Die Zahlen sprechen gegen ihn – doch Donald Trump konnte schon einmal vor vier Jahren wider alle Prognosen den Wahlsieg ergattern. (Archivbild) Foto: AP/Patrick Semansky

Acht von zehn Amerikaner sehen ihr Land in die falsche Richtung steuern. Für Trump bedeuten solche Zahlen schwierige drei Monate bis zur Wahl. Denn auch wenn er 2016 allen Umfragen zum Trotz gewann, dürfte es diesmal schwerer werden.

Washington - 100 Tage vor der US-Präsidentschaftswahl sind die Amerikaner laut einer neuen Umfrage so unzufrieden mit dem Regierungskurs von Amtsinhaber Donald Trump wie nie zuvor. Acht von zehn US-Bürgern seien der Meinung, ihr Land bewege sich in die falsche Richtung, geht aus der Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Forschungszentrums NORC an der Universität von Chicago hervor. Das ist der höchste Wert seit dem Amtsantritt Trumps.

Nur 32 Prozent der Amerikaner sind demnach einverstanden, wie Trump bisher die Corona-Krise bewältigt hat. 38 Prozent sind grundsätzlich mit Trumps Amtsführung zufrieden und ebenso viele sind der Meinung, um die Wirtschaft des Landes sei es gut bestellt. Im Januar vor der Pandemie lag der Wert noch bei 67 Prozent. An den guten Wirtschaftsdaten und der Zuversicht der Amerikaner hatte Trump bis dahin auch seinen Wahlkampf ausgerichtet.

Wahlkampfstrategie: Law and Order

Aber diese Strategie musste er ändern. In den letzten Wochen und Monaten versuchte er vor allem, sich als Wahrer von Recht und Ordnung darzustellen, als es am Rande friedlicher Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus immer wieder zu Krawallen kam. Trump sah sich auch gezwungen, seine Herangehensweise an die Corona-Krise zu ändern. Nachdem er die Pandemie monatelang heruntergespielt und trotz zahlreicher neuer Fälle im Süden und Westen der USA für die Aufhebung von Restriktionen geworben hatte, schwenkte er vergangene Woche auf einen neuen Kurs ein. Er räumte ein, dass die Lage vermutlich noch schlimmer werde, bevor sie besser werde, und setzte sich aktiv für das Tragen von Gesichtsmasken ein, was er zuvor verweigert hatte.

Auch das gibt es: Donald Trump bedauert manche seiner Tweets

Trumps designierter demokratischer Herausforderer Joe Biden will in den letzten etwas mehr als drei Monaten bis zur Wahl am 3. November Trumps Versäumnisse weiter in den Vordergrund rücken. „Die Leute haben es satt, eine Regierung zu haben, die gespalten, kaputt und unfähig ist, etwas hinzubekommen“, sagte zuletzt Bidens Vize-Wahlkampfchefin Kate Bedingfield. Der Demokrat profitiert auch davon, dass wegen der Pandemie große Wahlkampfauftritte nicht möglich sind, die eher eine Stärke Trumps sind. Und anders als Hillary Clinton 2016 gelang es Biden, die gesamte Demokratische Partei hinter sich zu einen, auch den linken Flügel.

Schulöffnung trotz Pandemie ist umstritten

Auch Clinton hatte im Sommer 2016 in Umfragen stets vor Trump gelegen und letztlich am Wahltag überraschend verloren. Im Weißen Haus gibt man sich zuversichtlich, dass auch Biden das gleiche Schicksal blühen wird. Doch hinter den Kulissen ist seit Monaten Alarm angesagt. Die Sorge ist groß, dass Trump im November jene umkämpften Staaten im Mittleren Westen der USA verlieren könnte, die ihm 2016 zum Sieg verholfen hatten - und vielleicht noch ein paar grundsätzlich republikanische Staaten dazu.

Zunächst einmal dürften aber die Monate August und September einen neuen Test für Trump und seine Regierung bereithalten. Dann sollen in den US-Staaten wieder die Schulen öffnen. Der Umfrage zufolge ist ein Drittel der Amerikaner komplett gegen die Idee. Etwa die Hälfte fordert weitreichende Änderungen am Unterricht, um Schule in Zeiten von Corona sicher zu ermöglichen.

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