Vor gut 25 Jahren wurde die Nord-Süd-Straße eröffnet. Fast genauso lang wird über einen möglichen Ausbau diskutiert. Foto: Archiv Achim Zweygarth

Die Diskussionen über den Zubringer zum Synergiepark ebben nicht ab. Nun melden sich auch Anwohner zu Wort und fordern einen Ausbau, damit die Menschen in Vaihingen und Möhringen nicht im Verkehr ersticken.

Vaihingen/Möhringen - Die Unternehmen sind alarmiert, Stadträte mehrerer Fraktionen sind es auch. Der Vorschlag der Verwaltung, auf einen dreispurigen Ausbau der nördlichen Nord-Süd-Straße zu verzichten und stattdessen einen Radschnellweg zu bauen, hat ordentlich Wirbel verursacht. In der kommenden Woche beschäftigen sich Stadt- und Bezirksbeiräte mit dem Thema. Zwei Anträge liegen bereits auf dem Tisch, einer von der SPD-Gemeinderatsfraktion, für den anderen zeichnen CDU, FDP und Freie Wähler gemeinsam verantwortlich. Das Ziel beider Anträge ist es, dass der dreispurige Ausbau der kompletten Nord-Süd-Straße weiter eine Option bleibt. Die Planungen für eine Ertüchtigung der Straße sollen schneller vorangetrieben und gemeinsam ein Parkkonzept erarbeitet werden.

Doch nicht nur Politiker und Unternehmer sind aufgebracht. Auch Anwohner sehen ein noch größeres Verkehrschaos auf sich zukommen, sollte es mit der Nord-Süd-Straße nicht weiter vorangehen. Eine von ihnen ist Petra Tuschek. Sie wohnt an der Vischerstraße in Vaihingen und sagt: „Wir konnten es nicht glauben, als wir gelesen haben, dass die Stadtverwaltung den Ausbau der Nord-Süd-Straße als nicht wichtig einstuft und ad acta legen will. Wir ersticken noch mal im Verkehr. Zu den Stoßzeiten gibt es Stau auf den großen Straßen, und wenn da alles dicht ist, quetschen sich die Autos auch noch durch die Anliegerstraßen.“ Für die Menschen dort bedeute das dann Lärm, Dreck und Gestank. Außerdem würde sich im Fall der Vischerstraße niemand an das vorgegebene Tempo 30 halten. Wenn die Autos dann in Richtung Autobahn rasen, könne das schnell zu gefährlichen Situationen führen, insbesondere für Kinder.

Wer will auf einem Radweg direkt neben einer viel befahrenen Straße radeln?

Dass nun ausgerechnet ein neuer Radweg gebaut werden soll, kann Tuschek überhaupt nicht verstehen. Sie sei oft mit ihrem Drahtesel in Richtung Leinfelden-Echterdingen unterwegs. „Da gibt es genug Radwege. Und wer möchte schon auf einer so hirnrissigen Strecke direkt neben den sich stauenden Fahrzeugen fahren und die Abgase einatmen, wenn es als Alternative in der Nähe eine alte Straße gibt, die hauptsächlich von Radfahrern und Spaziergängern genutzt wird?“, fragt sie und ergänzt: „Warum wird so viel Geld für so etwas Unnützes ausgegeben?“

Ihr Nachbar Jürgen Kreis sieht es ähnlich. Als Kind habe er auf der Vischerstraße gespielt. „Da kam mal alle anderthalb Stunden ein Auto vorbei“, sagt der Familienvater. Heute sei die Vischerstraße offiziell eine Anliegerstraße, doch daran halte sich niemand. Wenn es auf den Hauptverkehrsstraßen wie der Nord-Süd-Straße Stau gebe, dann zwängten sich die Pendler durch die kleinen Nebenstraßen. Und wenn sich mal eine Gelegenheit biete, jene Falschfahrer zur Rede zu stellen, „dann werden wir angelogen, beschimpft oder beleidigt“, sagt Kreis. Mit der Eröffnung des neuen Daimler-Komplexes am Wallgraben und dem Bau der neuen Allianz-Zentrale an der Heßbrühlstraße werde künftig alles noch viel schlimmer werden. Kreis glaubt nicht, dass besonders viele der Arbeitnehmer mit Bus und Bahn kommen – und schon gar nicht mit dem Fahrrad, sodass sie von dem nun geplanten Schnellradweg entlang der Nord-Süd-Straße profitieren würden.

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