Wurde zunächst für eine Ziege gehalten: Dass der braune Vierbeiner ein Schaf ist, haben die Tierschützer per Internet festgestellt          Foto: Tierheim/Wünn Foto:  

Im Stuttgarter Tierheim wird es eng. Die Tierschützer mussten neun Ziegen und 13 Kaninchen aufnehmen. Alle weiblichen Tiere sind trächtig. Grund für die Notaufnahme: Die Tiere sind illegal und nicht artgerecht gehalten worden.

Stuttgart - Dass sie dringend Notquartiere einrichten müssen, erfuhren die Tierschützer in Botnang bereits vergangenen Mittwochabend. Der städtische Tiernotdienst rief Tierheimleiterin Marion Wünn an und teilte ihr mit, dass sie sich auf die Aufnahme von etwa 15 Ziegen und eben so viele Stallkaninchen vorbereiten müssten. Der Grund für die Hauruck-Aktion: Die Nachbarn eines Schrebergärtners im Stuttgarter Norden hatten das Ordnungsamt alarmiert, weil sie den Verdacht hatten, dass der Nachbar illegal Tiere hält.

Der Amtsveterinär ging den Verdächtigungen umgehend nach und stellte vor Ort fest, dass der Schrebergärtner in seinem Hühnerstall etwa 15 Ziegen und etwa 15 Stallkaninchen auf nur 11 Quadratmetern hält – und zwar ohne behördliche Genehmigung. Der Halter gab an, die Tiere schlachten zu wollen. Als die Mitarbeiter des Tiernotdiensts die Tiere später abholen wollten, war es für einige bereits zu spät: Der Privatmann hatte bereits mindestens zwei Kaninchen und neun Ziegen geschlachtet. „Damit die Tiere nicht leiden, braucht man dafür einen Sachkundenachweis“, sagt Wünn. Ob er den hatte, ist offen. Die Abteilung für Veterinärwesen des Ordnungsamts hat die Ermittlungen der Polizei übergeben.

Die überlebenden Tiere brachte der Tiernotdienst ins Tierheim. Um die Ziegen unterzubringen, mussten die vier Hühner vom Pferde- in den kleineren Hühnerstall ziehen. Die Kaninchen wurden auf den Innen- und Außenbereich der Quarantänestation verteilt. In den kommenden Tagen werden die Tierschützer noch wesentlich mehr Platz brauchen. „Fünf Ziegen und fünf Kaninchen sind trächtig“, sagt Wünn und erwartet in Kürze zehn Ziegen- und 30 bis 50 Kaninchenbabys.

Darüber, wie Ziegen gehalten werden, müssen sich die Tierheimmitarbeiter jetzt erst selbst schlau machen. „Damit haben wir kaum Erfahrung“, stellt Wünn fest und versichert, dass sich einige Mitarbeiterin derzeit per Internet über eine artgerechte Haltung informieren. Dabei stellten sie fest, dass eine besonders hübsche, braune Ziege keine Ziege, sondern ein Schaf ist. „Es muss sich um ein Tier der alten Rasse Soay handeln“, sagt Wünn. Mittlerweile haben sowohl Ziegen, das Schaf und die Kaninchen Namen bekommen. Die männlichen Tiere sollen in den nächsten Tagen kastriert werden: Das kostet für die fünf Ziegenböcken rund 1500 und die acht Rammler 520 Euro.

Für Ziegen, Schaf und Kaninchen sucht das Tierheim nun ein neues Zuhause. Ganz wichtig für Marion Wünn: „Wir vermitteln die Tiere nicht als Schlachttiere“. Deshalb prüfen die Tierschützer wie bei der Vermittlung von Hunden und Katzen, wohin die Tiere kommen. Außerdem muss der neue Besitzer unterschreiben, dass er mit den Tieren weder züchtet noch sie schlachten lässt. „Wir haben häufig Anfragen nach Schlachttieren“, sagt Wünn. Dass ihre Schützlinge geschlachtet werden, kommt für sie natürlich nicht in Frage.

Wer für die Ziegen und Kaninchen spenden möchte, kann das unter der Telefon-Spendenhotline 09 00 - 1 44 33 66 tun. Stichwort ist „Ziegen und Kaninchen“. Pro Anruf gehen 5 Euro ans Tierheim.

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