Die Wohnungs- und Dienstleistungsgesellschaft Fellbach hat die Flüchtlingsunterkunft in Schmiden mit bunten Blumen bemalen lassen. Foto: Dirk Herrmann

Eine Bürgerin aus dem Fellbacher Stadtteil Schmiden moniert die ihrer Meinung nach zu höhen Kosten für den Anstrich eines Containers für Flüchtlinge: „Das hätte auch grau bleiben können.“ Was sagt die Stadt dazu.

Darf, kann, soll oder muss man gar den Flüchtlingen in ihren Unterkünften ein wenig Farbe zukommen lassen? Die Fellbacher Stadtverwaltung beantwortet die Frage mit einem Ja. Und so hat sie die Container in der Tournonstraße im Stadtteil Schmiden, unweit des Stadions und des Freizeitgeländes Lehmgrube, vor einigen Wochen mit bunten Blumen- und grünen Baum- und Blättermotiven versehen.

 

Den Flüchtlingen mit Respekt begegnen

Das Rathaus unter Führung von Oberbürgermeisterin Gabriele Zull legt damit eine ähnliche Grundhaltung an den Tag, wie sie der Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, Joachim Dorfs, in seinem Leitartikel in der Ausgabe vom vergangenen Samstag formuliert hat: „So sinnvoll der Kurswechsel hin zu einer Realpolitik in Flüchtlingsfragen ist, so wichtig ist es doch, denjenigen, die ins Land wollen, mit Respekt zu begegnen.“

Der Anstrich für die Unterkunft der Flüchtlinge in Schmiden erfolgte allerdings so ganz und gar nicht nach den Vorstellungen einer Familie aus dem Fellbacher Stadtteil, was man denn diesen Menschen zukommen lassen sollte. In gleich mehreren Anrufen bei unserer Redaktion beklagte sich die Bürgerin über diese Investition. „Wir fahren jeden Tag dran vorbei“, sagt sie, und der Anblick sei nicht begeisternd. Stein des Anstoßes ist allerdings nicht, wie die Außenwände künstlerisch gestaltet wurden, sondern, dass sie überhaupt bemalt wurden. „Die hätten auch grau bleiben können“, sagt die Frau, die den von der Stadt dafür aus der Kasse entnommenen Betrag als „Geldverschwendung“ einstuft. Auf den Einwand des Reporters, dass es sich dabei ja kaum um eine besonders große Summe handeln könne, verweist sie auf eigene Erkenntnisse beim Anstrich von Wänden und spricht von „30 000 bis 40 000 Euro“.

Geringe Kosten für die Verbesserungen

Auf Nachfrage äußert sich Daniel Plaz, Geschäftsführer der Wohnungs- und Dienstleistungsgesellschaft Fellbach (WDF) zu der Sache folgendermaßen: „Die WDF hat aus Zeit- und Kostengründen schnell verfügbare, gebrauchte Container zur Flüchtlingsunterbringung geordert, die Ende des vergangenen Jahres an der Tournonstraße aufgestellt worden sind.“ An den Containern, die deutliche Gebrauchsspuren aufweisen, so wie an der gesamten Anlage seien geringfügige Verbesserungen vorgenommen worden, zu denen auch die Bemalung gehöre. Plaz: „Insgesamt haben sich diese Maßnahmen auf ungefähr die Hälfte der angenommenen Kosten summiert. Im Vergleich mit anderen Interims-Unterkünften bewegen sich die durchschnittlichen Kosten für die Bereitstellung der Container in der Tournonstraße im unteren Drittel.“

Momentan sind insgesamt 89 Menschen in der Anlage untergebracht – davon 52 ukrainisch Geflüchtete. Die Geflüchteten werden durch die Kolleginnen der WDF unterstützt, die sich um alle Fragen rund um die Unterkunft kümmern – also Ein- und Auszug oder eventuell Konflikte durch die Belegung. Die Integrationsmanager der Stadtverwaltung kümmern sich um die sozialen Belange, sie sind die Ansprechpartner, wenn es um das Ankommen in Fellbach, um die Asylverfahren, Schule, Arbeit oder auch persönliche Fragen geht.