Geht es nach einigen Stadträten, waren Wildtiere wie Elefanten – hier beim Weltweihnachtscircus im vergangenen Dezember – lange genug in der Zirkusmanege zu sehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Geht es nach den Gemeinderatsfraktionen SÖS/Linke plus, den Grünen und der SPD, wird es im Zirkus auch auf dem Cannstatter Wasen bald keine Elefanten und andere Wildtiere mehr zu sehen geben. Betroffen ist vor allem der Weltweihnachtscircus.

Stuttgart - Aus dem Zirkus sind Elefanten, Raubkatzen und andere Wildtiere nicht wegzudenken? Das legt beispielsweise der Circus Krone nahe, der häufig in Stuttgart gastiert und auf dessen Logo genau diese Tiere abgebildet sind. Doch Stadträte der Gemeinderatsfraktionen SÖS/Linke-plus, Grüne und SPD haben eine ganz andere Meinung zu dem Thema. Sie fordern in einem Antrag, das Zur-Schau-stellen von Wildtieren in Stuttgart komplett zu ver­bieten.

Bereits 2010 wurde auf Initiative der Grünen per Gemeinderatsbeschluss ein ähnliches Verbot erlassen – mit Ausnahme des Cannstatter Wasens. Doch auch da soll zukünftig ein Verbot gelten. Bereits bestehende Verträge betrifft das Verbot aber nicht. Diese gibt es aber zwischen der städtischen Veranstaltungsagentur in.Stuttgart allerdings nur für die kommenden Vorstellungen bis Mitte Januar 2017. Der Zirkus Carl Busch im Oktober sowie der Weltweihnachtscircus im Dezember dürften also noch ein letztes Mal mit Tiernummern auftreten.

Wenn die Unterzeichner des Antrags, darunter SÖS/Linke-plus-Politiker Christoph Ozasek, der ihn ausgearbeitet hat, und die Fraktionsvorsitzenden Andreas Winter (Grüne) und Martin Körner (SPD), ihre Fraktionen hinter sich bekommen, hätten sie für ihr Anliegen eine Mehrheit im Gemeinderat. Davon gehen die Antragsteller auch aus. Elefanten im Zirkus – das ist in ihren Augen nicht der richtige Umgang mit der Würde der Tiere. „Das sind Qualdressuren, die die Elefanten erleiden müssen“, sagt Ozasek. Außerdem sei die Zirkushaltung dieser Tiere ein Sicherheitsrisiko – wie der Fall der Elefantenkuh „Baby“ zeige, die jüngst im Odenwald einen Rentner tottrampelte.

Theoretisch könnte Weltweihnachtscircus abwandern

Die Länder versuchen via Bundesrat seit 2003 die Bundesregierung zu bewegen, ein Verbot bestimmter Wildtiere im Zirkus zu erlassen. Bisher vergebens. Verschiedene Städte und Gemeinden haben aber reagiert. Sie vermieten keine Flächen mehr an Zirkusse, die Wildtiere vorführen. Stuttgart wäre die fünfzigste Kommune in Deutschland, die Wildtiere im Zirkus komplett verbietet. In den Landkreisen Esslingen, Ludwigsburg, Böblingen und Rems-Murr-Kreis ist das jedoch nicht der Fall – theoretisch bestünde für Stuttgart also die Gefahr, dass der Weltweihnachtscircus abwandert.

„Das können wir natürlich nicht verhindern. Aber der Trend in Zirkussen geht ohnehin in Richtung eines reinen Artistenprogramms ohne Tiere“, sagt Ozasek. Wie etwa im Circus Roncalli, der noch bis August mit seiner Jubiläumstournee in Ludwigsburg gastiert und traditionellerweise ganz ohne Wildtiere auskommt.

PETA kritisiert Elefantennummer

Der Weltweihnachtscircus möchte darauf nicht verzichten. Produzent Henk van der Meyden versteht die Debatte nicht, da der Weltweihnachtscircus seine Darbietungen mit Wildtieren sehr sorgfältig auswähle, wobei artgerechte, „vorbildliche“ Tierhaltung die wichtigste Kategorie sei. Überhaupt, er stört sich an dem Wort Wildtiere: „Die sind doch fast alle im Zoo aufgewachsen!“

Die dieses Jahr geplante Elefantennummer des Dresseurs René Casselly wird aber nicht überall als „moderne Dressur“ gelobt, die laut van der Meyden das natürliche Verhalten der Tiere zeige. So kritisiert die Tierschutzorganisation Peta beispielsweise, dass Casselly seine Elefanten mit einem Stahlhaken malträtiere. Verboten sind diese sogenannten Elefantenhaken nicht.

Verträge mit Künstlern drohen zu platzen

Etwas Rückendeckung bekommt Henk van der Meyden dagegen vom Veranstalter in.Stuttgart. „Der Cannstatter Wasen hat sich bewährt, weil da einfach viel Platz für die Tiere ist“, sagt Jörg Klopfer, Sprecher der Veranstaltungsagentur. Dennoch sei es eine politische Diskussion, deren Ausgang man sich „selbstverständlich“ unterordnen werde. Trotzdem gibt Klopfer zu bedenken, dass der Weltweihnachtscircus jährlich 200 000 bis 250 000 Besucher in die Stadt ziehe.

Unabhängig vom Wohl der Tiere: Produzent van der Meyden ärgert sich, dass Verträge, die er bis ins Jahr 2019 mit Künstlern geschlossen hat, jetzt zu platzen drohen. „Das wäre wirklich jammerschade. Wenn die Leute doch nur so gut zu ihren Hunden und Katzen wären, wie die Zirkusleute zu ihren Tieren“, sagt er. Nach einem neuen Standort umsehen will er sich aber auch dann nicht, wenn der Antrag vom Gemeinderat verabschiedet wird. Henk van der Meyden weiter: „Der Weltweihnachtscircus gehört zu Stuttgart“ – mit Tieren oder ohne.

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