Trainer Michael Wimmer (li.) genießt vorerst das Vertrauen von Sportdirektor Sven Mislintat. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart setzt vorerst weiter auf den bisherigen Interimstrainer Michael Wimmer. Für den Coach ist das eine Chance, kommentiert Dirk Preiß. Für den Club birgt die Entscheidung aber auch ein hohes Risiko.

4:1, 6:0, 0:5 – so klingt die Bilanz des VfB Stuttgart aus den vergangenen drei Spielen in der Fußball-Bundesliga und im DFB-Pokal. Es ist auch die Bilanz von Michael Wimmer als Cheftrainer. Und es ist die Bilanz, die die Verantwortlichen des VfB nun dazu bewogen haben, dem 42-Jährigen weiter zu vertrauen. Vier Spiele sind es noch bis zur WM-Pause, erst dann wollen sich die Entscheider in Bad Cannstatt festlegen, wie es langfristig auf der so wichtigen Position des Cheftrainers weitergehen soll.

 

Weil Sven Mislintat, der Sportdirektor, und Alexander Wehrle, der Vorstandsvorsitzende und Sportvorstand, gefallen hat, wie Wimmer nach dem Aus für Pellegrino Matarazzo die Mannschaft aus dem Tief gezogen hat. Zudem bietet der ungewöhnliche Zeitplan dieser Saison tatsächlich die Chance, einem Neuen noch ab Mitte November einen Neustart mit genügend Zeit bis Mitte Januar zu ermöglichen. Erst dann wird die Liga fortgesetzt.

Der VfB muss dringend punkten

Allerdings gilt für den VfB trotz der beiden Siege gegen den VfL Bochum (Liga) und Arminia Bielefeld (DFB-Pokal): Weitere schnelle Erfolge sind notwendig, um sich gerade bis zu dieser Pause eine gute Ausgangsposition für den Rest der Saison zu verschaffen. Michael Wimmer hat nach dem Aus für seinen bisherigen Chef die richtigen Knöpfe gedrückt, von einem nachhaltigen Aufschwung ist das Team aber noch ein gutes Stück entfernt. Das hat der Auftritt in Dortmund ganz deutlich gezeigt.

Die fünf Treffer fielen dem BVB viel zu leicht.

Die weitere Verschiebung einer klaren Antwort auf die Trainerfrage ist deshalb auch: nichts Halbes und nichts Ganzes. Zumal der Club sich damit zwar Zeit zur Gründlichkeit verschafft, aber auch das Risiko eingeht, dass mögliche Wunschkandidaten sich dann bereits anders orientiert haben. Die Verantwortlichen müssen damit leben, dass gemutmaßt wird, die Entscheidung werde nur deshalb verzögert, weil die externen Kandidaten zögern zum VfB zu kommen. Und: In der WM-Pause soll ja auch über einen neuen Vertrag für Sven Mislintat beraten werden.

Verhandelt dann der Sportdirektor mit einem Trainer – und der Vorstandschef quasi zeitgleich mit dem Sportdirektor? Der VfB macht sich das Leben mal wieder selbst schwer.

Für Wimmer mehr Chance als Risiko

Der neue Mittelfristtrainer Michael Wimmer muss derweil erneut seine nach Meinung vieler Beobachter größte Stärke ausspielen. Die Spieler aufrichten, sie emotional erreichen und sie dazu bringen, dass Leidenschaft, Einsatzwillen und Konsequenz in den kommenden Spielen wieder vorhanden sind. Für den bisherigen Co-Trainer ist das mehr Chance als Risiko. Für den Club sieht die Rechnung anders aus.