Manchmal rollt der Verkehr, oft genug steht er aber auch. Neben der B 10 bei Zuffenhausen ist die B 27 bei Echterdingen die meistbefahrene Bundesstraße im Land. Foto: Thomas Krämer

Mit 84 000 Fahrzeugen ist die B 27 bei Echterdingen die meistbefahrene Bundesstraße des Landes. Sollte der sechsspurige Ausbau bis 2027 Realität werden, könnten es sogar 120 000 sein – und damit mehr, als auf den meisten Autobahnen.

Filder - Rund 84 000 Fahrzeuge sind werktags auf der B 27 am Fildertunnel unterwegs, wie eine Zählung vor drei Jahren ergeben hatte. Würde man sie alle hintereinander parken, reichte die Autoschlange von Filderstadt bis nach Köln. Das Ergebnis ist bekannt: Morgens stockt der Verkehr kilometerlang in Richtung Stuttgart, abends in der Gegenrichtung. Das soll sich jedoch ändern. Nachdem der Bund den Ausbau der B 27 mittlerweile für „vordringlich“ hält, hat das zuständige Regierungspräsidium Stuttgart mit den Planungen begonnen und die Gemeinderäte von Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen kürzlich „über die Rahmenbedingungen informiert, unter denen wir planen“, wie Jürgen Holzwarth in Filderstadt sagte. Obwohl mehrere Varianten überprüft würden, seien schon jetzt Tendenzen erkennbar, so der Referatsleiter Straßenplanung beim Regierungspräsidium Stuttgart gegenüber den Stadträten von L.-E.

30 bis 50 Hektar Fläche würden dem Ausbau zum Opfer fallen

Und diese sehen so aus: Zwischen den Anschlussstellen Aich und Echterdingen-Nord werden nach dem Ausbau auf einer Länge von gut neun Kilometern sechs Fahrstreifen plus Standstreifen zur Verfügung stehen. „Das reicht für 120 000 Fahrzeuge“, so Holzwarth. Somit würden die Staus im Berufsverkehr der Vergangenheit angehören. Das Asphaltband soll dann 36 Meter breit sein – im Vergleich zu heute 24 Metern. Die für den asymmetrischen Ausbau nötige Fläche würde auf dem nördlichen Abschnitt vor allem auf der östlichen Seite der Straße von den Feldern abgeknapst – insgesamt sind das zwischen 30 und 50 Hektar.

Gebaut wird nach Worten von Projektleiter Adrian John in zwei Phasen. Zuerst ist die Fahrbahn in Richtung Stuttgart dran, wobei die zwei Spuren erhalten bleiben, aber enger werden. Anschließend werden beide Fahrtrichtungen, also zweimal zwei Spuren, über diese verbreiterte Trasse geleitet, wodurch die Bagger auf der Fahrbahn in der Gegenrichtung nach Tübingen frei rangieren können. „Der Verkehr würde während der gesamten Bauzeit weitgehend ungestört laufen“, ist John optimistisch.

Ab 2020 soll die Öffentlichkeit einbezogen werden

Veränderungen wird es an den Anschlussstellen geben. Das vorläufige Konzept sieht in Bonlanden eine Verlegung der B 312 Richtung Osten vor, in Plattenhardt eine Verlagerung der nördlichen Auffahrt. An der Anschlussstelle Echterdingen-Mitte könnte die L 1192 in Richtung Messe ein wenig nach Norden verschoben werden. Unklar ist, wie am Fildertunnel geplant wird. Der Übergang muss erhalten bleiben, da er trotz fehlender Gleise als Bahnstrecke noch nicht entwidmet wurde.

In diesem Sommer soll die Voruntersuchung beginnen. Liegt diese vor, wird Mitte 2020 die Öffentlichkeit einbezogen. Nach der Vorentwurfsplanung und der Genehmigung durch den Bund könnte die finale Planung erfolgen, die bei optimalem Verlauf im dritten Quartal 2024 genehmigt würde. Baubeginn wäre dann 2026. Frühestens ein Jahr später, also 2027, könnte dann das Band durchgeschnitten und damit eine sechsspurige B 27 für den Verkehr freigegeben werden. Drei Jahre später soll auch die A 8 in Richtung Wendlingen auf acht Spuren erweitert worden sein und damit ein Engpass weniger bestehen.

