Auf der Messe CMT stellen die Hersteller ihre neuen Modelle vor. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Hersteller von Reisemobilen und Wohnwagen fahren von Rekord zu Rekord. Im vergangenen Jahr wurden neue Bestmarken bei Absatz, Produktion und Umsatz erreicht. Auch für die kommenden Monate zeigt sich die Branche auf der Messe CMT zuversichtlich.

Stuttgart - Helge Vester steht vor einem neuen Hybrid-Wohnmobil im Foyer der Stuttgarter Messe und schaut zufrieden. „Wir haben ein tolles Jahr hinter uns“, sagt der Marketingleiter des Wohnmobil-Herstellers Dethleffs. Die Branche boome, das spüre man auch in Oberschwaben, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. „Die Nachfrage ist so groß wie nie“, sagt Vester. Die Produktionskapazitäten seien entsprechend ausgelastet.

Vesters Erfahrungen passen zu dem Trend, den auch der Branchenverband CIVD verzeichnet: Noch nie sind so viele Reisemobile und Wohnwagen verkauft worden wie vergangenes Jahr, berichtet der Verband auf der Reisemesse CMT in Stuttgart. Die Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen – das sind Reisemobile und Wohnwagen – stiegen 2019 in Deutschland um rund 14 Prozent. Knapp 81 000 dieser Campingfahrzeuge kamen neu auf deutsche Straßen. Es war nach Angaben des Verbands bereits das dritte Rekordjahr in Folge und das sechste Jahr hintereinander, in dem die Neuzulassungen zugenommen haben.

Fertigung ist gestiegen

Auch die Produktion und der Branchenumsatz erreichten neue Spitzenwerte. Insgesamt setzte die Branche 2019 rund 11,6 Milliarden Euro um. Davon entfielen rund 6,5 Milliarden auf das Geschäft mit Neufahrzeugen, rund 4,1 auf Gebrauchtwagen und rund eine Milliarde auf das Zubehörgeschäft. Die neue Rekordmarke bei der Produktion lag bei rund 125 000 Freizeitfahrzeugen im Jahr, wobei speziell die Wohnmobil­fertigung mit 2,1 Prozent gestiegen ist.

Die Fertigung von Wohnwagen ist um 0,7 Prozent leicht zurückgegangen. „Angesichts dieser Produktionszahlen dürften die Beschäftigungszahlen mindestens gleich geblieben, wenn nicht leicht gestiegen sein“, schätzt CIVD-Präsident Hermann Pfaff. Genaue Zahlen gibt es allerdings noch nicht.

In Baden-Württemberg ist die Branche, zu der rund 70 Industrieunternehmen gehören, stark vertreten. Die Erwin-Hymer-Gruppe in Bad Waldsee gilt als europäischer Marktführer. Zu der oberschwäbischen Unternehmensgruppe gehören neben Hymer auch Marken wie Bürstner, Eriba und Dethleffs. Die Erwin-Hymer-Gruppe ist im vergangenen Jahr an den US-Branchenriesen Thor Industries verkauft worden.

Auch für das laufende Jahr ist die Branche optimistisch

Für das laufende Jahr zeigt sich die Branche optimistisch. Die Mehrheit der Hersteller erwartet einer Umfrage des Verbands zufolge für 2020 weitere Zuwächse in Deutschland, besonders bei den Reisemobilen. Die Branche rechnet auch mit einem guten Auslandsgeschäft, wenngleich hier die Erwartungen gedämpfter sind. CVID-Präsident Pfaff macht dafür unter anderem den Brexit, den aufflammenden Nahostkonflikt sowie den Handelskrieg zwischen den USA und China verantwortlich.

Etwas mehr als die Hälfte der Hersteller rechnen mit wachsenden Ausfuhren. Zuletzt schwächelten die wichtigen Exportmärkte Großbritannien, Frankreich und die nordischen Länder. Der wichtigste Markt in Europa ist Deutschland. Die Exporte von Reisemobilen gingen 2019 um rund sechs Prozent auf knapp 31 000 Fahrzeuge zurück. Gleichwohl war es laut CIVD das zweitbeste Ergebnis der Branchengeschichte. Die Ausfuhr von Wohnwagen ging um sieben Prozent auf fast 21 000 Caravans zurück.

In Baden-Württemberg ist die Branche stark vertreten

Die Zahlen zeigen, was Helge Vester von Dethleffs beobachtet: „Caravanurlaub ist in der Gesellschaft angekommen.“ Während Urlaub mit dem Wohnwagen oder im Wohnmobil vor zehn Jahren belächelt worden sei, werde er heute als cool wahrgenommen, glaubt Vester. „Das damit verbundene Freiheitsgefühl und die Nähe zur Natur sind für viele etwas Erstrebenswertes.“ CIVD-Präsident Pfaff sieht vor allem in der Generation der heute Mitte 20- bis Mitte 30-Jährigen eine Zukunftsversicherung, denn auch bei ihnen treffe der Camperurlaub auf großes Interesse.

Für 2020 prognostiziert Helge Vester eine steigende Nachfrage nach kompakten Campervans, zu Campingbussen. „Das ist für viele der Einstieg“, sagt er, denn man könne die Wagen oft auch als Pkw nutzen. Nur eine eine Herausforderung bleibt: „Die Zahl der Stellplätze auf Campingplätzen steigt nicht so schnell wie die Zulassungen“, sagt Vester. Das werde sich aber bald ändern, glaubt er. „Investoren werden erkennen, dass man mit Campingplätzen gut Geld verdienen kann.“

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