Ein gewohntes Bild: Stau in der Stuttgarter Innenstadt Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Im aktuellen Ranking von Tomtom liegt Stuttgart an sechster Stelle. Die Häufigkeit und Länge von Staus ist unverändert gegenüber dem Vorjahr. Am Donnerstag ab 16 Uhr ist die Verkehrsbelastung am höchsten. Was können Autofahrer tun?

Stuttgart - Stuttgart rutscht immer weiter ab: Was für den VfB Stuttgart im Aufstiegsrennen der zweiten Liga eine Hiobsbotschaft wäre, ist im alljährlichen Stauranking des Kartierungsspezialisten Tomtom eher eine gute Nachricht. Vor Jahren landete Stuttgart noch regelmäßig auf dem ersten Platz und erhielt den wenig schmeichelhaften Titel der deutschen Stauhauptstadt. Das ist vorbei: 2018 stand Stuttgart auf Rang fünf, in der nun veröffentlichten Auswertung für 2019 liegt die Stadt sogar an sechster Stelle. Spitzenreiter ist wie im Vorjahr Hamburg vor Berlin und – neu – Wiesbaden. Allerdings: Die Häufigkeit und Länge der Staus wird in Stuttgart nicht geringer, sie nimmt aber in den anderen Städten zu.

Was sagen die Werte zu Stuttgart?

Das Stauniveau liegt wie im Vorjahr unverändert bei 30 Prozent im Tagesdurchschnitt. Im morgendlichen Berufsverkehr beträgt es 48 Prozent, abends 58 Prozent. „Dies bedeutet, dass Autofahrer für eine Fahrt, die ohne Verkehrsbehinderungen 30 Minuten dauert, morgens 44 Minuten und abends 47 Minuten benötigen“, so die Tomtom-Analysten. Stuttgarter Pendler verlieren pro Jahr durch Staus rund 124 Stunden im Verkehr.

Wann sind die meisten Staus?

Am Donnerstag ab 16 Uhr müssen Autofahrer mit dem größten Zeitverlust durch Staus rechnen (67 Prozent, das heißt die Fahrt dauert statt 30 gut 50 Minuten), aber auch am Mittwoch und Dienstag erreicht das Stauniveau Werte von 60 Prozent und höher. Am Montag (47) und Freitag (45 Prozent) ist die Lage besser. Im morgendlichen Berufsverkehr ist die Belastung an allen Tagen etwas geringer als abends, am höchsten ist sie am Dienstag mit 55 Prozent. Hier fällt der Freitagmorgen mit einem Stauniveau von rund 33 Prozent deutlich ab. Der Tag mit dem mit 51 Prozent höchsten Stauniveau den ganzen Tag über war der Mittwoch, 29. Mai 2019. Damals gab’s Unfälle am Kappelbergtunnel, in Feuerbach und auf der König-Karls-Brücke.

Wo sind hoch belastete Straßen?

Da gibt es keine Überraschungen: Die drei Straßenzüge, auf denen die Autofahrer 2019 am meisten Zeit verloren, sind die Neckartal-/Pragstraße zwischen Gaskessel und Pragsattel, die Hackstraße im Stuttgarter Osten und die B 10/27 im Bereich Friedrichswahl im Norden.

Wann ist wenig los in Stuttgart?

Werktags sind die Zeiten bis 6 Uhr, von 10 bis 13 Uhr und ab 20 Uhr am günstigsten. Am Freitag ist die Verkehrsbelastung geringer als an anderen Werktagen. Und am Samstag und Sonntag sind die meisten Autos zwischen 12 und 19 Uhr unterwegs. Das Stauniveau liegt dann bei maximal 30 Prozent (samstags) und 20 Prozent (sonntags). Der Tag mit dem wenigsten Autoverkehr war übrigens der 25. Dezember.

Wie liegen andere deutsche Städte?

Weltweit hat Tomtom 416 Städte untersucht, in Deutschland 26. Unter den 60 stauträchtigsten Metropolen der Welt ist keine deutsche Stadt. Dennoch haben in 18 der 26 deutschen Städte die Staus zugenommen, in vier, darunter Stuttgart, sind sie unverändert. Auffällig seien die „ausgeprägten Stauspitzen“ im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr. Für viele Pendler sei das Auto noch immer attraktiver als Bus und Bahn, so Tomtom. Das gilt auch für die vier Städte aus Baden-Württemberg. Außer Stuttgart sind dies Freiburg, Karlsruhe und Mannheim. Das Stauniveau im Tagesdurchschnitt ist in Freiburg um zwei Prozentpunkte auf 23 Prozent gestiegen, es ist im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr mit 35 und 45 Prozent deutlich höher. In Karlsruhe liegt bei einer Zunahme von einem Prozentpunkt das Tagesniveau bei 22 Prozent. Dahinter rangiert Mannheim mit einem um zwei Punkte gestiegenen Niveau im Tagesschnitt von 21 Prozent.

Was bedeutet Stauniveau eigentlich?

Das Stauniveau ist ein Vergleichswert, der die tatsächliche Fahrzeit mit Verkehrsbehinderung in Relation zum freien Verkehrsfluss setzt. Ein Stauniveau von 30 Prozent bedeutet also, dass eine Fahrt durchschnittlich um 30 Prozent länger dauert, als sie ohne Verkehrsbehinderung Zeit in Anspruch nehmen würde.

Wie werden die Daten ermittelt?

In der Analyse werden Fahrten auf innerstädtischen Straßen, Ein- und Ausfallstraßen sowie Autobahnen berücksichtigt. Die Daten basieren auf Geschwindigkeits- und GPS-Messungen einzelner Fahrzeuge, aus denen die Fahrzeiten berechnet und gewichtet werden. Verkehrsreiche Straßen haben so mehr Einfluss als weniger stark frequentierte. „Dadurch stimmen die Ergebnisse mit den Erfahrungen der Autofahrer überein“, heißt es bei Tomtom.

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