Archivbild – Demo in Hannover gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Foto: dpa

Der Frieden in Afghanistan ist nicht mehr nur eine Sache zwischen Regierung und Taliban. Das sagen zumindest die Teilnehmer eines Friedenstreffens in Doha. Das Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat kompliziere die Dinge.

Doha/Kabul - Die Taliban haben sich bei einer Debatte in Doha über den Frieden in Afghanistan zum Dialog bekannt. An der Veranstaltung der privaten Pugwash Conference nahmen inoffiziell zwei Berater des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani teil, aber nicht die afghanische Regierung.

Der Friedensprozess müsse schnell kommen, denn „neue Bedrohungen“ könnten ihn bald erheblich verkomplizieren, erklärte der Pugwash-Generalsekretär Paolo Cotta-Ramusino nach der zweitägigen Debatte in der Hauptstadt Katars.

Gemeint ist das Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Afghanistan. Der Kampf gegen den IS als gemeinsames Interesse aller Konfliktparteien war ein Tagesordnungspunkt gewesen.

Die Regierung in Kabul hatte keine offizielle Delegation geschickt. Die Doha-Konferenz untergrabe die neue Regierungsinitiative für den Frieden, hieß es. Diese Initiative wird von Pakistan, China und den USA mitgetragen, aber von den Taliban abgelehnt. Inoffiziell nahmen aber unter anderem Präsident Ghanis Onkel Kajum Kotschai sowie afghanische Parlamentarier an dem Treffen teil.

Die Taliban wollen einen Scharia-basierten Staat

Ein Mitglied des Hohen Friedensrats in Kabul, Habibullah Fausi, sagte, da dies keine offizielle Konferenz gewesen sei, werde man ihre Beschlüsse ignorieren. Pugwash hatte zuvor bereits mehrfach Vertreter der afghanischen Regierung und der Taliban zusammengebracht.

Ein wichtiger Punkt während der Diskussionen war die afghanische Verfassung. Einige Teilnehmer wollten sie ergänzen, andere stark umschreiben. Die Taliban wollen einen Scharia-basierten Staat. Alle Teilnehmer hätten betont, dass die Taliban eine eigene Adresse haben sollten. Gemeint ist die Wiedereröffnung ihrer Vertretung in Doha, die kurz nach ihrer Eröffnung in 2013 nach einem Streit mit der afghanischen Regierung wieder geschlossen worden war.

Als Bedingung für Friedensgespräche verlangten die Taliban unter anderem ihre Entfernung von der Sanktionsliste der Vereinten Nationen, die ihre Reisefreiheit einschränkt, sowie die Freilassung von Gefangenen. Über die Anwesenheit amerikanischer Truppen in Afghanistan wollen sie mit den USA direkt verhandeln. US-Präsident Barack Obama hatte im Oktober beschlossen, Ende 2016 doch nicht alle Truppen abzuziehen. Ein westlicher Diplomat sagte, die meisten Bedingungen der Taliban würden „sicher nicht erfüllt werden“.

An der Veranstaltung nahmen auch eine Beobachterin der Vereinten Nationen und die amerikanische Ex-Diplomatin Robin Raphael teil. Die Taliban schickten 14 Vertreter, darunter Scher Mohammad Abbas Staneksai, der in der Talibanregierung stellvertretender Außen- und Gesundheitsminister gewesen war.

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