Veranstalterin Julia Mainusch im Café Labyrinth, das seine Räume für das erste Event von „Über den Tellerrand“ zur Verfügung stellt. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Gemeinsam kochen, neue Gerichte probieren und dabei Freundschaften schließen? Das ist in Stuttgart bald möglich: Die internationale Veranstaltungsreihe „Über den Tellerrand“ erobert in den Kessel.

Angefangen hat alles mit einer Google-Suche. Vor etwa zwei Jahren gab Julia Mainusch „Gemeinsam Kochen in Berlin“, in die Suchmaschine ein. Sie suchte damals nach Menschen, die miteinander kochen und sich darüber connecten wollen. Gefunden hat sie die internationale Kochreihe „Über den Tellerrand“, die sie nun ab Januar auch an ihren neuen Wohnort, Stuttgart, bringt. Die Idee hinter dem Event könnte man etwa so zusammenfassen: Man kocht gemeinsam Gerichte, von denen man noch nie etwas gehört hat und lernt Menschen kennen, die man toll findet – teilweise sogar, ohne die gleiche Sprache zu sprechen.

 

„Über den Tellerrand bietet einen Raum, in dem die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen können – egal, welche Nationalität oder Sexualität sie haben, wie alt sie sind oder wie viel sie verdienen“, sagt Julia. Willkommen sind alle, die Lust haben, neue Küchen kennenzulernen, neue Gerichte zu probieren und sich mit anderen auszutauschen. Damit das geht, verlangt die Studentin keinen Eintritt. Nur eine Spendenbox wird aufgestellt – wie viel man dort hineinwirft, ist aber jedem und jeder selbst überlassen. Auch „Nichts“ ist eine Option. „Man darf gerne etwas dazugeben, aber nur, wenn man es kann!“, betont sie.

„Nimm dir ’ne Schürze und fühl dich wie zu Hause“

Was gekocht wird, unterscheidet sich von Abend zu Abend. In der Regel entscheidet man sich vorab für ein Motto (50 Plates of Reis/Frühstück/Dips/Zimt und Kreuzkümmel/Alles, was das Herz begehrt). Das Gericht besteht dann meist – ganz klassisch – aus Vorspeise, Hauptgericht und Dessert, zubereitet von den Teilnehmer:innen in Kleingruppen. Welches der Gerichte man kochen will, kann man sich selbst aussuchen. Inspiriert seien die Themenabende häufig von der Community, sagt Julia. „Man fragt: Worauf habt ihr Lust und was esst ihr zuhause? Und welche Geschichte gibt es dazu?“ Schon hat man ein Motto.

Als Julia selbst zum ersten Mal in Berlin, wo das mittlerweile in 40 Städten stattfindende Event-Konzept 2013 gestartet hat, teilgenommen hatte, wurde Brasilianisch gekocht. „Es waren so viele Leute da“, erinnert sich die gebürtige Frankfurterin. Sie hat sich sofort wohlgefühlt. „Es war toll, wie viele Sprachen man da gehört hat.“ Begrüßt wurde sie mit: „Fühl dich wie zu Hause, nimm dir ’ne Schürze und auf geht’s!“ Schnell wurde Julia dann auch Teil des Berliner Orga-Teams und hat selbst Abende mit veranstaltet, bis sie 2022 dann fürs Studium nach Stuttgart gezogen ist.

Raus aus der eigenen Bubble ...

Und jetzt? Bisher kennt Julia keinen Ort im Kessel, an dem ein solcher Austausch stattfinden kann – zumindest nicht, ohne etwas dafür bezahlen müssen. Deshalb bringt sie das Projekt nun in die Landeshauptstadt. „Ich war ja auch eine Fremde in Berlin“, stellt sie fest. „Und ich habe bei „Über den Tellerrand“ einen Ort gefunden, an dem ich dachte: Hier kann ich zuhause sein. Das fand ich einfach schön“. Aber noch ein zweiter Grund hat Julia dazu motiviert, „Über den Tellerrand“ in den Kessel zu holen. „Ich glaube wirklich, dass man dort Vorurteile, von denen man vielleicht selbst gar nicht wusste, dass man sie hat, über Bord werfen kann.“ Man käme ja sonst oft nicht so oft aus seiner Bubble raus, findet die Studentin. „Auf diesen Kochabenden sind aber so viele Leute, dass man automatisch neue Perspektiven kennenlernt“, sagt sie. Darauf, sich auf Augenhöhe zu auszutauschen, freut sich Julia am meisten.

Und wie ginge das besser als beim gemeinsamen Kochen und Essen? „Ich finde, dass Essen was total Verbindendes hat, weil man gemeinsam etwas erschafft – und das in einem eigentlich total alltäglichen Moment.“ Ein weiterer Vorteil: Beim Kochen muss man nicht unbedingt dieselbe Sprache sprechen. „Man kann sich mit Händen und Füßen unterhalten. Man lächelt sich an und mag sich – verbaler Austausch gar nicht so wichtig.“

... Ab in die Welt der arabischen Gerichte

Und was wird es bei der Premiere in Stuttgart zu Essen geben? „Ich möchte einen arabischen Kochabend machen, es soll also in die orientalische Richtung gehen“, sagt Julia. Ihre Mutter habe viel Arabisch gekocht, erzählt sie, außerdem gäbe es in Stuttgart nicht so viele arabische Restaurants. „Für die Gäste ist es bestimmt interessant, welche unterschiedlichen Geschmäcker es da zu probieren gibt.“ Was genau gekocht wird, weiß Julia aktuell noch nicht – klar ist aber, dass das Gericht vegetarisch sein wird. Sollten Veganer:innen unter den Teilnehmenden sein, wird sogar vegan gekocht werden.

Der arabische Kochabend am 25. Januar ist der Erste einer Reihe, die im Frühjahr so richtig starten soll. Das erste Event beginnt um 18 Uhr im Café Labyrinth in Stuttgart-Mitte. Das Café stellt seine Räume für diesen Abend zur Verfügung und bietet selbst ebenfalls einige Projekte für kulturellen Austausch an.

Über den Tellerrand, Café Labyrinth, Urbanstr. 64, Stuttgart-Mitte, 25.1. 18 Uhr

Anmeldung bis 21.1. unter stuttgart@ueberdentellerrand.org oder über Instagram (ueber_den_tellerrand.stuttgart); Vegane Ernährung, Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten bitte bei der Anmeldung angeben