Urlaubsziele in der Türkei, beispielsweise Antalya, werden wieder stärker nachgefragt – das Preis-Leistungs-Verhältnis ist gegenüber anderen Zielen meist deutlich besser. Foto: dpa

Die Reiselaune der Deutschen ist ungebrochen – die Reisebranche kann wieder auf Rekordumsätze hoffen. Ziele im östlichen Mittelmeer stehen bei den Deutschen 2019 hoch im Kurs. Dies vor allem wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses.

Berlin - Je trüber das Winterwetter, desto mehr wächst die Lust auf Sommer, Sonne und Strandleben. Zu Jahresbeginn haben die noch rund 10 000 deutschen Reisebüros daher gut zu tun, Januar und Februar sind die buchungsstärksten Monate. Viele Kunden haben in der Weihnachtszeit die Urlaubskataloge studiert und sich für ihre nächsten Ferienziele entschieden.

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Denn erfahrene Reisende wissen: Wer rechtzeitig plant und früh bucht, sichert sich die Plätze im Flieger, das Wunschhotel und zudem oft schöne Rabatte. Beim Markt­führer Tui hat im abgelaufenen Jahr jeder zweite Kunde seine Reise mindestens fünf Monate im Voraus gebucht. Marek Andryszak, Chef von Tui Deutschland, erwartet in diesem Jahr besonders für die Türkei und Ägypten eine sehr starke Nachfrage: „Das östliche Mittelmeer punktet mit seinem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis, das zeigt die bisherige Buchungslage ganz deutlich.“

Spanien ist beliebtestes Auslands-Ferienziel der Deutschen

Die Türkei-Buchungen haben sich bei der Nummer eins der Reiseveranstalter im Saisonvergleich aktuell glatt verdoppelt. Ob die Urlaubsbranche wieder ein Rekordjahr schafft, gilt allerdings als offen. Andryszak erwartet zwar weiter wachsende Gästezahlen, unterm Strich aber könnte am Ende des Sommers bei vielen Veranstaltern etwas weniger Umsatz pro Kunde stehen. Denn die Ferien im östlichen Mittelmeer kosten durchschnittlich deutlich weniger als in Spanien, dem beliebtesten Ferienziel der Deutschen.

Auf Mallorca, den Kanaren und an der Costa del Sol zogen die Preise in den letzten Jahren mit der großen Nachfrage kräftig an, die Preisunterschiede zum östlichen Mittelmeer sind beträchtlich. An spanischen Stränden war es vorigen Sommer sehr voll, in einigen Regionen wie Barcelona gab es sogar Proteste wegen der Touristenflut.

Große Veranstalter setzen verstärkt auf maßgeschneiderte Angebote

In diesem Winter sind neben den klassischen Skizielen in den Alpen und den Badeorten am Roten Meer die Karibik, Südostasien und das südliche Afrika gefragt. Im Touristikjahr 2018/2019, das am 30. April endet, könnte der Branchenumsatz der Veranstalter um bis zu zwei Milliarden auf dann 36 Milliarden Euro klettern, das wäre ein weiterer Höchststand.

Die großen Veranstalter setzen verstärkt auf maßgeschneiderte und exklusive Angebote, um sich im umkämpften Markt von der Konkurrenz und Internetanbietern abzuheben. Tui hat in seinen 29 deutschen Katalogen für diesen Sommer weitere 41 neue eigene Hotels von Konzernmarken wie Sensimar, Magic Life und Riu aufgenommen. Der Konzern mit 70 000 Mitarbeitern in mehr als 100 Ländern bietet seinen 27 Millionen ­Kunden bereits 380 eigene Ferienanlagen an.

Ein auffälliger Trend: Angebote nur für Erwachsene. Laut GfK-Studien findet jede zweite Reise ohne Kinder statt. Viele Paare suchen Ruhe und Entspannung, dafür hat der Marktführer seine Marke Sensimar ­konzipiert. Allein 2019 werden zwölf neue Anlagen in den Katalogen präsentiert, damit hat Tui nun 45 Adults-only-Hotels in 14 Ländern im Programm.

Mehr als 1600 Reiseveranstalter in Deutschland

In Deutschland gibt es mehr als 1600 Reiseveranstalter mit rund 56 000 Beschäftigten und gut 32 Milliarden Euro Umsatz. Fast zwei Drittel des Marktes beherrschen sieben große Anbieter, neben Marktführer Tui sind das Thomas Cook, die Rewe-Tochter DER Touristik, FTI, Alltours, Schauinsland und das Kreuzfahrtunternehmen Aida. Den Rest teilen sich mittelständische und kleine Unternehmen, viele davon Spezialanbieter für Studien-, Kultur-, Wander- oder Radreisen oder bestimmte Destinationen.

Die Umsatzrenditen sind mit einem Prozent oft gering. Rund 250 meist kleinere Firmen haben in den vergangenen Jahren aufgegeben, häufig wegen Problemen, Nachfolger zu finden. Auch einige größere Pleiten gab es wie von JT Touristik in Berlin.

Nicht immer muss es aber in die Ferne gehen, auch wenn die Veranstalter ihre Kunden gerne mit Exotik locken. Urlaubsziel Nummer 1 der Bundesbürger ist und bleibt Deutschland. Die heimischen Ferienziele von Rügen bis Oberbayern erleben wachsenden Zuspruch und können 2019 auf das zehnte Rekordjahr in Folge hoffen. Der lange und heiße Sommer 2018 brachte eine hohe Auslastung an den Nord- und Ostseestränden und zufriedene Badegäste. Zudem bleiben Städtereisen nach Berlin, München oder Heidelberg auch bei Besuchern aus dem Ausland gefragt.

Viele Reisende wollen ihre Ziele per Bahn oder Auto erreichen können

Das Chaos am Himmel nach der Air-Berlin-Pleite schreckte überdies manchen davon ab, eine Flugreise zu buchen. Beschwerden und Reklamationen häuften sich deshalb auch bei Veranstaltern. Auch bei Tui wächst die Nachfrage für Ferienziele, die mit dem Auto oder der Bahn zu erreichen sind. Davon profitieren auch Österreich, die Schweiz und Kroatien.

Die Digitalisierung kommt in der Branche relativ langsam voran. „Die Deutschen buchen erst 20 Prozent der Reisen online, Briten schon mehr als 60 Prozent, Skandinavier mehr als 80 Prozent“, sagt Andryszak. Hierzulande werde das Reisebüro mit Beratung bevorzugt. Generell seien die Reisenden durch das Internet meist gut informiert und anspruchsvoller geworden. Das komme ­großen Marken wie der Tui mit ihrem Qualitätsversprechen aber zugute, betont der ­Tui-Chef.

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