Hannelore Simon (Mitte) ermuntert die Frauen, die Kräuter Foto: Schwieder

Die Kräuterpädagogin Hannelore Simon stellt Wildpflanzen vor und erläutert deren Wirkung.

Stuttgart-Vaihingen - Die Tische sind gedeckt mit Kräutertöpfen, in Gläsern stehen Karotten- und Selleriestangen, es gibt Quark zum Dippen, auf dem Buffet steht eine Gemüse-Quiche. Die Frauen, die ins Gemeindepsychiatrische Zentrum gekommen sind, lassen sich an diesem Nachmittag gerne ein bisschen verwöhnen. Üblicherweise erhalten in dem Zentrum Menschen in Krisensituationen oder im Alter Hilfe. Dieses Mal geht es darum, sich einfach wohl zu fühlen.

Anlass für die Veranstaltung über Kräuter, die Frauen gut tun, so das Thema, ist der Weltfrauentag. Als Referentin ist die Kräuterpädagogin Hannelore Simon zu Gast. Sie macht die Besucherinnen mit Pflanzen vertraut, die einst als Heil- und Arzneimittel geschätzt waren, heute aber meist als Unkraut im Kompost landen.

Der Geschmack hat sich gewandelt

„Ich möchte meinen Zuhörerinnen die Angst vor Wildkräutern nehmen“, sagt Hannelore Simon, „wir reden so viel über Umwelt, aber wenn etwas nicht aus dem Gewächshaus kommt, dann glauben wir, dass es giftig ist.“ Sie hat sich angewöhnt, genau hinzuschauen, was im Abfallkorb landet, wenn sie im Garten „sauber macht“. Giersch beispielsweise, der „Horror jedes Gärtners“, enthalte wichtige Mineralstoffe wie Kalium und Kalzium. Natürlich eignet sich Giersch nicht, um einen Salat daraus zu machen, aber als Ergänzung empfiehlt ihn Hannelore Simon durchaus, wie übrigens auch Gänseblümchen.

Das Problem dabei ist, dass sich der Geschmack gewandelt hat: Bitterstoffe, die sich positiv auf Magen und Darm auswirken, werden heute nicht mehr akzeptiert. „Sogar der Endiviensalat schmeckt nicht mehr wie früher“, bedauert die Kräuterpädagogin, „zu unserer Kinderzeit hieß es nicht umsonst: Medizin muss bitter schmecken.“

„Tees können durchaus helfen“

Für die Arzneien dieser Art waren seit jeher Frauen zuständig: Als im Mittelalter eine Geburt noch etwas Lebensbedrohliches war, halfen sich die Mütter mit ihrem Wissen gegenseitig. „Der Begriff Kräuterfrau gefällt mir nicht so gut. Die wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil man nicht wusste, warum eine Pflanze geholfen hatte“, sagt Hannelore Simon. Heute weiß man sehr viel mehr über die Inhaltsstoffe dieser Heil- und Arzneipflanzen.

Allerdings macht sie auch die Grenzen dieser Medizin deutlich und will lieber von „Wohlfühlkräutern“ sprechen: „Wenn ich krank bin, gehe ich zum Arzt. Aber im Vorfeld können Tees durchaus helfen.“ Vor allem in drei Bereichen seien Kräuter hilfreich: Sie wirken krampflösend, blutstillend oder entzündungshemmend.

Insbesondere der Frauenmantel sei wirksam, der auch in dem kleinen Garten vor dem Gemeindepsychiatrischen Zentrum wächst. „Das Blatt schaut wie eine Pelerine aus, die man sich um die Schultern legt, und es fühlt sich samtig an“, so Simon. Ihr Lieblingskraut sei aber die Schafgarbe, deren bittere Inhaltsstoffe bei Verdauungsstörungen und Koliken helfen. Zum Abschluss des Abends dürfen die Besucherinnen einen Tee aus Ringelblume, Johanniskraut und Holunderblüten probieren. „Ist da überhaupt Tee drin?“, wundert sich eine der Damen: Im Vergleich zu Schwarztee sind „Wohlfühl-Tees“ nur schwach gefärbt – dafür aber stark in ihrer Wirkung.

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