Lustig gekleidete Männer auf tollkühnen Fahrrädern: Der Tweed Run macht Spaß. Foto: Lichtgut/Schmidt

Der Tweed Run ist der Höhepunkt der Stuttgarter Radkultur. Am Sonntag sind lustig gekleideten Männer und Frauen durch Stuttgart gefahren. Ziel: die Grabkapelle. Es durfte auch geschoben werden.

Stuttgart - Als Elmar Carle am Sonntagvormittag auf dem Innenhof des Ifa-Areals einrollt, um sich für den 7. Stuttgarter Tweed Run anzumelden, sind ihm bewundernde Blicke sicher. Der 51-Jährige fährt ein Pedersen, ein 1890 in Dänemark entwickeltes Zweirad, das beinahe stehend gefahren wird. Dafür soll der wie eine Hängematte aufgehängte Sattel mehr Sitzkomfort bieten. „Der Tweed Run ist der Höhepunkt der Stuttgarter Fahrradkultur“, schwärmt Carle. Sportliche Rekorde lassen sich auf seinem historischen Drahtesel nicht erzielen. Darum geht es aber auch gar nicht, wie Bernd Schmidt (46) betont, dessen Veloziped Bauteile aus den 30er-, 40er- und 50er-Jahren vereint. „Wir sind hier, um stilvoll Spaß zu haben und Gutes zu tun“. Was an Startgeld zusammenkommt, spendet der Veranstalter, die Stuttgart Charity Society gemeinnützigen lokalen Projekten und Organisationen. 24 000 Euro sind in den vergangenen Jahren zusammengekommen.

Man kann auch mit Absätzen Rad fahren – wenn man will

„Wir rechnen mit rund 130 Fahrern“, ist Dustin Clare vom Organisationsteam zuversichtlich. „Das Wetter ist traumhaft. 2016, als es schneite, kamen auch 100 Radler zusammen.“ Es handle sich um eine bunte Mischung aus Leuten, die nur zum Tweed Run in die Pedale träten, und Fahrrad-Enthusiasten, so der gebürtige Amerikaner. Die Steigung hinauf zum Ziel der diesjährigen Tour, der Grabkapelle auf dem Rotenberg, braucht niemanden zu schrecken. „Wir schieben auch“, versichert eine Dame, die sich Kati Wonderful nennt und schwärmt, sie habe eben festgestellt, dass sie mit ihren Absätzen tatsächlich Rad fahren könne. „Tweed ist keine ideale Sportkleidung“, räumt Bernd Schmidt ein. „Im Regen saugt er sich voll und bei Sonne wird es doch schnell warm“. Auf die Idee, die Schiebermütze gegen einen futuristischen Helm oder den britischen Zwirn gegen eine hautenge Radler-Pelle einzutauschen, käme keiner der Tweed Runner. „Vieles hier mag nicht sehr praktisch sein“, sagt Elmar Carle. „Dafür ist es aber sehr elegant und very british.“

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