Für die leidgeplagten Autofahrer soll der Stau auf der Bundesstraße 27 künftig weniger werden – nach dem Ausbau auf sechs Spuren. Foto: Thomas Krämer

Weil die B  27 dem Pendlerverkehr nicht mehr gewachsen ist, soll sie auf der Filderebene auf sechs Fahrspuren ausgebaut werden. Es gab aber auch schon andere Ideen, wie man den tausenden Autos Herr werden könnte.

Filder - Die B 27 ist auf ihrem Filderabschnitt die höchstbelastete Bundesstraße in Deutschland. 84 000 Fahrzeuge – mittlerweile vielleicht noch mehr – sind nach einer letzten Zählung dort an jedem normalen Werktag unterwegs. Für 2030 rechnen Experten sogar mit täglich 103 000 Fahrzeugen. Im morgendlichen Berufsverkehr reicht der Stau vom Aichtal bis zum Echterdinger Ei, abends stockt es in die Gegenrichtung. Das wird noch eine Weile so bleiben. Frühestens 2027 sollen sechs Fahrstreifen zur Verfügung stehen. Doch auf den Fildern regt sich nicht zuletzt wegen des Flächenverbrauchs Widerstand. Bezweifelt wird zudem, dass eine breitere Straße die Probleme wirklich löst. Gibt es Alternativen zum Ausbau?

Wie wäre eine Zugtrasse von Tübingen/Reutlingen nach Stuttgart?

Darauf gibt Jürgen Wurmthaler, der Leitende Direktor vom Verband Region Stuttgart, eine klare Antwort: „In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird es keine Schienenverbindung entlang der Bundesstraße geben“. Er setzt auf Stuttgart 21 und die „Große Wendlinger Kurve“, die zweigleisig von der Schnellbahntrasse Stuttgart – Ulm abzweigen soll und so den Raum Reutlingen und Tübinger besser und schneller an Stuttgart und die Filder – mit der Drehscheibe am Flughafen – anbinden soll. Zusammen mit der Stadtbahn U6 und der verlängerten S 2 erwartet er eine deutliche Verbesserung im öffentlichen Nahverkehr.

War ein Transrapid für die Strecke jemals ein Thema?

Der Transrapid sollte einst nicht nur München mit dem Flughafen und damit der Welt verbinden – es sei an die 2002 beim Neujahrsempfang der CSU gestammelte Rede des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber erinnert. Auch als Verbindung von Stuttgart in Richtung Reutlingen und Tübingen war der Magnetschwebezug einmal im Gespräch. Anfang der 1990er Jahre hatte der damalige baden-württembergische Verkehrsminister Hermann Schaufler (CDU) eine Schnellbahnstrecke auf Stelzen entlang der B 27 vorgeschlagen. Davon ist jedoch keine Rede mehr, nachdem die Entwicklung des Transrapids in Deutschland eingestellt worden ist.

Wäre eine Seilbahn auf der Filderebene denkbar?

In einigen Großstädten in der Welt, so zum Beispiel in La Paz, werden bereits Seilbahnen als normales Verkehrsmittel im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt. In Koblenz wurde zur Bundesgartenschau 2011 eine Seilbahn gebaut, die nicht – wie ursprünglich geplant – wieder demontiert wurde. Auch in der Region Stuttgart und auf den Fildern gibt es Gedankenspiele, die Menschen in Seilbahngondeln von A nach B zu bringen, zumal der Aufwand und der Flächenverbrauch im Vergleich zur Schiene deutlich geringer wären.

Eine sinnvolle Alternative zum Ausbau der B 27 sei eine Seilbahn jedoch nicht, wie Claus Bürkle vom Ingenieurbüro Drees & Sommer sagt. Stärke der luftigen Verbindungen sind nach seinen Worten Strecken bis zu rund fünf Kilometer Länge. „Stand heute ist die Geschwindigkeit von Seilbahnen zu niedrig, so dass niemand umsteigen wird“, sagt der Ingenieur. Allerdings werde aus Hirngespinsten bisweilen auch Realität, ergänzt er.

Wie wäre eine eigene Spur für Busse entlang der B 27?

Nach Angaben des dafür zuständigen Regierungspräsidiums wurde die Möglichkeit, den Seitenstreifen der B 27 zwischen den Anschlussstellen Aich und Leinfelden/Echterdingen zeitweise für Busse freizugeben, in der Vergangenheit bereits geprüft. Der vorhandene seitliche Notstreifen auf der freien Strecke sei jedoch für eine Nutzung zu schmal und fehle im Bereich der zahlreichen Bauwerke einschließlich des Bereichs des Tunnels bei der Ausfahrt Flughafen komplett, so dass eine Nutzung als temporärer Seitenstreifen nicht möglich sei. Nach dem sechsstreifigen Ausbau der B 27 sei eine temporäre Nutzung des Seitenstreifens nicht vorgesehen und auch nicht erforderlich, da der neue Querschnitt ausreichend leistungsfähig sei.

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