Die 19 Monate alte Friederike schaut staunend in die Flammen eines mit Buchenholz befeuerten Kaminofens. Was sie wohl nicht weiß: Wenn das Feuer nicht gut brennt, entstehen viele Schadstoffe. Foto: dpa

Treibhausgase schädigen das Klima und Feinstaub die Gesundheit. Umso wichtiger ist es, den heimischen Ofen richtig zu befeuern. Dabei helfen die Tipps des Umweltbundesamtes.

Stuttgart - Lange Zeit galt Heizen mit Holz als besonders umweltfreundlich. Schließlich trägt das Kohlendioxid, das bei der Verbrennung von pflanzlicher Biomasse entsteht, praktisch nichts zur Klimaerwärmung bei, weil es zuvor von den wachsenden Pflanzen der Atmosphäre entzogen wurde. Solange nicht mehr Holz verbrannt wird als nachwächst, ist dieses CO2 also nicht schädlich für das Klima.

Allerdings rückt in jüngster Zeit eine Folge der Holzverbrennung in den Vordergrund, um die sich früher kaum jemand gekümmert hat: der Ausstoß von Feinstaub und weiterer schädlicher Gase und Verbindungen. So haben umweltbewusste Menschen zunehmend Bedenken, wenn sie im Kachelofen oder im Heizkamin Holz verbrennen und sich eigentlich an der kuscheligen Wärme und dem lodernden Feuer freuen wollen. In Stuttgart kommt hinzu, dass bei Feinstaubalarm sogenannte Komfortkamine, die für die Heizung der Wohnung nicht unbedingt notwendig sind, demnächst wohl nicht mehr angefeuert werden dürfen.

„Ganz ohne Emissionen geht es nicht“, betont das Umweltbundesamt (UBA). Im Idealfall kommen zwar nur CO2, Asche und Wasser aus dem Schornstein – aber in der Praxis werden auch schädliche Stickstoff- und Schwefeloxide sowie Salzsäure freigesetzt. Und Feinstaub: Die in jüngster Zeit verstärkt durchgeführte Forschung auf diesem Gebiet zeigt, dass die kleinen und kleinsten Partikel nicht nur zur Entzündung der Bronchien und zu Asthma führen können, sondern offenbar auch zu Problemen im Herz-Kreislauf-System.

Unbehandeltes Holz ist am besten

Schadstoffe entstehen insbesondere auch bei unvollständiger Verbrennung – was in manch einem Ofen gar nicht so selten vorkommt. Dazu zählen Kohlenmonoxid und Methan, die beide eine viel höhere Treibhausgaswirkung haben als CO2, sowie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die Krebs erregen können.

Aber ist Feinstaub aus Dieselabgasen nicht viel gefährlicher als die feinen Partikel aus einem Kaminofen? Es gebe bisher nur wenige Studien dazu, heißt es beim UBA – aber die würden nahelegen, dass beides ähnlich schädlich ist. Das Amt rechnet die Feinstaubemissionen aus einem neuen Kaminofen üblicher Größe auf Autokilometer um: Bei Volllast sind es etwa 500 Milligramm Staub, was etwa 100 Kilometer Autofahrt entspricht – bei Euro 6. Wichtig ist der Hinweis, dass dies jeweils nur auf dem Prüfstand gilt – und wie diese Werte vom Alltagsbetrieb abweichen können, hat sich jüngst zumindest bei den Dieseln deutlich gezeigt.

Was kann man trotz dieser Bedenken tun, um das kuschelige Wärmevergnügen einer Holzheizung so ökologisch wie möglich zu gestalten? Unbehandeltes und wirklich durchgetrocknetes Holz, das richtig gelagert wird, liefert die beste Voraussetzung. Zudem sollte der Ofen nicht überfüllt und Holz nicht zu spät nachgelegt werden. Dazu gehört auch, nicht zu große Scheite in den Brennraum zu schichten. Insgesamt sollte, so das UBA, die Feuerstätte „effizient und emissionsarm“ betrieben werden – wozu auch die regelmäßige Wartung zählt.

TÜV Rheinland warnt vor Billigangeboten

Auf ein weiteres Problem weist der HKI Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik hin: Vermeintlich günstige Ofen-Angebote könnten sich schnell als teurer Fehlkauf entpuppen. Gerade bei angeblichen Schnäppchenkäufen oder auch bei gebrauchter Kaminöfen, die über Kleinanzeigen oder Online-Auktionshäuser angeboten werden, könnten die Anlagen so veraltet sein, dass sie gar nicht in Betrieb genommen werden dürften oder – entsprechend kostspielig – nachgerüstet werden müssten.

„Während für Altgeräte, die bereits in Betrieb sind, noch bis 2024 Übergangsregelungen zum Bestandsschutz greifen, erlöschen diese beim Wechsel des Standorts“, erläutert der Verband. Daher solle man sich vor Anschaffung einer gebrauchten Feuerstätte die Bescheinigung der Typprüfung vom Vorbesitzer vorlegen lassen. Alle neuen Geräte, die auf dem Markt seien, müssten aber die Grenzwerte verbindlich einhalten.

Doch auch beim Kauf neuer Öfen rät der TÜV Rheinland zur Vorsicht insbesondere bei Billigangeboten etwa vom Baumarkt. Dünne Wände und eine „wenig robust“ Verarbeitung würden oft die Effizienz beim Heizen sowie die Lebensdauer mindern. Das könne dazu führen, dass Ofentüren undicht werden – mit der Gefahr, dass gesundheitsschädliche Rauchgase in den Wohnraum gelangen.

Der Gesundheit abträglich können außerdem die Verbrennungsprodukte von Öfen und Dekofeuerstellen sein, die mit Ethanol betrieben werden. Auch wenn es schön aussieht, so warnt doch die Stiftung Warentest immer wieder vor diesen Feueranlagen ohne Schornstein – auch wegen möglicher Brand- und Explosionsgefahr.

Wie man umweltschonend Feuer macht

Feuer von oben: Für viele Ofenbesitzer ist diese Methode eine Revolution – aber sie gilt als deutlich umweltfreundlicher als Feuer von unten. Denn wenn es oben von Anfang an heiß brennt, verlassen nur wenig unverbrannte Brenngase den Feuerraum.

Aufbau: Auf den Ofenboden kommen zunächst die dickeren Holzscheite. Quer darüber folgen dünnere Anzündhölzchen, dazwischen wird die Anzündhilfe platziert. Darauf kann man weitere Anzündhölzchen legen. Das Anheizen von oben dauert etwas länger als von unten.

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