Fünf Jahre nach der ersten Präsentation seiner Pläne fordert Breuninger-Chef Willem van Agtmael endlich Klarheit für die Erweiterung seines Handelshauses. Foto: dpa

Größenvorstellungen und Höhenmaße von Investor und OB Schuster nicht vereinbar – Geplant wird seit 2007.

Stuttgart - In den nächsten zwei Wochen soll ein Gespräch mit Oberbürgermeister Wolfgang Schuster die Entscheidung über eine Investition von Breuninger im dreistelligen Millionenbereich bringen. Van Agtmael hat sein Da-Vinci-Projekt bereits 2007 mit einer Ideenskizze des Architekten Ben van Berkel vorgesellt. Aus dessen Feder stammt das Mercedes-Museum.

Wie Mercedes wollte auch van Agtmael Klein-Klein bei der Erweiterung des Breuninger-Stammsitzes vermeiden. Das Modehaus investiert zurzeit in einen neuen, rund 15.000 Quadratmeter großen Auftritt in Düsseldorf und zeigt Ambitionen auf einen größeren nationalen Auftritt. Handelsflächen werden in Köln, Frankfurt und München gesucht. In Stuttgart soll Breuninger auf der Fläche des heutigen Innenministeriums bis an den Karlsplatz vorrücken.

Bereit bei seiner Ankündigung 2007 löste van Agtmael eine Debatte über die Größenverhältnisse aus, die bis heute nicht verstummt ist. Im Gegenteil: Auch nach den vom Stuttgarter Büro Behnisch gewonnenen Architektenwettbewerb dreht sich alles um die Frage, wie hoch und wie füllig die Neubauten am Karlsplatz werden dürfen. Die Debatte um die Maßstäblichkeit hat sich in den letzten Wochen noch verschärft.

Hochhaus passt nicht ins Stadtbild

Wolfgang Schuster, gewiss nicht als Investorenschreck bekannt, hat sich festgelegt: 36.000 Quadratmeter seien auf dem Areal zwischen Sporer-, Dorotheen- und Holzstraße angemessen, 47.000 oder gar 49.000 Quadratmeter, die Breuninger auf bis zu neun Stockwerke verteilen möchte, passten dagegen an dieser Stelle nicht ins Stadtbild. „Das Hochhaus von Breuninger darf nicht der Maßstab sein, sondern die historische Umgebung mit Markthalle, Schloss und Waisenhaus“, legt sich der Christdemokrat Schuster fest. 34 Meter Gebäudehöhe am Karlsplatz seien undenkbar.

Der Rathauschef kann auf den Rückhalt einer Mehrheit des Gemeinderats bauen. Wichtigen Vertretern der Fraktionen war vor wenigen Wochen auf eigenen Wunsch ein dreidimensionales Modell der Behnisch-Pläne vorgestellt worden. Dabei sei berücksichtigt worden, dass das frühere Hotel Silber in der Dorotheenstraße 6 erhalten bleibe und dessen Fläche nicht mehr für den Neubau zur Verfügung stehe. Dargestellt worden sei damit eine Baumasse mit 42.000 Quadratmeter Geschossfläche. Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) hält die Bilder unter Verschluss. Man wolle nicht über die Öffentlichkeit mit Breuninger verhandeln, wehrt Hahn ­Anfragen ab.

Das 3-D-Modell hat die Stadträte, die selbst im Oktober 2010 noch bis zu 49.000 Quadratmeter zugelassen hatten (mit Abriss des Hotels Silber) stark beeindruckt. „Wir wollen ein markantes Gebäude, aber keinen großen Klotz“, sagt der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Die Ausarbeitung der Stadt sei hilfreich, sie müsse aber nicht das letzte Wort sein. „Wir wollen auch eine besondere Architektur“, so Kotz. Sollte sich der Behnisch-Entwurf nicht vernünftig schrumpfen lassen, müsse verhandelt werden.

Verhandlungen möglich

„Eigentlich hätte man ein derartiges Modell von Anfang an machen müssen, sagt Peter Pätzold von den Grünen. Der gelernte Architekt kennt die Argumente von Investoren und der von diesen beauftragten Architekten. Er sehe die 36.000 Quadratmeter, auf die sich die mit dem Projekt befassten Stadträte verständigt hätten, „nicht als fest beschlossen“ an. Es könne verhandelt werden. Die 42.000, die Breuninger fordere, machten ihn allerdings „etwas besorgt“.

Die unterschiedlichen Flächen für die in drei Neubauten vorgesehenen Büros und Läden führen auch zu unterschiedlichen Gebäudehöhen. 34 Meter misst der Behnisch-Entwurf in der Spitze. Damit erreicht er fast das Maß des Alten Schlosses, dessen Türme 35 Meter in die Höhe gehen. Das Alte Waisenhaus (16,50 Meter), das Hotel Silber (21,8 Meter) und die Markthalle, deren Glasdach 26 Meter Höhe erreicht, würde Breuninger jedenfalls in den Schatten stellen. Auch darauf hat die Stadt reagiert. 26 Meter, mehr soll am Karlsplatz nicht möglich sein. Damit läge der Neubau noch knapp unter dem in zwei Stufen von 19,9 auf 28,1 Meter ansteigenden alten Innenministerium.

Neue Abstimmung des Gemeinderats gefordert

„Wir wollen Breuninger in dieser Debatte nicht an den Pranger stellen“, sagt die SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind. Jeder wolle, dass das Traditionsunternehmen sich auch in Stuttgart entwickeln könne. Den bisherigen Flächenforderungen und Höhenvorstellungen könne der Rat aber nicht zustimmen. „Es gibt in Stuttgart Gebäude wie die Landesbank, deren Bau man besser nicht ­zugestimmt hätte“, sagt Blind. Neuerlich überzogene Baumassen wolle sie nicht verantworten.

„Eigentlich brauchen wir eine neue Abstimmung des Gemeinderats“, erinnert Alexander Kotz an den Aufstellungsbeschluss für den Da-Vinci-Bebauungsplan, in dem die bis zu 49.000 Quadratmeter stehen. Seitdem hat sich viel getan. Das Land, das einst bis zu 1000 Bedienstete im Neubau unterbringen wollte und das Vorhaben damit aus Sicht der Stadträte aufblähte, hat sich als Co-Investor zurückgezogen, auch ein Hotel ist in dem Komplex nicht mehr geplant. Es könnte also Luft nach unten geben.

Bei Breuninger selbst verfolgt man die Neuausrichtung nach Jahren der Planung mit Sorge. Vorige Woche fühlte der Architekt wegen des Abrisses der Altgebäude im Baurechtsamt vor. Man werde die eigenen Planungen in den nächsten Wochen öffentlich machen, heißt es. Ob Schusters Vorgaben dabei berücksichtigt werden, ist offen.

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