Seit mehr als 20 Jahren lebt Ulrich Fellmeth-Pfendtner in Birkach. Foto: Julia Bosch

Ulrich Fellmeth-Pfendtner aus Stuttgart-Birkach ist ein echter Sozialdemokrat. Parallel engagiert er sich an zig anderen Stellen. Seit einem guten Jahr ist er offiziell im Ruhestand – doch die Realität sieht etwas anders aus.

Birkach - Das gelbe Haus an der Birkheckenstraße in Birkach erinnert ein bisschen an Waldorfschule: etwas chaotisch und zugleich liebevoll-heimelig. Innen sind die Wände nicht etwa weiß, sondern in einem warmen Orange und mit einer speziellen Wischtechnik gestrichen. Doch Ulrich Fellmeth-Pfendtner (66) versichert, er sei kein ehemaliger Waldorfschüler, allerdings besuche seine Frau spirituelle Kurse. Von einem dieser Kurse habe sie diese Maltechnik mitgebracht.

Petra Pfendtner und Ulrich Fellmeth-Pfendtner sind der lebende Beweis dafür, dass man nicht der gleichen Partei angehören muss, um als Ehepaar zu funktionieren: Er ist mit 20 der SPD eingetreten und sitzt bis heute für die Sozialdemokraten im Bezirksbeirat von Birkach. Sie vertritt dort die Grünen. „Immer wieder fragt mich meine Frau, wann ich endlich zu den Grünen wechsle. Das würde auch gut passen, ich bin überzeugt, dass sich die Welt ökologisch verändern muss. Aber die soziale Gerechtigkeit steht für mich an erster Stelle“, sagt der 66-Jährige.

Mehr beim Demonstrieren als in der Schule

Bereits als Schüler in Nagold (Kreis Calw) war Ulrich Fellmeth-Pfendtner dem linken Spektrum zugetan: „Weil ich mehr beim Demonstrieren als in der Schule war, bin ich zweimal durch die zwölfte Klasse gefallen.“ Nach der Ausbildung zum Industriekaufmann studierte er Sozialpädagogik. Doch durch sein politisches Engagement war er „politisch verbrannt“. Die Landratsämter in Calw und in Freudenstadt stellten ihn nicht ein. Böblingen jedoch war weit genug weg, dort kannte man den Namen Fellmeth nicht. Elf Jahre lang arbeitete er dort im Jugendamt.

Irgendwann wollte er mehr Verantwortung übernehmen. 1992 gründete er das Institut Fobis (Systemisches Institut für Bildung, Forschung und Beratung), wo er bis heute als Dozent tätig ist. Und er wechselte zur Diakonie Württemberg: zunächst als Referent. Nach anderthalb Jahren wurde er Abteilungsleiter. Fellmeth-Pfendtner bezeichnet sich selbst als „eine der prägenden Figuren der Kinder- und Jugendhilfearbeit“. Bis Herbst 2017 blieb er bei der Diakonie; „25 Jahre lang – was eigentlich extrem ungewöhnlich für mich ist“.

Die Tochter wurde Schulsprecherin

Parallel engagierte er sich schon als junger Mensch an zig anderen Stellen: bei der SPD, als Leichtathletiktrainer oder beim Stadtjugendring. Das ist bis heute so geblieben. Seit 1997 lebt er in Birkach – und noch im selben Jahr landete er im Bezirksbeirat. Zudem wurde Fellmeth-Pfendtner Vorsitzender des Birkacher Kinderhauses sowie Elternbeiratsvorsitzender des Paracelsus-Gymnasiums Hohenheim (PGH). „Wenn ich irgendwo bin, sitze ich relativ schnell in der vorderen Reihe“, sagt er. „Eigentlich heißt es, man muss drei Generationen in Birkach leben, um akzeptiert werden. Aber durch unser Engagement und unsere Kinder ist uns das schneller geglückt.“

Die Ehe mit Petra Pfendtner ist nicht seine erste: Bereits mit 21 Jahren hat Ulrich Fellmeth-Pfendtner geheiratet, mit 23 bekam er seinen ersten Sohn. Die Ehe scheiterte – auch deshalb, weil er an so vielen Stellen mitgemischt hat und häufig unterwegs war. Bei einer Veranstaltung der Diakonie lernte er seine zweite Frau kennen. Auch sie brachte einen Sohn mit in die Ehe. 1999 bekamen die beiden noch eine gemeinsame Tochter. Ein bisschen trat Alicia in die Fußstapfen ihres Vaters: Sie war Schulsprecherin am Paracelsus-Gymnasium.

So richtig im Ruhestand ist er nicht

Seit Herbst 2017 ist Ulrich Fellmeth-Pfendtner im Ruhestand – zumindest offiziell. Die Realität sieht anders aus. Ein Jahr vor der Rente hat er die Firma Cosyma gegründet. Dort bietet er Beratungen im Bereich der Gemeinwohl-Ökonomie an. Außerdem ist er seit April 2018 Vorsitzender des TSV Birkach. „Das war nicht geplant. Ich war eigentlich immer nur stilles Mitglied.“ Aber die Not war groß, und er wurde immer wieder angesprochen – bis er endlich zusagte. Mittlerweile ist er froh darüber. Etwa einen Tag pro Woche investiert Fellmeth-Pfendtner für die Vereinsarbeit. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, mehr Gemeinschaftsgefühl im Verein zu verankern und den TSV präsenter im Alltag der Menschen zu machen: etwa beim Dorffest, dem Weihnachtsmarkt oder im Rahmen einer Kooperation mit einer Zirkusgruppe.

Wenn der 66-Jährige nicht gerade arbeitet oder unterwegs ist, geht er dreimal am Tag mit seinen zwei Hunden spazieren. Schon deshalb kämpft er dafür, dass das Birkacher Feld nicht bebaut wird. Außerdem kümmert er sich um seine zwei Enkelkinder. Und zwischendrin ist auch immer mal wieder etwas an dem Haus zu tun – dem gelben an der Birkheckenstraße.

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