Die Beute belief sich insgesamt auf gut 194 000 Euro. Foto: Imago//Burkhard Schubert

Ein 31-Jähriger aus Bietigheim-Bissingen hat Sparkassen in Korntal-Münchingen und Ingersheim überfallen. Bei der Urteilsverkündung am Landgericht Stuttgart kochen die Emotionen im Sitzungssaal hoch, doch die Reue kommt zu spät.

Der Sitzungssaal des Stuttgarter Landgerichts ist brechend voll. Rund 50 Familienangehörige und Freunde sind gekommen, um bei der Urteilsverkündung gegen einen 31-Jährigen, der zuletzt in Bietigheim-Bissingen gewohnt hatte, dabei zu sein. Als dann die Vorsitzende Richterin eine Haftstrafe von sieben Jahren wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und erpresserischen Menschenraubes verkündet, brechen sich die Emotionen Bahn. Der Angeklagte senkt den Kopf und bricht in Tränen aus, auch von den Besucherstühlen ist vielfaches Schluchzen zu vernehmen.

 

Ein Mann hat seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle, er läuft aus dem Saal und schreit im Flur. Die Sicherheitsbeamten im Saal fordern Verstärkung an. Bald beruhigt sich die Lage aber – auch weil ein jüngerer Mann aus dem Sitzungssaal gelaufen war und wohl beruhigend einwirken konnte.

Angeklagter hat eine Ausbildung bei der Sparkasse gemacht

Unbeeindruckt von den Geschehnissen führte die Richterin ihre Urteilsbegründung weiter aus. Die Kammer sah es – nicht zuletzt wegen des umfassenden Geständnisses des Angeklagten – als erwiesen an, dass dieser Ende Februar 2023 mit Sonnenbrille und Halstuch maskiert an der Hintertür einer Sparkasse in Korntal-Münchingen geklingelt hatte. Als ihm eine Angestellte arglos öffnete, bedrohte er sie und eine Kollegin mit einem Messer mit einer Klingenlänge von 20 Zentimetern. „Macht alles, was ich sage, dann passiert euch nichts“, hieß es, eher er eine Kollegin dazu aufforderte, in den mit einer biometrischen Schleuse gesicherten Tresorraum zu gehen und ihm das Bargeld auszuhändigen. Seine Beute: 89 500 Euro.

Nach dem gleichen Muster überfiel er im September eine Sparkasse in Ingersheim, diesmal erbeutete er sogar 104 500 Euro. Der Clou: Er wusste genau um die Sicherheitsmaßnahmen der Sparkasse wie GPS-Tracker und Farbbeutel, da er zwei Jahre zuvor bei dieser eine Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen hatte. Der Bankangestellten gelang es jedoch, einen Tracker im Geldbeutel zu verstecken, sodass der Fluchtweg des 31-Jährigen später teils nachvollzogen werden und er wenige Tage später festgenommen werden konnte.

Spielsucht als Motiv für die Taten

Das Motiv für die Taten war nach Ansicht des Gerichts die Spielsucht des Angeklagten. Auch dies hatte der 37-Jährige am ersten Prozesstag freimütig eingeräumt und seinen Schuldenstand auf mehr als 50 000 Euro beziffert. Er hatte erklärt, dass er bereits seit seinem 18. Lebensjahr Geld bei Sportwetten einsetze, in den vergangenen beiden Jahren sei „das Ganze ein bisschen eskaliert“.

Hohe Schulden hatte der 31-Jährige etwa beim Chef einer Möbelmontagefirma in Kornwestheim, für die er gelegentlich tätig war. Er hatte unter anderem eine Palettenfirma gegründet, in der er auf dem Papier als Geschäftsführer fungierte, in Wirklichkeit jedoch nur Gelder entgegennahm und diese dann wiederum bar an Schwarzarbeiter der Möbelmontagefirma auszahlte. Rund um diesen Komplex läuft ein weiteres Verfahren am Landgericht Stuttgart wegen Sozialversicherungsbetrugs in Millionenhöhe.

Die Bankmitarbeiterinnen leiden stark unter den Folgen

Positiv bewertete das Gericht neben dem Geständnis auch, dass der Angeklagte den drei Bankangestellten Entschuldigungsbriefe geschrieben und ihnen jeweils 10 000 Euro gezahlt hatte. Zudem wurden von dem zweiten Überfall 64 500 Euro im Auto des Mannes gefunden. Negativ fielen jedoch die langwierigen und schweren Folgen für die Frauen ins Gewicht: sie sind alle in psychologischer Behandlung, litten unter starken Schlafstörungen und waren wochenlang arbeitsunfähig.

Mit dem Urteil blieb das Gericht etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von neun Jahren gefordert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen auf sechs Jahre und drei Monate plädiert.