Lore Scheef vor ihrem Bild, gemalt von Leonhard Schmidt. Foto: Claudia Leihenseder

Die Künstlerin Lore Scheef stellt von Sonntag an im Stuttgarter Flughafen aus.

Untertürkheim - Wer mit Lore Scheef über ihre Kunst und ihre Bilder sprechen will, spricht automatisch erst einmal über Leonhard Schmidt, ihren Lehrmeister, der lange Jahre mit ihr und ihrer Schwester Charlotte das Haus an der Württembergstraße 24 in Untertürkheim bewohnt hat. Dass Lore Scheefs Bilder nun vier Monate im Restaurant Top Air am Flughafen Stuttgart hängen, ist für die 90-Jährige zunächst nur eine Nebensache. Viel lieber führt sie den Gast direkt in die Räume, die Leonhard Schmidt bis zu seinem Tod 1978 bewohnt hat.

„Wir haben alles genauso gelassen und nichts verändert“, sagt Lore Scheef – bis auf ihr Bett, fügt sie entschuldigend hinzu, das nun in Leonhard Schmidts ehemaliger Wohnstube steht, weil sie nachts ein Sauerstoffgerät braucht. Aber alles andere sieht so aus, als ob Leonhard Schmidt nur kurz das Haus verlassen hätte: die Bücher im weißen Regal, die grünlichbeigen Sessel um einen kleinen runden Tisch, die silberne Stereoanlage im halbhohen Schrank – und natürlich seine vielen Bilder.

Über und über ist die Wand voll mit seinen Werken. „Wir haben sie kurz vor seinem Tod noch gemeinsam gehängt“, sagt Lore Scheef und ist dabei mächtig stolz auf ihren Lehrmeister, der ihr auch heute sehr viel bedeutet. Ihr gesamtes Haus ist voller Bilder von ihm und von ihr, und auch von ihrer Schwester gemalt.

„An dieser Stelle sind sich Leonhard und Charlotte begegnet“

Vor zwei Jahren hat sie den Verein zur Förderung und Pflege des Werkes von Leonhard Schmidt gegründet und organisiert immer wieder Ausstellungen von seinen und von ihren Werken.

Lore Scheef führt den Besuch ein Stockwerk tiefer und schaltet das Licht an. Eine nackte Glühbirne erhellt den Raum mit Blick auf Untertürkheim und Luginsland. An den Wänden entlang stehen ihre Gemälde. „Hier, an dieser Stelle, sind sich Leonhard und Charlotte begegnet“, sagt die alte Dame mit einem Glanz in den Augen und deutet auf zwei ihrer Bilder, die auf dem Boden stehen. Zu sehen ist die Rotenberger Steige, die auch heute noch Untertürkheim mit dem oberen Stadtteil verbindet.

Leonhard Schmidt kam vom Malen, damals 1938, und Charlotte, die Schwester von Lore Scheef, war von den eigenen Grundstücken am Berg auf dem Heimweg. Das war der Anfang der innigen Verbindung zwischen der Familie Scheef und dem Maler, der erst noch berühmt werden sollte. Lore Scheef war damals 16 Jahre alt. Schmidt animierte die Schwestern, selbst zu Block und Farbe zu greifen - und entdeckte zwei Talente. „Fotorealismus“: dieses Wort nimmt Lore Scheef in den Mund, um ihren eigenen Malstil zu beschreiben.

Die Bilder sind ihre „Kinder“

Der Begriff passt. Ihre Bilder zeigen ihre direkte Umgebung, und das mit einer großen Liebe zum Detail. Gemalt hat sie den Blick auf Rotenberg aus ihrem Badezimmerfenster, verhängt durch eine halbdurchsichtige Gardine. Gemalt hat sie auch die Häuser in ihrer Untertürkheimer Nachbarschaft, dazu Gärten und Blumen. Bei manchen Werken erkennt man den Lehrmeister Leonhard Schmidt, der immer wieder durchscheint, besonders bei den Winterbildern mit stilisierten Bäumen.

Lore Scheef zeigt auch noch zwei mit Bleistift gezeichnete Porträts, auf denen ein alter, schlafender Mann zu sehen ist. Sie zeigen Leonhard Schmidt. „Ich wurde gebeten ihn vor seinem Tod noch zu porträtieren“, erzählt sie dem Besuch. Auf diese Weise wurde ihr Talent in diesem Genre erst entdeckt. Nun treten ihre eigenen Bilder eine Reise an. Manche werden von der Ausstellung am Flughafen nicht wieder zurückkommen in die Württembergstraße. Nämlich dann, wenn sie einen Käufer finden. Lore Scheef ist hin und hergerissen. Am liebsten würde sie alle Bilder behalten. „Es sind meine Kinder“, sagt die rüstige Malerin. Sie wird sie dennoch verkaufen.

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