Maxim Sharma, Nora Vetter und Christoph Krebs (von links) stellten im Pressehaus Stuttgart die Ergebnisse ihrer Seminarkursarbeiten vor. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

In der Reihe „Jugend präsentiert Wissen“ unserer Zeitung haben drei Stuttgarter Elftklässler den Zuhörern im Pressehaus Anschauungsuntericht im Präsentieren gegeben. Ihr Thema: die Zukunft Afrikas.

Stuttgart - Recherchieren, Zitieren, Präsentieren – immer wieder fordern Bildungspolitiker und Pädagogen, dass Schüler sich früh Fähigkeiten aneignen, die sowohl für das Studium als auch für die Berufswelt wichtig sind. Ein Paradebeispiel jener Methodenkenntnisse konnten Besucher jetzt im Pressehaus begutachten. In der Reihe „Jugend präsentiert Wissen“ unserer Zeitung stellten drei Schüler des Stuttgarter Gymnasiums Königin-Olga-Stift jetzt die Ergebnisse ihrer Seminarkursarbeiten öffentlich vor – und das in englischer Sprache. „Mit der Veranstaltungsreihe will unsere Redaktion Spitzenleistungen von Stuttgarter Schülern würdigen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Arbeiten außerhalb der Schule vorzustellen“, betont Lokalchef Jan Sellner. Die Schüler des Königin-Olga-Stifts stehen dabei stellvertretend für Schüler anderer Stuttgarter Gymnasien.

Vorträge auf Englisch

Gelassen und mit leichter amerikanischer Sprachfärbung präsentiert Maxim Sharwa im Pressehaus die Ergebnisse seiner mehrmonatigen Arbeit: „Das Problem vieler afrikanischer Länder sind die fehlende Infrastruktur, politische Instabilität und Korruption“, sagt er und führt die einzelnen Punkte souverän aus. Dass der 17-Jährige das erste Mal außerhalb der Schulklasse vor einem größeren Publikum über dieses komplexe Thema spricht – und dazu auf Englisch –, ist ihm nicht anzumerken. In seinem Vortrag geht er der Frage nach, was afrikanische Staaten von dem Integrationsprozess in Europa lernen können. Dazu hat er den Binnenmarkt auf den beiden Kontinenten miteinander verglichen. „In Europa können Waren leicht von einem Land in das andere transportiert werden. In Afrika gibt es enorme Probleme mit Grenzen, Zöllen und einem gemeinsamen Gerichtswesen“, erläutert Maxim. Besonders eine gemeinsame Rechtsprechung sei wichtig, damit Regeln von allen Teilnehmern beachtet würden.

Kräftiger Applaus für die Schüler

Nora Vetter, ebenfalls 17, präsentierte die Bildungssysteme der afrikanischen Staaten Kenia und Liberia. Das Besondere in Liberia: Nicht der Staat verwaltet die Schulen, sondern ein Unternehmen aus den Vereinigten Staaten. „Durch den Bürgerkrieg konnte Liberia sich nicht auf den Schulsektor konzentrieren. Privatschulen hingegen sind strukturiert und können schnell Bildung für viele Kinder ermöglichen“, fasst die Stuttgarter Schülerin die Ergebnisse ihrer Seminararbeit zusammen. Man könne privatwirtschaftliche Bildung kritisch sehen. „Aber für viele Afrikaner ist das die einzige Bildungschance.“

Wie politische und kulturelle Effekte ineinander hineinspielen, beleuchtet Christoph Krebs am Beispiel Südafrika. „Wenn das Land sich verändern soll, muss sich vor allem die politische Landschaft verändern“, resümiert der 18-Jährige. Auch die Wähler müssten sich ihrer Verantwortung bewusst werden, damit neue Kräfte eine Chance bekämen. Das Publikum verfolgt die Vorträge interessiert, stellt kundige Fragen und belohnt die Schüler mit kräftigem Applaus.

„Nach dem Seminarkurs fühle ich mich gut für das Studium vorbereitet“, sagt Christoph Krebs. Er wisse nun, wie man auch in der Bibliothek nach den richtigen Quellen sucht, wie man Autoren zitiert und längere Texte aufbaut. Für das Politikstudium, das er nach der Schule beginnen möchte, sind das keine schlechten Voraussetzungen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: