Seilbahnen zur Verkehrsentlastung auf den Fildern erregen die Gemüter. Die Leserschaft unserer Zeitung pendelt zwischen Begeisterung und klarer Ablehnung zugunsten von Bus, Schienenverkehr und Fahrrad.
Filder - Die Leserreaktionen auf unseren Artikel „Lösen Seilbahnen das Verkehrsproblem?“ vom Mittwoch, 8. Mai, sind gespalten. Während die einen das Projekt als Verkehrsentlastung und Beitrag zum Klimaschutz feiern, vernebeln die täglichen Blechlawinen den anderen den Blick auf hierzulande unkonventionelle Lösungen wie Seilbahnen. Das Fazit der Letzteren lautet: Der Verkehr muss raus aus den Stuttgarter Fildervororten, vor allem aus Vaihingen.
Irene Haas aus Birkach hält Seilbahnen für geeignet, den Verkehr flüssiger zu machen. Für sie stellt sich allerdings die Frage, wo die Passagiere Parkplätze finden sollen. Generell ist sie der Meinung, dass man die Nutzung von Parkhäusern günstig gestalten sollte. Um die Menschen zum Umstieg auf den Öffentlichen Personennahverkehr zu ermuntern, schlägt sie vor: „Autofahren müsste teurer werden als der öffentliche Nahverkehr, oder der öffentliche Nahverkehr billiger als Autofahren.“
Gezielte Schulbildung als Waffe gegen die Klimakatastrophe
Auch der Vaihinger Hermann Veeser hält die Seilbahn „für eine gute Sache neben vielen Dingen, die sonst noch für den Klimaschutz und zur Lösung des Verkehrsproblems getan werden müssen“. Der pensionierte Physiklehrer des Hegel-Gymnasiums hält es angesichts der Klimakatastrophe für unverantwortlich, dass Klimaschutz in den Bildungsplänen der Schulen „unter ferner liefen“ laufe. Probleme, stellt er fest, würden nur erkannt, wenn sie sichtbar seien: „Für die meisten ist unsichtbar, wie durch ihren Lebenswandel die Zukunft der Enkel versaut wird.“ Deshalb müsse das Thema großen Stellenwert im Unterricht bekommen.
Auch Ingrid Schulte aus Möhringen sind Seilbahnen im Prinzip willkommen. „Ich denke, dass alles gut ist, was den Verkehr verflüssigt. Ich bin in Wuppertal mit der Schwebebahn groß geworden und kann mir Seilbahnen gut vorstellen, aber die Voraussetzungen müssen stimmen“, sagt sie. Zur Verwirklichung des Projektes müssten entsprechend große Parkhäuser gebaut werden. Als Standort schließt sie das Möhringer Freibad kategorisch aus.
Zum Bauhaus oder zur Waschstraße fährt man nicht mit der Seilbahn
Der Möhringer Martin Jehlicka sieht das Projekt kritisch. Die Seilbahnidee sei deshalb entstanden, weil man früher der Gewerbesteuer wegen Firmen angesiedelt, und die dafür nötige Infrastruktur vernachlässigt habe. Man brauche keine Seilbahnen, denn zwischen Degerloch und Plieningen verkehrten Busse und zwischen Vaihingen und dem Flughafen gebe es S-Bahnen. Zum Synergiepark und einem eventuellen Parkhaus an der Nord-Süd-Straße nahe der A 8 sagt er: „Falls man es schafft, die Fahrer zum Parken im Parkhaus zu zwingen, kann man sie in den Stoßzeiten mit Bussen einfacher und gezielter in den Synergiepark fahren.“ Zwischen 9 und 16 Uhr fahre dort niemand, „und zum Bauhaus oder in die Waschstraße fährt man weder mit der Seilbahn noch mit dem Bus“.
Die Leserin Karin Walch lehnt Seilbahnen kategorisch ab. Sie subsumiert sie wie die Mooswand am Neckartor unter der Rubrik „Klein-Klein-Lösung“. Zur Entlastung vom Verkehr sei das Fahrrad das beste Mittel. Die geeigneten Wege dafür müssten ausgebaut werden, auch mit einer Tunnellösung. Für Letztere kenne sie „viele Beispiele im Inland und im nahen Ausland“, wie sie sagt. Für die Tunnel seien die Bohrmaschinen, „wie wir alle wissen, ganz in der Nähe greifbar“.
Tunnellösung für den Radverkehr
Der Rohrer Michael Schlegel lehnt Seilbahnen ebenfalls ab. „Das untere Möhringer Gebiet braucht schon lange eine Erweiterung der Nord-Süd-Straße mit einer dritten Spur im Wechselverkehr“, sagt er. Voraussetzung sei der kreuzungsfreie Anschluss an die A 8 Richtung Karlsruhe: „Kreuzungsfreie Fahrt auch von der Nord-Süd-Straße am Freibad Möhringen in beide Richtungen! Tiefgaragen sind noch zu ergänzen, Dekra hat ja eine große Tiefgarage, Trelleborg durch seinen Neubau ebenfalls. Das wär’s !“, bilanziert er.