Sandra Roßbach, Dominik Schmid und Sefira da Silva Mahler (von rechts) waren das erste Mal mit dem Wohnmobil unterwegs und beenden ihren Kurztrip beim Putzen des Leihfahrzeugs auf dem Stellplatz in Bernhausen. Foto: Claudia Barner

Die sommerliche Reisewelle ist an den Wohnmobil-Stellplätzen in Echterdingen, Filderstadt und Waldenbuch vorbeigeschwappt. Gründe, weshalb die Gästezahlen in diesem Jahr eher überschaubar geblieben sind, gibt es mehrere.

Filder/Schönbuch - Im Jahr 2020 ist Hochsaison für Reisemobilisten. Wer beim Urlaub in Corona-Zeiten den Abstand wahren will, ist mit dem Wohnmobil oder dem Caravan unterwegs. Die Verleiher machten in den Sommerferien Überstunden, und auf den Autobahnen waren die motorisierten Quartiere dauerpräsent. Weil zudem eher Urlaub im eigenen Land angesagt war, wurden auch Ziele angesteuert, die ansonsten weniger Beachtung finden. Doch wie gefragt waren die Übernachtungsangebote für Wohnmobilfahrer auf den Fildern und im Schönbuch? Eine Tour über die Wohnmobilstellplätze an der Landesmesse, in Filderstadt und in Waldenbuch zeigt: Es ist noch Luft nach oben.

Das rosa-gestreifte Gefährt ist in die Jahre gekommen. Die Stoßstange wurde mehrfach überstrichen. Die Innenausstattung ist abgenutzt. Für Sandra Roßbach, Dominik Schmid und Sefira da Silva Mahler aber ist das betagte Wohnmobil der Inbegriff der großen Freiheit in einem Sommer, in dem vieles eingeschränkt ist. „Ursprünglich wollten wir nach Japan reisen. Aber das ging ja nicht“, erzählt Sandra Roßbach. Als Alternative hatten die Freunde kurz entschlossen einen Wochenendtrip nach Cottbus geplant und in einem privaten Vermittlungsportal nach dem passenden Gefährt gesucht.

Letzte Station ist die Ver- und Entsorgestation

„Wir hatten Glück, der Anbieter wohnt direkt hier in der Nachbarschaft“, erzählt die junge Frau. Das Trio ist begeistert: „Das hat richtig Spaß gemacht und war ganz bestimmt nicht unsere letzte Womo-Tour.“ Jetzt ist der Ausflug allerdings zu Ende. Letzte Station ist die Ver- und Entsorgestation auf dem Wohnmobil-Stellplatz in Bernhausen, wo die Freunde den Camper reinigen, bevor sie ihn wieder zurückbringen müssen.

Auf dem geschotterten Parkplatz neben der Filharmonie finden acht Wohnmobile Platz. Nur einer davon ist an diesem Nachmittag von einem Reisemobil aus Tauberbischofsheim besetzt. Die Übernachtung kostet sieben Euro. Gezahlt wird am Automaten. Doch nach Camper-Romantik sucht man auf dem Areal vergebens. „Hier ist es nicht besonders einladend“, sagt die Stuttgarterin, die von einer fünfwöchigen Deutschland-Tour mit ihrem Wohnmobil zurückkommt und noch eben alle Tanks leeren möchte.

36 Übernachtungen gehen auf das Konto eines Dauerparkers

Trotzdem war der Platz in den Hauptreisemonaten Juli und August ordentlich frequentiert. Insgesamt wurden beim Betreiber, der städtischen Tochter Filharmonie, 137 Übernachtungen registriert: 25 davon im Juli, 76 im August. Jedoch: 36 Übernachtungen gingen auf das Konto eines Dauerparkers. „Mit der aktuellen Situation hat das nichts zu tun. Das Wohnmobil war im vergangenen Jahr auch schon über einen längeren Zeitraum hier“, berichtet Helene Sonntag.

Einen dramatischen Einbruch der Besucherzahlen musste in diesem Sommer hingegen der Betreiber des größten Wohnmobil-Stellplatzes der Region Stuttgart an der Landesmesse in Echterdingen verbuchen. „Bevor Corona kam, war der Platz so gut gebucht wie noch nie“, erzählt Andreas Wallbillich von der Pressestelle der Messe Stuttgart. Weil sich die Gäste an der Hauptpforte anmelden und dort eine Gebühr bezahlen müssen, hat er die genauen Zahlen parat. 8000 Übernachtungen zählte die Messe im Januar 2020. Während der CMT mussten, wie immer, zusätzliche Flächen ausgewiesen werden. Im Februar brachte die Intergastra weitere 774 Übernachtungen.

„Wer Stuttgart besuchen will, wählt andere Alternativen“

Dann stellte das Coronavirus alles auf den Kopf: 75 Übernachtungen gab es im März, keine einzige mehr im April. Erst im Juni, Juli und August kam mit jeweils etwa 120 Übernachtungen wieder etwas Leben auf den Platz. „Da keine Veranstaltungen mehr stattgefunden haben, sind diese Zahlen wohl vor allem auf Durchreisende zurückzuführen“, stellt Andreas Wallbillich fest. Mit mehr hat er auch nicht gerechnet. Denn das Angebot ist ganz auf die Bedürfnisse von Messegästen abgestimmt. „Der Platz liegt an der Autobahn und bietet keine perfekte Infrastruktur für Camper. Wer Stuttgart besuchen will, wählt andere Alternativen“, sagt der Messe-Sprecher.

39 Stellplätze stehen auf dem terrassierten Gelände an Tor 1 zur Verfügung. Strom, sanitäre Anlagen und einen Kiosk inklusive. Coronabedingt sind die Toiletten und Waschräume derzeit geschlossen. Bewirtet wird ohnehin nur in Messezeiten. So verliert sich am sonnigen Montag der letzten Ferienwoche nur ein rollendes Heim aus dem Landkreis Emmendingen auf dem Gelände. Die Türen sind geschlossen, die Eigentümer unterwegs.

Interesse der Tagestouristen ist in Waldenbuch gestiegen

Das ist immer noch mehr als auf den ersten Blick in Waldenbuch, wo auf den drei Wohnmobil-Stellplätzen am Eingang zur Glashütte trotz bestem Reisewetter an drei Tagen hintereinander kein Urlauber anzutreffen ist. Im Rathaus kennt man andere Zahlen. „Während der Hauptreisesaison hatten wir zwar wenig Übernachtungen, dafür aber viele Tagesgäste“, berichtet der Hauptamtsleiter Ralph Hintersehr. Das Interesse der Tagestouristen, die den Stellplatz als Ausgangspunkt für Wanderungen, Radtouren oder den Besuch der beiden Museen nutze, sei in diesem Jahr merklich gestiegen.

Als Ursache für den nächtlichen Leerlauf hat die Kommune die Ausstattung des Platzes ausgemacht. Er rangiert in der Kategorie Regio Basic und bietet weder Strom noch Wasser. Dafür ist er kostenlos. Wer die Bewertungen in den sozialen Netzwerken liest, entdeckt noch einen weiteren Minuspunkt. Offenbar breiten sich Ausflügler und Besucher des benachbarten Aktivspielplatzes gern auf den gepflasterten Flächen für die Wohnmobile aus. „Alle drei Stellplätze waren von Pkws zugeparkt. Absolut nicht zu gebrauchen“, beklagt ein Kritiker. Die Stadt will das zum Anlass nehmen, den gemeindlichen Vollzugsdienst künftig öfter vorbeizuschicken. „Es werden Verwarnungen ausgesprochen“, versichert Ralph Hintersehr.

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