Junge Frauen am Bauhaus (von links): Anni (Marie Hacke), Friedl (Nina Gummich) und Lotte (Alicia von Rittberg) Foto: MDR

Mit dem Fernsehfilm „Lotte am Bauhaus“ und einer Doku erinnert die ARD an Vergessene. An die vielen jungen Frauen nämlich, die am großen Umbruch in Design und Architektur vor 100 Jahren teilhatten.

Weimar - Die Geschichte des Bauhauses, wie wir sie kennen, ist nicht richtig“, sagt die Kunsthistorikerin Elizabeth Otto, und sie will damit nicht aus purer Missgunst die schönen Feiern zum hundertsten Geburtstag dieser Design-, Architektur- und Kunstschule stören. Sie will auf den absurden Umstand aufmerksam machen, dass die Frauen der Bauhaus-Bewegung fast ganz vergessen wurden – obwohl diese neue Bewegung einst als emanzipatorische begriffen wurde und sogar mehr Studentinnen als Studenten anzog.

Frauen, Männer und Ideen

Höchst verdienstvoll also, dass die ARD diesen Frauen einen Themenabend widmet, mit dem Fernsehfilm „Lotte am Bauhaus“ als Hauptgang und Susanne Radelhofs halbstündiger Dokumentation „Bauhausfrauen“ als Nachtisch. Der Doku hätte man mehr Sendezeit gewünscht, denn sie soll nicht nur von den Frauen am Bauhaus erzählen, sondern von der gesellschaftlichen Lage drum herum, von einer jungen Demokratie, in der auch das Frauenwahlrecht eine frische Errungenschaft war. Darüber hinaus muss jede Geschichte der Bauhausfrauen auch die Bauhausmänner wie Walter Gropius im Blick haben, deren Umgang mit den neuen Talenten, Jüngerinnen und Rivalinnen zwischen revolutionärem Regelbruch und konservativem Pa­triarchendünkel schwankte.

All das versucht auch der Film „Lotte am Bauhaus“ des Regisseurs Gregor Schnitzler und des Drehbuchautors Jan Braren zu fassen. Im Mittelpunkt der von Degeto, SWR und MDR zusammen mit Ufa Fiction gestemmten Produktion steht die zwanzigjährige Lotte Brendel (Alicia von Rittberg), die einmal ordentlich heiraten soll: einen patenten Mann, der die Tischlerei von Lottes Vater übernehmen kann. Die Beschaffung eines Ersatzerben ist der jungen Frau aber nicht Lebenszweck genug. Obwohl man ihr das kategorisch verbietet, schreibt sie sich am Bauhaus ein, entfaltet ihre Talente und Anlagen – und erlebt, wie das Bauhaus ins Visier der aufstrebenden Nazis gerät. Denen gilt diese moderne In­stitution als Inbegriff der Sittenverluderung in der „Judenrepublik von Weimar“.

Zu eng an Lotte

Es gibt etliche gut ausgedachte, sauber gefilmte und gespielte Szenen. Auf Dauer aber ist „Lotte am Bauhaus“ viel zu nett und freut sich zu ausgiebig daran, Romantik, Selbstfindung und Aufbruchsgeist in akkurater historischer Kulisse zu feiern. Lotte ist keine historische Figur, sie ist eine Kombination mehrerer realer Figuren und einiger Drehbuchkonventionen.

Das wäre nicht ganz so schlimm, wenn dieses Fernsehspiel nicht ausschließlich bei Lotte bliebe. So aber kann keine der historischen Figuren um sie herum tiefer ausgeleuchtet werden, und manche Debatte wirkt etwas angestrengt didaktisch, weil alles Wichtige via Lotte erklärt werden muss. Fazit: Im Bauhaus schlummert noch viel Stoff für andere Filme.

Ausstrahlung: ARD Mittwoch, 13. Februar, 20.15 Uhr. Bereits vorab in der Mediathek des Senders.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: