Ein queerer Türke sucht seine politische Heimat – und ist Rechtsaußen gelandet. Foto: dpa/Daniel Karmann

Passt ein queerer Deutsch-Türke in die Rechtsaußenpartei? Die einen wollen Ali Utlu aufnehmen, die anderen finden, er gehört abgeschoben.

Was muss die AfD alles an Verballhornungen ihres Parteikürzels hinnehmen? Affen für Deutschland, Arbeitsgemeinschaft für Deutschtümelei, A. fom Dienst. Trotzdem dürfte das, was der deutsch-türkische Blogger Ali Utlu jetzt gepostet hat, bei vielen Anhängern eine Identitätskrise auslösen: „Gewöhne dich daran, das A in AfD steht für Ali“, schrieb der Kölner Aktivist mit einem gewissen Pathos auf X, vormals Twitter.

 

Utlu meint es ernst. Vor drei Jahren war die AfD für ihn noch eine Partei, die „Andersdenkenden und Migranten an allem die Schuld“ gebe und „den Geist der Täter des Dritten Reichs in sich“ trage. Da war er gerade von der Piratenpartei zur FDP gewechselt. Doch jetzt will sich der Islamkritiker – genervt vom „Woke-Wahnsinn“, wie er sagt – der AfD zuwenden. Der „Abgleich mit der Realität“ habe seine Vorbehalte aufgebrochen.

Utlu gefährdet die Annäherung an Erdogan

Den Mitgliedsantrag hat Utlu offenbar schon abgeschickt. Viele in der AfD freuen sich über den Neuzugang, der als schwuler Migrant nicht unbedingt ins Beuteschema passt. Andere finden den Beitritt tatsächlich gewöhnungsbedürftig. Es gebe zwar „schon Alis, die die AfD wählen“, stellt der Ex-Chef der Jungen Alternative (JA), Marvin T. Neumann, fest. „Nur sind das genau jene, gegen die Utlu jeden Tag wettert.“

Was er meint: Utlus Eintritt könnte die strategische Annäherung der AfD an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und seine Anhänger in Deutschland gefährden. Viele besitzen Wahlrecht. Ein „queerer Türke“ wie Utlu gehöre nicht in die Partei, sondern abgeschoben, urteilte auch der aktuelle JA-Co-Chef Nils Hartwig. Für Utlu könnte es der nächste Abgleich mit der Realität sein: „Ich habe jetzt in einer Woche mehr Rassismus erlebt von links und ganz rechts als im ganzen Leben davor.“