Nicht alle Stadträte aus Filderstadt sind begeistert

Das Thema war ihm offensichtlich sehr wichtig. Stadtrat Ernst Schumacher (Freie Wähler) meldete sich bei der Sitzung des Gemeinderats am Montag, als es um den Ausbau der B 27 ging, gleich als Erster zu Wort. Offensichtlich ging es ihm darum, möglichst wenig des wertvollen Filderbodens für das Projekt zu opfern. Schumacher, der auch Obmann der Bernhäuser Landwirte ist, wies darauf hin, dass für den sechsspurigen Ausbau eine Fläche von rund 30 Hektar gebraucht werde. Um möglichst wenig Äcker zu überbauen, forderte er Lärmschutzwände statt -wälle.

Schumacher sah im Bau einer S-Bahnstrecke in Richtung Tübingen eine „attraktive Alternative“. „Der Straßenbau ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte er. Dazu merkte Oberbürgermeister Christoph Traub an, dass es nun in der Debatte nicht um andere Verkehrsmittel gehe.

Armin Stickler (Grüne) sah den Bau einer S-Bahn kritisch. Es sei schwierig, die Fahrer der 84 000 Fahrzeuge, die täglich auf der Bundesstraße unterwegs sind, in öffentlichen Verkehrsmitteln zu transportieren. „Beim Bau der Straße muss darauf geachtet werden, was notwendig ist“, sagte er.

Für Dennis Birnstock (CDU/FDP) war klar, dass der Standstreifen so geplant werden müsse, dass er auch als Fahrspur nutzbar sei. „Dafür besteht keine Notwendigkeit“, sagte RP-Referatsleiter Jürgen Holzwarth. Auf den sechs Spuren könnten 120 000 Autos fahren. „Das sind deutlich mehr als die für 2030 prognostizierten 100 000 Fahrzeuge“, sagte er.

Richard Briem (FW) trat erneut für einen Bypass ein, der im Bereich der Stettener Ausfahrt abzweigen und Richtung Bosch-Parkhaus an der Autobahn führen würde. Dadurch könne der Flaschenhals beim B-27-Tunnel in Echterdingen entlastet werden. Briem forderte außerdem wie Walter Bauer (SPD) an den Ausfahrten der Bundesstraße Kreisverkehre statt Ampelkreuzungen.

Auf die Frage von Oliver Alber (CDU/FDP), ob die Planung mit der von der Region konform sei, sagte Holzwarth, dass die RP-Planung allem anderen vorgehe.

Wenig Kritik von Stadträten aus L.-E.

Vom Ausbau der B 27 auf sechs Spuren erhoffen sich die Menschen in Leinfelden-Echterdingen eine Entlastung der Straßen. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass von den Stadträten vor allem Fragen zur Planung und wenig Kritik geäußert wurden. Walter Vohl (Freie Wähler) interessierte sich für den Flächenverbrauch, der nach Schätzung von Jürgen Holzwarth bei 30 bis 50 Hektar liegen werde. Kummer bereitet dem beim Regierungspräsidium Stuttgart für die Straßenplanung zuständigen Referatsleiter die Entwässerung. „Bisher läuft das Regenwasser über die Böschung in die Umgebung“, so Holzwarth. Nun müssten Regenüberlaufbecken in der Nähe der Vorfluter gebaut werden. „Das wird noch ein heißes Thema sein“, ist er sich sicher. Auch die Ausgleichsmaßnahmen könnten Fläche kosten.

Der Verkehrsfluss interessierte Ilona Koch. „Die Anschlussstellen werden so gebaut, dass es zu keinen längeren Rückstaus mehr kommt“, versicherte er der CDU-Fraktionsvorsitzenden auf deren Frage. Außerdem machte Holzwarth dem FDP-Stadtrat Wolfgang Haug keine Hoffnung, dass ein rund ein Kilometer langer Deckel am Echterdinger Ortsrand über die B 27 gestülpt würde. Das hatte dieser nicht zuletzt mit Hinweis auf ein mögliches Gewerbegebiet im Osten des Ortes aus dem bestehenden Flächennutzungsplan abgeleitet. So etwas werde vom Bund nur akzeptiert und gebaut, wenn es aus Gründen des Lärmschutzes keine andere Lösung gebe, so Holzwarth, „den Lärm bekommen wir bei der B 27 jedoch anders in den Griff“.

Lediglich David Armbruster (Grüne) stellte den grundsätzlichen Ausbau mit Verweis auf die Entwicklungen in der Automobiltechnik infrage. „Autonomes Fahren“, entgegnete Holzwarth, „erhöht nur die Sicherheit und nicht die Leistungsfähigkeit“. Und auf den Aspekt, den Karl Kizele in die Diskussion brachte, ging der Straßenplaner nicht weiter ein. Der Rat der Freien Wähler hatte nach Überlegungen gefragt, ob eine Schienenverbindung in Richtung Tübingen in die Ausbauplanungen einbezogen wäre.

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