18 Jahre jung, schnell und torgefährlich: Reiss Nelson von der TSG Hoffenheim Foto:  

Warum der junge Engländer Reiss Nelson von der TSG Hoffenheim wie sein Dortmunder Kumpel Jadon Sancho vor einer Woche eine große Gefahr für den VfB Stuttgart ist.

Stuttgart - Vor einer Woche stürmte ein junger Engländer durch die Abwehrreihen des VfB Stuttgart und ließ die Jungs in rot und weiß alt aussehen. Jadon Sancho, 18-jähriger Flügelflitzer von Borussia Dortmund, traf früh zum 1:0 und erledigte auch die anderen Dinge auf dem Platz rasend schnell. Zu schnell für den VfB.

Nun, an diesem Samstag, stürmt ein junger Engländer durch die Abwehrreihen des VfB und lässt die Jungs in weiß und rot alt aussehen. Er trifft früh zum 1:0 und erledigt auch die anderen Dinge auf dem Platz rasend schnell. Zu schnell für den VfB.

Wie bitte? Wer nun immer meint, der vorangegangene Absatz sei sinnfrei, da ja fast identisch mit dem ersten, dem sei gesagt: es könnte wirklich alles wieder so kommen – denn Geschichte könnte sich wiederholen an diesem Samstag. Das mögliche Horrorszenario aus Stuttgarter Sicht– junger englischer Außenstürmer ist zu schnell für den VfB – kommt genau dann wieder zustande, wenn nun der nächste 18-jährige Engländer, in diesem Falle Reiss Nelson in Diensten der TSG Hoffenheim, die Abwehr aufmischen sollte. Das Potenzial zumindest hat der Bursche.

Sancho und Nelson sind die britischen Exportschlager der Bundesliga – Sancho startet beim BVB durch wie eine Rakete und steht sinnbildlich für den rasenden Aufschwung samt atemberaubenden Tempofußball unter dem neuen Trainer Lucien Favre. Und Hoffenheims Nelson?

Sancho lockte Nelson in die Bundesliga

Der wandelt eifrig auf Sanchos spuren – auch, weil Sancho, der 2017 für rund acht Millionen Euro aus der Jugend von Manchester City zum BVB wechselte, ihm den Wechsel nach Deutschland schmackhaft machte. Nelson ist so eng mit Sancho befreundet, dass der ihn jüngst als „Familie“ bezeichnete – in diesem Sommer nun gab es den entscheidenden Ratschlag des Kumpels, der kürzlich sein Debüt in der A-Nationalelf gab: Reiss, komm’ doch auch in die Bundesliga!

Sancho und Nelson gehören in der Heimat zu den größten Versprechen für die Zukunft. Der englische Fußball ist, wie schon bei der WM in Russland zu sehen war, nach Jahren der Talsohle wieder reich an tollen Talenten. Weil die Premier League aber aufgrund der Dichte an internationalen Stars und der Fülle an formidabel besetzten Topteams nur begrenzte Einsatzmöglichkeiten bietet, wagen immer mehr dieser Talente den Sprung ins Ausland und damit auch in die Bundesliga, um Spielpraxis zu sammeln. Und um den berühmten nächsten Schritt zu machen, um dann in der Heimat gereift durchstarten zu können.

Die einen wie der Dortmunder Sancho verpflichten sich gleich für ein paar Jahre, andere wie Nelson werden für ein Jahr ausgeliehen. Die TSG Hoffenheim überwies im Sommer 500 000 Euro Leihgebühr an den FC Arsenal – und das könnte nun für alle Seiten ein guter Deal werden: Für die TSG, die nach dem Abgang von Serge Gnabry zum FC Bayern wieder einen schnellen Flügelspieler mit viel Tempo im Kader hat. Und für Arsenal, weil der Verein sicher sein kann, dass sein Eigengewächs beim anerkannten Talenteförderer Julian Nagelsmann in den besten Händen ist. Nelson selbst übrigens sieht seine Zukunft ab dem Sommer definitiv wieder in London. Bei jenem Verein, für den er seit dem neunten Lebensjahr kickt. Die Arsenal-Verantwortlichen sehen das auch so – vor der Leihe nach Hoffenheim wurde sein Vertrag noch schnell bis 2022 verlängert.

Nelson wird in Heidelberg von der Mutter bekocht

Am vergangenen Wochenende schnürte der U-21-Nationalspieler nun einen Doppelpack beim 3:1-Sieg beim 1. FC Nürnberg, er kommt nun auf vier Tore in vier Bundesligaspielen – und weckte damit prompt große Sehnsüchte etlicher Arsenal-Fans, die sich hinterher im Netz für eine schnelle Rückkehr schon im Winter stark machten.

Die Anhänger in London werden sich noch bis zum Sommer gedulden müssen – und wer weiß, vielleicht werden bis dahin einige andere Transfers englischer Talente in die Bundesliga perfekt gemacht. Das britische Boulevardblatt „The Sun“ jedenfalls sieht schon dunkle Wolken aufziehen und schlug in der jüngsten Länderspielpause Alarm. Weil bei einer Partie der englischen U-17-Nationalelf Scouts von allen (!) Bundesliga-Teams anwesend waren, warnte die Revolverzeitung gewohnt sachlich vor einem „deutschen Raubzug“.

Reiss Nelson kann das egal sein, seine Rückkehr im Sommer steht im Grunde fest – bis dahin aber will er sich auch in seinem neuen Domizil in Heidelberg heimisch fühlen. Er hat deshalb gleich mal seine Familie nach Deutschland mitgebracht und genießt deshalb einige Vorzüge. „Meine Mutter“, sagt er, „kocht großartig.“

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