Genau 33 Jahre lang war das Restaurant ein Familienbetrieb: Nektarios Theodosiadis übernahm den Spätzleschwob als 20-Jähriger, seine Frau Elizabeta kam wenig später dazu. Die Töchter Alexandra und Efthimia sind im Betrieb groß geworden. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Am Anfang gönnte sich Nektarios Theodosiadis nicht einmal einen Ruhetag. Seit 1991 betreibt der Wirt das Restaurant Zum Spätzleschwob im Stuttgarter Westen – mit Herzblut. Sein nahender Abschied bedeutet deshalb nicht das Ende des Traditionslokals.

Nicht einmal zum Abschied will Nektarios Theodosiadis im Mittelpunkt stehen. Dabei stand er 33 Jahre lang in der Küche des Restaurants Zum Spätzleschwob im Stuttgarter Westen. Aber für ihn dreht sich immer alles um die Gäste. „Es geht schwäbisch und gut-bürgerlich weiter“, ist deshalb der erste Satz, den er zu seinem Abschied sagt. Am Mittwoch, 27. März, bewirten er und seine Frau Elizabeta zum letzten Mal in dem Traditionsgasthaus in der Vogelsangstraße, das es seit mehr als 100 Jahren gibt. Bei Nektarios Theodosiadis überwiegt momentan ein Gefühl von „tief empfundener Dankbarkeit“, sagt er als nächstes, dass er „tolle Gäste“ hat, „die zu Freunden geworden sind“. Und Freunde lässt man bekanntlich nicht im Stich, weshalb im Spätzleschwob auch ohne die Familie Theodosiadis ziemlich viel beim alten bleiben soll.

 

Eine Kindheit im Spitta-Eck

Nektarios Theodosiadis ist eben ein Gastronom der alten Schule. Seine Kindheit verbrachte er im Spitta-Eck an der Forststraße, wo später das Restaurant Yol einzog. Seine Eltern waren 1965 auf Einladung der Bundesrepublik als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Weil sie aus einer Gastronomenfamilie stammten, machten sie sich selbstständig – mit griechischer Küche. Aber aus Respekt vor den Einheimischen wurden neben Gyros und Souflaki immer auch Käsespätzle und Kutteln serviert. Apostolos Theodosiadis stand in der Küche, seine Frau Efthimia war für den Service zuständig. „Mein Vater hat mir Disziplin und hartes Arbeiten beigebracht“, sagt Nektarios Theodosiadis,in seine Fußstapfen wollte er treten. Als der Pachtvertrag für das Spitta-Eck auslief, übernahm der damals 19-Jährige ein Bistro in Leonberg, bis ihm wenig später der Spätzleschwob in seiner alten Nachbarschaft angeboten wurde.

Dieses „geschichtsträchtige, traditionelle Restaurant“ war für ihn die Gelegenheit. Ganz auf schwäbische Küche konzentrierte er sich, „ich war ja schon die nächste Generation“, erklärt er. Mit „sehr, sehr viel Unterstützung der Eltern“ startete Nektarios Theodosiadis, bald kam seine Frau Elizabeta dazu. Am Anfang gönnte sich die Familie nicht einmal einen Ruhetag. Erst als die Tochter Efthimia vor 24 Jahren auf die Welt kam, nahmen sie den halben Samstag frei. Eine andere Wahl hatten sie gar nicht, denn montags kommt seit 40 Jahren der Montagsstammtisch, den konnten sie genau so wenig vor die Türe setzen wie die anderen Gruppen, die sich dort jeden Abend treffen. Mittwochs reist zum Beispiel immer ein mittlerweile 90 Jahre alter Gast aus Tübingen an, freitags kommen die Sportler. Viel junges Publikum isst neuerdings auch in dem Restaurant, und immer mehr Touristen aus der Schweiz oder Asien gehen gezielt hin.

Käsespätzle mit Chili-Peperoni-Mix

Nektarios Theodosiadis bereitet für sie Wurstsalat und Maultaschen, Zwiebelrostbraten, Kutteln und saure Nierle zu, Krautspätzle, Jägerschnitzel und Flädle mit Pilzen gefüllt. An seinem Beruf liebt er „die Entfaltung in der Küche“, beim Urlaub auf einer griechischen Insel kam ihm die Idee zu „Nemme Normal“, Käsespätzle mit einer Mischung aus Chili und Peperoni, die ein Verkaufsschlager geworden sind. Eigentlich sei seine Speisekarte viel zu umfangreich, räumt er ein, aber er wusste nicht, welches Gericht er streichen soll, weil alle beliebt sind. Dass „jeder Tag anders ist“gefällt seiner Frau an der Gastronomie, der Kontakt mit den Menschen. Seit der Corona-Pandemie ist auch die jüngere Tochter Alexandra, die an der Universität Hohenheim studiert, in den Betrieb eingestiegen. Der Spätzleschwob war immer der Lebensmittelpunkt der Familie.

Neuer Pächter wird ein Bauunternehmer

„Jetzt wollen wir eine Seite umblättern“, sagt Nektarios Theodosiadis. Nach 33 Jahren sei der Zeitpunkt erreicht, den Spätzleschwob „in fähige Hände“ zu übergeben. Im Bauunternehmer Alfred Flachs hat er seiner Meinung nach den richtigen Nachfolger gefunden. Er ist mit dem Vereinslokal der Gartenfreunde Grenzacker in die Branche eingestiegen, vergangenes Jahr hat er das Café Stöckle und den Besen 66 übernommen, von 6. April an gehört auch das Restaurant im Golfclub Nippenburg zu seiner Palette. Die Leitung im Spätzleschwob übernimmt Achim Feierabend, der zuvor den Start in den anderen Lokalen begleitete. Hand geschabte Spätzle, selbst produzierte Maultaschen, saisonale Gerichte mit Spargel und Pfifferlingen stellt er in Aussicht. Mehr vegetarische und vegane Speisen will er auf die Karte bringen, „das ist der Trend“. Aber der Spätzleschwob „bleibt auf jeden Fall ein schwäbisches Restaurant“, verspricht Achim Feierabend, ein familiäres Lokal für die Nachbarschaft.

Nektarios Theodosiadis sieht den Wechsel deshalb auch nicht als „vollkommenen Abschied“: Er und seine Familie freuen sich, künftig die Gäste zu sein.