Tourismus in Baden-Württemberg Europapark baut große Badelandschaft

Von Thomas Faltin 

Rust will seine Spitzenstellung bei den Top-Zielen in Baden-Württemberg ausbauen. Im Ranking der beliebtesten Attraktionen gibt es kleine Veränderungen.

Stuttgart - Mit Überraschungen gespickt war die Liste der Top-Attraktionen in Baden-Württemberg, die unsere Zeitung gemeinsam mit dem Tourismusverband des Landes vor wenigen Tagen vorgestellt hat. Da wir mit diesem spartenübergreifenden Vergleich Neuland betreten hatten, war klar, dass uns die eine oder andere „Nachmeldung“ erreichen würde. Wir veröffentlichen deshalb nochmals die überarbeitete Liste mit den Top 20 der baden-württembergischen Ausflugsziele.

Bisher nicht im Ranking waren die Therme Vita Classica in Bad Krozingen (neu auf Platz 17) und das Blühende Barock in Ludwigsburg (Platz 20). Zu hoch angesetzt war die Besucherzahl für das Technikmuseum Sinsheim: Als dort die Concorde neu aufgebaut wurde, hatte das Museum einmal eine Million Gäste im Jahr; seither liegt die Zahl wieder bei 600 000. Zu niedrig war die Zahl für das Stuttgarter Leuze.

Insgesamt will der Europapark 175 Millionen Euro investieren

Zwei wichtige Erkenntnisse ergeben sich aus dem Ranking: Erstens liegt der Europapark mit riesigem Abstand vorne – und zweitens werden Spaß- und Thermalbäder stets massiv unterschätzt in ihrer Beliebtheit. Sieben solcher Bäder mit zusammen 4,6 Millionen Besuchern liegen unter den Top 20. Es scheint deshalb fast folgerichtig, dass nun auch der Europapark ganz neu in dieses Segment einsteigen wird.

Seit dem vergangenen Herbst laufen die Bauarbeiten für die Badelandschaft „Rulantica“ in skandinavischem Stil, die 2019 eröffnet wird, 150 Millionen Euro kosten und sofort in die Spitze der baden-württembergischen Bäder vordringen soll: 500 000 bis 750 000 Besucher pro Jahr verspricht sich der Europapark, obwohl im ersten Abschnitt noch keine Saunawelt geplant ist. Die große Halle und der Outdoorbereich umfassen 40 000 Quadratmeter, das gesamte Gelände inklusive einem neuen Hotel soll 450 000 Quadratmeter haben. Zum Vergleich: Das derzeit beliebteste Bad im Südwesten in Sinsheim mit 800 000 Besuchern pro Jahr hat 64 000 Quadratmeter, bei einem der größten Bäder Deutschlands, der Therme in Erding, sind es 180 000 Quadratmeter.

Sollte sich Rulantica bei den Besuchern durchsetzen, würde der Abstand des Europaparks zu allen anderen Ausflugszielen nochmals deutlich wachsen. Der Badepark sei das bei Weitem größte Projekt in der Unternehmensgeschichte, sagte der Gründer Roland Mack. Der Grund für die Investition: „Auf die Frage, was sich die Gäste am ehesten noch wünschen, lautete die Antwort in den meisten Fällen: ‚ein Wasserpark‘.“ Dass der Europapark insgesamt so erfolgreich ist, erklärt Mack so: Es liege an der Qualität im Park, an der Authentizität und Echtheit aller 15 europäischen Themenbereiche und vor allem am „Mut, der Akribie und der Innovationskraft“. Künftig werden dann 4250 Menschen in Park, Hotels und Wasserwelt beschäftigt sein.

Einmaligkeit als wichtigster Erfolgsfaktor

Auf Platz 3 des Rankings liegt die Insel Mainau, die für dieses Jahr die „Faszination Afrika“ als Motto ausgegeben hat. Vor allem Natur- und Gartenliebhaber flanieren gerne über das 45 Hektar große Eiland. Aber mit dem 2013 eröffneten Erlebniswald auf dem Festland und mehreren Abenteuerspielplätzen ist die Mainau auch attraktiv für Familien. Bettina Gräfin Bernadotte, die Geschäftsführerin der Mainau GmbH, sagt zum Erfolg: „Die Insel Mainau entschleunigt und ist der ideale Ort für einen Kurzurlaub für die Seele. Zu jeder Jahreszeit sind auf unserem Eiland gleich mehrere Blütenhöhepunkte wie die Rosenblüte im Sommer zu erleben. Daneben gibt es mit dem barocken Schloss, dem Palmenhaus oder dem Schmetterlingshaus weitere einzigartige Attraktionen.“

Die Badewelt Sinsheim (Platz 8) und das Badeparadies Schwarzwald (Platz 11) gehören (ebenso wie die Therme Erding) zur Unternehmensgruppe Wund. Auf die Frage nach den Erfolgsfaktoren wollte Sprecherin Petra Semik nicht selbst antworten, sondern zitierte lieber den Gründer Josef Wund, der im vergangenen Dezember beim Absturz einer Cessna bei Ravensburg ums Leben gekommen ist. In einem seiner letzten Interviews sagte er: „Unsere Gäste legen Wert auf Exklusivität und Einmaligkeit. Sie lassen sich gerne verwöhnen und lieben dabei die Abwechslung.“ Tatsächlich findet man in Sinsheim 400 echte Palmen; das Dach der Badewelt lässt sich öffnen, und die japanische Sauna mit einem Aquarium gilt als die größte der Welt.

Eine Ausnahmeerscheinung in der Liste ist das Ulmer Münster auf Platz 6. Für die Kirche muss man keinen Eintritt bezahlen, weshalb sie eigentlich gar nicht auftauchen dürfte in diesem Ranking. Aber seit Ende 2016 hat das Münster als vielleicht einzige Kirche im Land ein exaktes Personenzählsystem. Und mit knapp einer Million Besuchern ist das Ulmer Münster eben die unbestrittene Nummer eins im Osten des Landes. Den kostenpflichtigen Aufstieg (Erwachsene 5 Euro) zum höchsten Kirchturm der Welt absolvierten allerdings „nur“ 147 000 Besucher. Das dürfte aber weniger am Eintrittspreis gelegen haben, sondern mehr am schweißtreibenden Aufstieg. Bis ganz nach oben schaffen es ohnehin nur jene, die absolut schwindelfrei sind.

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