Der Angeklagte sitzt seit seiner Jugend immer wieder im Gefängnis. Foto: Patricia Sigerist

Weil er seinem Opfer einen Stuhl auf den Kopf gedonnert hat, bekommt der Angeklagte eine weitere Gefängnisstrafe. Zuvor hatte er schon auf dem Polizeirevier Fellbach randaliert und Papiere bespuckt.

Waiblingen - Arian B. (alle Namen geändert) ist eine Erscheinung, die man nicht übersieht: kurzer Irokesenschnitt, tätowierter Hals und ein bulliger Körper, der seine Jacke fast zum Sprengen bringt. Im Gerichtssaal kaute er gelassen auf einem Zahnstocher herum. Ali B. ist seine Rolle als Angeklagter sichtlich gewohnt.

Vor dem Amtsgericht Waiblingen musste sich der 28-Jährige kürzlich wegen versuchter Nötigung, Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Laut Staatsanwalt soll Arian B. am 25. April vergangenen Jahres auf dem Polizeirevier Fellbach Drohungen und Beleidigungen gegenüber Beamten ausgestoßen haben. Außerdem soll er am 13. Juni vergangenen Jahres in Leutenbach einem Mann einen Stuhl mit Eisengestell auf den Kopf geschlagen haben.

Angeklagter räumt die Vorwürfe ein

Der Angeklagte räumte die Vorwürfe ein und gab sich reumütig: „Der Knast endet in der Sackgasse“, sagte Arian B., der seit seiner Jugend immer wieder Gefängnisstrafen verbüßt. Derzeit sitzt er in Schwäbisch Hall, weil er gegen seine Bewährung verstoßen hat.

Im Zeugenstand zeichneten drei Polizisten ein einheitliches Bild: Arian B. soll sich auf dem Revier sehr aggressiv verhalten haben. Er war auf die Dienststelle gebracht worden, weil er Geldstrafen nicht bezahlt hatte. „Er weigerte sich, Platz zu nehmen und schrie laut herum“, sagte der Polizeihauptmeister Markus K. „Ich dachte jederzeit, er könnte tätlich werden.“ Den Eindruck hatte auch seine Kollegin Melanie F. Die Polizistin hatte nach eigener Aussage für alle Fälle das Pfefferspray aus ihrer Tasche geholt.

Arian B. spuckt auf die Formulare der Polizei

Insbesondere gegen den Polizisten Achim M. soll sich der Angeklagte aggressiv verhalten haben. Als der Beamte ihn bat, wegen eines offenen Verfahrens, Formulare zu unterschreiben, soll Arian B. auf die Papiere gespuckt haben. Zudem soll er Achim M. und Markus K. gedroht haben. „Er sagte, dass das Ganze Folgen haben werde, und er wisse, wo wir wohnen“, sagte Achim M.

Auch wegen des Vorfalls in Leutenbach wurden Polizisten in den Zeugenstand gerufen. Der Beamte Raimund Z. erzählte, dass er am Morgen des 13. Juni wegen Sachbeschädigung gerufen worden war. Am Tatort traf er auf Ludwig F. Der psychisch kranke Mann hatte sein eigenes Auto sowie einen Porsche und den Mercedes des Angeklagten Arian B. mit einem Hammer und einer Feile beschädigt.

Täter donnert einen Stuhl auf den Kopf seines Opfers

Anfänglich habe es zwischen Ludwig F. und dem Angeklagten nur Wortgefechte gegeben, sagte der Polizist. Irgendwann sei Arian B. aber ausgerastet und hätte einen Stuhl mit Eisengestell auf den Kopf von Ludwig F. gedonnert. „Er hat voll durchgezogen“, sagte Raimund Z. Das Opfer habe eine Platzwunde am Kopf erlitten.

Der Staatsanwalt forderte für beide Taten eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. „Ich hätte die Strafe zur Bewährung ausgesetzt, wenn der Angeklagte nicht gewusst hätte, dass Ludwig F. psychisch krank ist – aber eine Polizistin hatte es ihm gesagt“, begründete er sein Plädoyer. Der Verteidiger forderte dagegen eine Bewährungsstrafe. Er argumentierte, dass Arian B. von Ludwig F. provoziert worden sei. Zum Vorfall auf dem Polizeirevier in Fellbach sagte er, dass die Drohungen gegenüber den Beamten nicht eindeutig genug gewesen seien.

Die Richterin Bidell verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und einem Monat ohne Bewährung. Für sie handele es sich bei dem Vorfall in Leutenbach ganz klar um gefährliche Körperverletzung „Der Nötigungsvorsatz ist dagegen nicht nachweisbar.“

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