Verkehr auf der Filderebene B 27: Der lange Wege zur dritten Fahrspur

Von Thomas Krämer und Judith A. Sägesser 

Vier Spuren reichen auf der B 27 nicht mehr. deshalb soll die Straße auf der Filderebene verbreitert werden. Foto: Thomas Krämer
Vier Spuren reichen auf der B 27 nicht mehr. deshalb soll die Straße auf der Filderebene verbreitert werden. Foto: Thomas Krämer

Dass die B 27 auf der Filderebene breiter wird, ist beschlossene Sache. Doch bis die ersten Autos über den dann noch neuen Asphalt rollen, dauert es noch viele Jahre. Warum eigentlich?

Filder - Anfang dieses Jahres haben Fachleute die Planungen für eine breitere B 27 mit jeweils drei Fahrspuren auf den Fildern vorgestellt. Doch bis das erste Auto über den frischen Asphalt rollen wird, vergeht wohl noch mindestens ein Jahrzehnt. Wir erklären das Prozedere.

Warum dauert das alles so lange?

Projekte wie die Verbreiterung der Bundesstraße sind komplexe Angelegenheiten. Das Verfahren ist standardisiert, erklärt ein Sprecher des Regierungspräsidiums (RP). Es sind verschiedene Schritte nacheinander abzuarbeiten. Ändert sich während der Planungszeit etwas, beispielsweise im Naturschutz, muss dies berücksichtigt werden. Das alles dauert – auch wegen gesetzlich vorgegebener Fristen.

Wer ist alles involviert?

Von Anfang an sind Fachleute für Straßenplanung, Lärmschutzgutachten und Landschaftsplanung beteiligt, so ein RP-Sprecher. Bereits in der Phase der Vorplanung sind die Träger der öffentlichen Belange, also Behörden, Bürger und natürlich der Bund als Baulastträger einbezogen.

Wie sehen die Planungsschritte aus?

Der erste Schritt ist die Vorplanung. Dabei werden Trassenvarianten untersucht und Verkehrssicherheit, Verkehrsqualität, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit abgewogen. Am Ende empfehlen die Planer eine Variante. Im nächsten Schritt, der Entwurfsplanung, wird ein Vorentwurf entwickelt, in dem Lage und Höhe sowie technische Details ausdekliniert werden. Der Vorentwurf wird dem Bund vorgelegt. Nun folgt die Genehmigungsplanung, an deren Ende die Planfeststellung steht. In der Ausführungsplanung werden nötige Änderungen in den Entwurf eingearbeitet. Die Planung wird dann ausgeschrieben.

Wann beginnen die Bauarbeiten?

Das ist vom Regierungspräsidium so nicht konkret zu erfahren. Was die Behörde mitteilt: Es wird von einer Bauzeit von mindestens zwei Jahren ausgegangen. Lässt sich also selbst hochrechnen: Anfang des Jahres hieß es, die verbreiterte B 27 könnte 2027 fertig sein. Hieße im Umkehrschluss, die Arbeiten würden etwa 2025 beginnen.

Was erwartet Pendler in dieser Zeit?

Bauarbeiten an oder auf der B 27 haben eine verlässliche Konsequenz: noch mehr Stau. Um die Unannehmlichkeiten für Pendler während der circa zweijährigen Bauzeit so gering wie möglich zu halten, sollen alle Fahrspuren erhalten bleiben, erklärt der RP-Sprecher. „Mit Verkehrsbehinderungen ist nur während des Umbaus der Verkehrsführung in verkehrsarmen Zeiträumen zu rechnen“, sagt der Sprecher. „Sperrungen sind nur für den Abriss von Brücken erforderlich und werden ebenfalls in verkehrsarme Zeiten verlegt.“

Was wäre, wenn die Pläne bis in zehn Jahren überholt sind?

Ein Gedankenspiel: Man stelle sich vor, dass die Zahl der Pendler im nächsten Jahrzehnt drastisch zurückgeht – zum Beispiel weil Fahrverbote in der ganzen Region ausgeweitet und verschärft werden und sich die Angebote für den Nahverkehr spürbar verbessern. Wäre dies in zehn Jahren der Fall, gäbe es möglicherweise eine breitere Bundesstraße, die es eigentlich so gar nicht mehr braucht.

Dieses Szenario hält das Regierungspräsidium aber für höchst unrealistisch. „Die durchschnittliche werktägliche Verkehrsbelastung der B 27 im Abschnitt zwischen Aichtal und Leinfelden-Echterdingen/Nord lag schon bei der letzten bundesweiten Straßenverkehrszählung 2015 mit 83 968 Autos in 24 Stunden über der Kapazitätsgrenze eines vierstreifigen Straßenquerschnittes“, heißt es vom RP. Der Ausbau der B 27 sei längst überfällig. Es seien „keinerlei Anzeichen zu erkennen, die auf einen Rückgang der Verkehrsmengen schließen lassen“. Im Gegenteil. Die Entwicklung der Filderkommunen, der Messe und des Flughafens spreche eher für eine weitere Zunahme der Verkehrszahlen.

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