Unwetter in der Region Kirchheimer Kampf gegen die Fluten

Von unserer Redaktion 

In den Kreisen Esslingen, Göppingen und Rems-Murr haben die Helfer alle Hände voll zu tun. So viel hat es lange nicht mehr geregnet.

Kirchheim - Um 18 Uhr ist im Landkreis Esslingen die Welt untergegangen. So haben es viele empfunden, die von dem Unwetter, das sich vor allem im Bereich Kirchheim und Hochdorf entladen hat, betroffen waren. Während in Hochdorf die Bachstraße zum reißenden Fluss wurde, der eine Tiefgarage unter Wasser setzte, waren es in Kirchheim vor allem die Unterführungen, die zu Autofahrer-Fallen wurden. So hat die Polizei einen 81 Jahre alten Autofahrer gerade noch aus seinem in der Hegelstraße in den Wassermassen feststeckenden Wagen retten können.

Rettung in letzter Sekunde

Die Polizisten schlugen mit einem Nothammer eine Scheibe des Autos ein und zogen den Mann aus dem Wagen. Sekunden später schlugen die Wassermassen über dem Dach zusammen, der Wagen verschwand in den Fluten. Der im allerletzten Moment gerettete Senior ist Angaben der Polizei zufolge wohl mit dem Schrecken davon gekommen. Einer seiner Lebensretter musste dagegen mit Schnittverletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden.

Am Dienstagnachmittag war die Hegelstraße immer noch gesperrt – nicht wegen der Überflutung, sondern wegen eines Hangrutsches im weiteren Verlauf der Straße. „Hier hat sich eine ganze Scholle mit mehreren Kirschbäumen gelöst“, sagt Günter Riemer, der Baubürgermeister der Teckstadt. Er geht davon aus, dass die Straße frühestens am Mittwoch, wenn der Hang gesichert ist, wieder freigegeben werden kann. Auch im Bereich der beiden Autobahnanschlussstellen der Teckstadt haben die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun gehabt. In den überschwemmten Fahrbahnsenken waren mehrere Fahrzeuge stecken geblieben und mussten geborgen werden. Laut dem Landratsamt waren allein im Kirchheimer Stadtgebiet rund 220 Helfer von sieben Feuerwehren, dem Roten Kreuz und dem Technischen Hilfswerk im Einsatz. Laut der integrierten Leitstelle in Esslingen waren in Hochdorf (43 Einsätze), Notzingen (12), Wendlingen (10), Wernau (9) und Plochingen (6) Keller vollgelaufen und Straßen überschwemmt worden.

Wasser läuft in Gebäude

Im Nachbarlandkreis Göppingen waren die Feuerwehren am Montagabend ebenfalls sehr beschäftigt. Sie mussten zu 238 Einsätzen ausrücken. Von dem Unwetter betroffen waren 20 Kommunen, schwerpunktmäßig im Schurwald und im unteren Filstal bis hinauf nach Göppingen. Neben etlichen vollgelaufenen Kellern, Garagen und Tiefgaragen kümmerten sich die knapp 600 ehrenamtlichen Wehrleute, die zu den Einsatzstellen geeilt waren, vielerorts um die überlasteten Entwässerungssysteme. So wurden ausgehobene Kanal- und Gullydeckel wieder eingesetzt und durch Unrat verstopfte Abläufe auf den bis zu 50 Zentimeter hoch überfluteten Straßen gesäubert. Stellenweise drückte das Wasser auch aus den Abwasserkanälen in einzelne Gebäude. Die Höhe der entstandenen Sachschäden steht noch nicht fest.

B 29 wegen Überflutung gesperrt

Auch im Rems-Murr-Kreis hat das Unwetter heftig gewütet. Ein Blitzeinschlag in Schorndorf verursachte Behinderungen im S-Bahn-Verkehr. Im Lagezentrum der Polizei gingen rund 20 Anrufe ein – unter anderem musste die B 29 bei Plüderhausen in Richtung Schwäbisch Gmünd wegen Überflutung gesperrt werden. Erst gegen Mitternacht hatte die Feuerwehr das Wasser abgepumpt. Für die Hilfskräfte war dies nicht der einzige Einsatz: Besonders im Osten des Landkreises fiel Starkregen, mehrere Keller und Grundstücke waren überflutet. Die Waiblinger Feuerwehr rückte nach Lorch aus. Dort half sie den Einsatzkräften mit einem Wechselladerfahrzeug und einem sogenannten Abrollbehälter-Tank, der 10 000 Liter Wasser fasst, aus.

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