Die Topattraktionen im Südwesten Wo geht’s hin zum Ausflug?

Von Thomas Faltin 

Bei den beliebtesten Einrichtungen in Baden-Württemberg steht der Europapark völlig unangefochten vorne – doch danach gibt es viele satte Überraschungen. Unsere Zeitung hat eine solche Liste erstmals mit dem Tourismusverband erarbeitet.

Stuttgart/Rust - Ranglisten und Rankings gibt es wie Sand am Meer, gerade in der Tourismusbranche – doch seltsamerweise kann niemand sagen, welche Ausflugsziele in Baden-Württemberg über alle Sparten hinweg am beliebtesten sind. „Gerade für den Tagestourismus, der für den Südwesten extrem wichtig ist, gibt es leider kaum belastbare Zahlen“, sagt Martin Knauer, der Sprecher der Tourismus-Marketing-Gesellschaft Baden-Württemberg.

Klar, für die staatlichen Schlösser und Gärten veröffentlicht das Land jährlich eine Besucherstatistik; auch bei den Museen findet sich meist eine offizielle Zahl. Doch wenn man Freizeitparks berücksichtigt, Theater, Bäder und Thermen oder eben auch Burgen in Privatbesitz, dann wird es sehr schwierig. Unsere Zeitung hat mit Unterstützung der Tourismus-Marketing-Gesellschaft, durch eigene Recherche und mit Hilfe von Angaben vieler Einrichtungen versucht, die meistbesuchten Attraktionen im Südwesten auf einer Karte zusammenzustellen.

Und da gibt es doch große Überraschungen. Bei einigem Nachdenken wären vermutlich viele darauf gekommen, dass der Europapark Rust vorne liegen muss. Dass er aber so unangefochten auf Platz eins steht und die Wilhelma als Zweitplatzierte nicht einmal auf ein Viertel der Besucher kommt, ist erstaunlich. In ganz Europa muss sich Rust übrigens mit Platz zwei hinter dem Disneyland bei Paris begnügen, weltweit rangiert er sogar nur etwa auf Platz 20.

Spaßbäder und Thermen sind unglaublich besucherstark

Und bei manchen anderen vorderen Positionen hätten vermutlich viele kräftig danebengetippt. Oder hätten Sie die Badewelt Sinsheim auf Platz neun auf der Rechnung gehabt, das Schwetzinger Schloss auf Platz elf oder die Liftbetriebe am Feldberg auf Platz 19? Und hätten Sie gedacht, dass knapp 400 000 Menschen jährlich in Triberg die höchsten Wasserfälle Deutschlands bestaunen, für die die Stadt 3,50 Euro Eintritt verlangt? Wie in diesem Fall, haben wir auch sonst nur gebührenpflichtige Attraktionen berücksichtigt, was bedeutet, dass manche Naturorte nicht vertreten sind wie der Mummelsee oder die Reichenau. Allein beim Ulmer Münster haben wir aufgrund der hohen Besucherzahl eine Ausnahme gemacht.

Und klar, es werden bei einem solch spartenübergreifenden Ranking immer ein wenig Äpfel mit Birnen verglichen. Ein Kunstmuseum wird es vom Besucherandrang niemals mit einem Spaßbad aufnehmen können – dennoch ist es unverzichtbar. Interessant ist trotzdem, dass sieben Bäder, drei Technikmuseen und zwei Freizeitparks die vorderen Plätze fast unter sich verteilen. Immerhin: Mit dem Ulmer Münster und den Schlössern Heidelberg und Schwetzingen haben es drei historische Stätten unter die ersten 20 geschafft. Die Kultur im engeren Sinne ist unter den Top Ten nur mit den Musicals vertreten, das Staatstheater Stuttgart steht auf Platz 22. Überhaupt Stuttgart: Vier der ersten 20 Plätze sind mit Attraktionen in der Landeshauptstadt besetzt, acht sind es in der Region.

Tourismus in Baden-Württemberg geht stetig nach oben

Als in Stein gemeißelt sollte man die Liste allerdings nicht ansehen. Manche Einrichtungen geben keine genauen Besucherzahlen heraus; beim Technikmuseum Sinsheim liegt die Besucherzahl nach anderen Quellen nur bei 600 000 und nicht, wie bei uns verzeichnet, bei einer Million. Und bei manchen Museen schwanken die Zahlen je nach Ausstellung stark. Es ist sogar möglich, dass die eine oder andere Attraktion übersehen wurde – denn gerade Spaßbäder sind besucherstark, auch wenn sie nur regional Menschen anziehen. Und grundsätzlich ist Baden-Württemberg bei Einrichtungen, die 200 000 bis 300 000 Besucher zählen, sehr vielfältig. Selbst die Freibäder größerer Städte schaffen es in diese Kategorie.

Insgesamt entwickelt sich derTourismus im Südwesten in erfreulicher Weise, zumindest wenn man die wichtigste Kennzahl betrachtet – die der Gästeankünfte in Hotels und Pensionen. Danach stieg die Attraktivität des Landes im achten Jahr in Folge. 16,6 Millionen Ankünfte gab es von Januar bis September 2017; das sind 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die genannten Attraktionen werden aber oft von Tagestouristen besucht. Deren große Bedeutung betont Andreas Braun, der Chef der Tourismus-Marketing: „Bei Gastgebern sind länger bleibende Gäste natürlich gern gesehen. Aber Umsätze und Wertschöpfung aus dem Tagestourismus fallen bei uns höher aus als beim Übernachtungstourismus.“

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