenige Meter. Auffahrunfälle mit schwerwiegenden Folgen seien praktisch unausweichlich, sagen die Versicherer.

Übermüdung

Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) führt jedes Jahr rund 500 000 Fahrzeugkontrollen durch. Bei jeder dritten Überprüfung stellen die Beamten Verstöße gegen das Fahrpersonalrecht sowie die Lenk- und Ruhezeiten fest. Eine Befragung der Unfallforschung der Versicherer unter Kraftfahrern ergab, dass jeder vierte Lkw-Fahrer pro Woche mehr als 60 Stunden arbeitet.

Aufgrund von Übermüdung und des monotonen Fahrens auf langen Strecken können Fahrer mitunter „bei einer plötzlichen Veränderung der Verkehrslage nicht mehr rechtzeitig reagieren und fahren einfach weiter“, erklärt Wolfram Hell, Leiter der Unfallanalyse des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität München.

Ablenkung

Das Handy habe Alkohol als Unfallursache Nummer eins am Steuer abgelöst, sagt Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs Mobil in Deutschland. Eine Studie des Virginia Tech Transportation Institute von 2016 ergab, dass sich das Unfallrisiko durch Smartphone-Nutzung um ein Vielfaches erhöht.

Nach Aussage von Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat entspricht Telefonieren am Steuer von der Wirkung her einem Alkoholgehalt von 0,8 Promille, die Ablenkung durch SMS-Schreiben sogar 1,1 Promille.

Technische Defizite

Seit 2015 müssen alle in der EU neu zugelassenen Lkw mit mehr als acht Tonnen Gewicht über einen Notbremsassistenten verfügen. Seit Jahresbeginn ist dieser für alle Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen verpflichtend. Eine Abbremsung auf null ist bei Lkw technisch möglich. Gesetzlich vorgeschrieben ist aber nur, dass diese Systeme die Fahrzeuge um 20 km/h herunterbremsen.

Hinzu kommt: Nur Neufahrzeuge müssen mit dem Bremssystem ausgestattet werden. Eine Nachrüstung älterer Modelle ist technisch nicht möglich und wäre viel zu kostspielig. Ein Notbremssystem hätte laut Unfallforschung der Versicherer in bis zu 80 Prozent der Fälle einen Lkw-Unfall verhindern oder seine Folgen deutlich abmindern können.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: