Eigentlich hätte das in die Jahre gekommene Rappenbaum-Hallenbad in Dagersheim von einer Millionen-Förderung profitieren sollen. Das Geld gibt es nun leider doch nicht.
Die Freude bei Jasmina Hostert, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Böblingen, im Dezember vergangenen Jahres war groß. Grund war die Förderzusage für den Bund, das Rappenbaum-Hallenbad mit einer Summe von 3,15 Millionen Euro auszustatten. Weil das Schwimmbad seit Jahren dringend sanierungsbedürftig ist, kam das „Ja“ aus Berlin gerade richtig, wie Hostert erzählt: „Wir haben uns riesig gefreut, dass die Zusage kam. Unser Engagement, das dem Schwimmunterricht von Kindern zugute kommen sollte, sollte sich ausgezahlt haben.“
Auch wenn zunächst weiter geschwommen werden kann, aus der Schwimmbadsanierung wird nun wohl erst einmal nichts. Wie sich herausgestellt hat, kam der Schulverband – bestehend aus den Städten Böblingen und Sindelfingen – 2023 nicht zusammen und beschloss auch keinen Haushalt. Das wäre aber Voraussetzung gewesen, damit die bewilligten Millionen in die federführende Kommune Böblingen hätten fließen können. Nun ist die Förderung vom Tisch – zum Ärger von Jasmina Hostert: „Für die Bürger vor Ort hätte die Sanierung des Bades die Lösung eines konkreten Problems bedeutet. Es wäre ein wichtiges Zeichen gewesen, dass die Politik Probleme lösen kann. Deshalb und weil nun das Schwimmangebot leiden wird, bin ich verärgert.“
Wieso ist das großzügig finanzierte Projekt gescheitert?
Wie aber konnte es zu diesem Versäumnis kommen? Die Stadt Böblingen erklärt dazu: „Voraussetzung für eine Sanierung ist die Einigkeit der Verbandspartner: nämlich dass das Bad – und damit auch eine Vielzahl an Schwimmkursen – eine Zukunft hat.“ 2023 sei es zum „großen Bedauern“ der Böblinger Seite zu keiner Versammlung gekommen. „Aus unserer Sicht kam es aufgrund der Thematik Grundschule Darmsheim zu keiner Termineinigung“, schreibt ein Pressesprecher der Stadt.
Damit nimmt Böblingen Bezug auf den Gemeinderatsbeschluss seiner Nachbarstadt Ende 2023. Dieser beinhaltet den Plan, einen neuen Schul- und Sportcampus zu errichten. Dort würden ein Schulneubau sowie eine Dreifeldsporthalle und ein Lehrschwimmbecken entstehen, das in einigen Jahren Darmsheimer Kindern zugute kommen würde. Die Stadt Böblingen schreibt: „Sindelfingen hat ohne vorherige Information an uns entschieden, einen Campus in Darmsheim zu planen und in diesem Zusammenhang den Zweckverband in Frage zu stellen, der das gemeinsame Bad betreibt. Dies stellt wiederum Betrieb und Sanierung in Frage.“ Sindelfingen widerspricht: „Es gab vertiefenden Abstimmungsbedarf zu einer Sitzungsvorlage. Das neu geplante Schulzentrum hatte damit nichts zu tun.“
An einem gemeinsamen Schulbezirk schieden sich die Geister
Schon in den Jahren zuvor konnten die beiden Städte keine Einigung darüber erzielen, ob es zu einem gemeinsamen Schulprojekt mit Zweckverband kommen sollte. Hauptstreitpunkt war die Frage gewesen, ob Dagersheim und Darmsheim zu einem Schulbezirk zusammengelegt, oder – wie es Böblingen favorisierte – getrennt bleiben sollten. „Da Ortschaftsrat und Stadt unverändert am Grundschulstandort Dagersheim mit eigenem Schulbezirk festhalten, kam diese Variante nicht in Frage“, heißt es aus Böblingen.
Leidtragende könnten nun wohl Kinder werden, die das Schwimmen hätten lernen beziehungsweise weiter üben sollen. Wie überall war nach Ende der Pandemie, in der Schwimmbäder zeitweise ganz geschlossen blieben, der Andrang bei Schwimmkursen auch in Böblingen und Sindelfingen besonders hoch gewesen. Für 2024 gibt Tobias Heizmann, Erster Bürgermeister in Böblingen, aber Entwarnung: „Dank der Bäderbetriebsleitung und dem Amt für Jugend, Schule und Sport können wir den Hallenbad-Betrieb im gesamten Jahr aufrechterhalten. Allerdings sind Sanierungsmaßnahmen vorerst ausgesetzt.“
2024 soll ein Haushalt aufgestellt werden – wenn man einen Termin findet
Für Vereine aus beiden Teilorten, die das in die Jahre gekommene Hallenbad nutzen, gebe es nun aber keine Perspektive, wie Heizmann erklärt: „Unser Bestreben, das Hallenbad so lange wie möglich in Betrieb zu halten, bedarf der gemeinsamen Unterstützung im Schulverband.“ In Sindelfingen vertritt man die Meinung, dass der Beschluss des Verbandes aus dem Jahre 2021, welcher eine Sanierung anstrebt, weiter gelte. Dieser sei unabhängig von möglichen Fördermitteln gefasst worden.
Dass sich 2024 wiederholt, was 2023 schief gelaufen ist, daran glaubt Heizmann nicht: „Ein Termin für die Haushaltsbeschlussfassung steht noch aus. Wir sind jedoch guter Dinge, Lösungen zwischen beiden Städten zu finden.“ Auch solle geprüft werden, wie das Schwimmangebot auch in Zukunft gesichert werden könne.