Der Foto- und Videojournalist Rainer Hauenschild erläuft sich nicht nur den Schurwald. Jetzt will er als Wanderjournalist den Bergrücken vor seiner Haustür mehr Menschen nahebringen. Aber nur sanft.
Plochingen - Derzeit hat Rainer Hauenschild im wahrsten Sinne des Wortes einen Lauf. Für eine Tageszeitung in der Region wandert er diverse Teilstrecken des Jakobswegs im Kreis Esslingen ab und berichtet darüber. Auch auf seiner Facebookseite „Rainer wandert“ lässt der bestens vernetzte Foto- und Videojournalist, der sich nunmehr auch als Wanderjournalist etabliert, alle an seinen Touren teilhaben. Ob sie nun mit dem Esslinger SPD-Landtagsabgeordneten Nicolas Fink von Plochingen über Endersbach/Stetten auf dem Pilgerweg „immer der Muschel nach“ führen. Oder ob er alleine auf dem Hauptwanderweg 3 (HW3) von Schlichten zum Kloster Adelberg unterwegs ist. Dabei erfährt man auch gleich Näheres zum HW 3: Der Main-Neckar-Rhein-Weg wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Landes Baden-Württemberg angelegt, verbindet von Wertheim im Nordosten bis Lörrach im Südwesten zahlreiche unterschiedliche Naturräume im Land und bietet auf seinen 545 Kilometern jede Menge Abwechslung.
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Hauenschilds Anspruch ist es nicht nur, Kilometer zu machen. Sondern seinen virtuellen und realen Partnern auch mehr über Landschaft und Orte zu vermitteln. Zum Beispiel, dass der Jakobsbrunnen im Lützelbachtal gleich nach drei Männern benannt wurde, die die Quelle 1882 gefasst hatten, als sie dort Sandstein für das Ulmer Münster abbauten – und die alle diesen biblischen Vornamen trugen.
Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres hat das Wandern immer mehr Anhänger gefunden. Gehen ist in. Pilgern ohnehin – spätestens seit Hape Kerkeling dann mal weg war. Hauenschild selbst hatte aus gesundheitlichen Gründen schon vor Corona damit angefangen. Damals hatte der Hüne knapp 20 Kilo mehr auf den Rippen.
Geführte Wanderungen geplant
Besonderes Anliegen des 53-Jährigen, der im Plochinger Kreiskrankenhaus geboren ist und auf dem Stumpenhof lebt: Er will seinen Schurwald bekannter machen. So hat er zum Beispiel im vergangenen Jahr die CDU-Politiker Guido Wolf und Andreas Deuschle über den Höhenrücken vor der Haustür geführt. Solche Touren möchte er ausbauen. „Ich will ab 2022 geführte Wanderungen auf dem Schurwald anbieten.“
Vier hat er schon in der Endbearbeitung. Und er sei darüber auch schon im Gespräch mit den CMT-Machern. Denn gerade im Schurwald schlummert seiner Ansicht nach jede Menge touristisches Potenzial, das geweckt werden will. Aber nur sanft. „Ich will keinen Trampeltourismus.“ Mit Themenlehrpfaden, wie beispielsweise dem Planetenwanderweg in Aichwald, könne man gelungene Anreize schaffen.
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Die Idee eines Waldlehrpfads wollte er auch seiner Heimatstadt Plochingen schon nahebringen – gerade jetzt, wo zwischen Stumpenhof und Weißem Stein ein forstwirtschaftlicher Versuch für klimaresistente Bäume am Laufen ist. Aber dies sei bislang auf taube Ohren im Rathaus gestoßen. Vielleicht ja doch nicht: Denn das Thema steht am 7. September auf der Tagesordnung des Verwaltungsausschusses, der Antrag wurde von der ULP eingebracht, der Hauenschild seine Idee geschildert hatte. „ Ich stehe auch zu der Idee einer Gondel vom Plochinger Bahnhof hinauf zum Albvereinsturm“, sagt Hauenschild. Nicht nur als touristische Attraktion, sondern auch als umweltfreundliches Nahverkehrsmittel für die Mitarbeiter der wachsenden Landratsamtsdependance. Dass es auf dem Schurwald nur in Lichtenwald so etwas Ähnliches wie einen Campingplatz gebe, kann er angesichts der boomenden Wohnmobile nicht nachvollziehen. „Allein im Bereich des Esslinger Jägerhauses gäbe es dafür Platz ohne Ende.“
Unterwegs nach Santiago de Compostela
Zurück zum Jakobsweg: Drei Varianten der Pilgerstrecke nach Santiago de Compostela führen durch den Landkreis Esslingen. Als ehrenamtlicher Wegpate ist er für den Streckenabschnitt zwischen Plochingen und dem zu Wendlingen gehörenden Weiler Bodelshofen verantwortlich. „Da schaue ich, ob die Wegzeichen, also die Jakobsmuschel, überall sichtbar sind.“ Muss irgendetwas an der Strecke repariert werden, geht er auf die Kommunen zu. „Wernau hat da zum Beispiel ganz vorbildlich reagiert. Als ich einen kaputten Holzhandlauf moniert habe, war er nach zwei Wochen repariert.“
Zur Person
Rainer Hauenschild
ist vor 53 Jahren in Plochingen geboren und lebt auf dem Stumpenhof. Der verheiratete Vater zweier Söhne hat lange bei einem privaten Sicherheitsdienst gearbeitet und aus gesundheitlichen Gründen dann die Branche gewechselt. Seitdem arbeitet er als freiberuflicher Foto-, Video- und nunmehr auch Wanderjournalist.
Kontakt
Mehr über seine Wanderungen findet man auf seiner Facebook-Seite „Rainer wandert“. Als „Plochingen Blogger“ hat er sich ebenfalls auf Facebook bislang mit den Neuigkeiten aus seiner Heimatstadt beschäftigt. Die will er künftig weniger lokalpolitisch, sondern eher touristisch ausrichten. Hauenschild berät und/oder begleitet auch Wanderlustige. Kontakt: Telefon 07153/615311.