Viele interaktive Elemente laden im Heuss-Haus zum Mitmachen ein. Foto: Franziska Kraufmann

Zum 60. Todestag des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss am 12. Dezember präsentiert sich die Ausstellung in seinem ehemaligen Wohnhaus auf dem Killesberg runderneuert.

Als der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Mai das Theodor-Heuss-Haus im Feuerbacher Weg 46 besucht hat, war manches notgedrungen noch improvisiert. Inzwischen ist die neue Dauerausstellung komplett eingerichtet. Hier und da noch ein Schräubchen und/oder ein Knöpfchen, ansonsten lässt dieser für rund 1,3 Millionen Euro neu eingerichtete multimediale „Ort der Demokratiegeschichte“ aus Sicht von Thomas Hertfelder, dem Geschäftsführer der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, und Gudrun Kruip, der Sprecherin des Kuratorenteams, erst mal keine Wünsche mehr offen.

 

Und tatsächlich ist das Heuss-Haus abseits der original belassenen, heimeligen drei Wohnräume im Erdgeschoss im Inneren kaum wiederzuerkennen. Die bisher gezeigte Ausstellung stammte im Wesentlichen aus dem Eröffnungsjahr 2002. Neue Forschungsergebnisse und zeitgemäße Möglichkeiten der Präsentation ließen in der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus den Entschluss reifen, die Stuttgarter Dauerausstellung grundlegend neu zu konzipieren.

„Das einzige deutsche Museum, das sich speziell dem Amt des Bundespräsidenten widmet“

Das ist eindrucksvoll gelungen. Auf vergleichsweise kleinem Raum (400 Quadratmeter) können sich Besucher durch fünf Epochen deutscher Geschichte und an 44 Medienstationen entlang in die „Demokratie als Lebensform“ vertiefen – so der Titel der neuen Dauerausstellung, der das demokratische Verständnis von Heuss ausdrückt.

Neu ist ein Raum im Erdgeschoss mit besonderem Entree; hier wird der Besucher selbst zum Staatsoberhaupt. Auf einem großen Bildschirm erhebt sich ein wohlwollendes Publikum und spendet Applaus, sobald man über einen stilisierten roten Teppich den Ort betritt, der sich, so Geschäftsführer Hertfelder, „als einziger in Deutschland speziell dem Amt des Bundespräsidenten widmet“ – kompakt und informativ. Die Besucher können berühmte Reden verfolgen, lernen die Möglichkeiten und Begrenztheiten des Amts sowie das Selbstverständnis der Amtsträger kennen und sind eingeladen, sich aus verschiedenen Eigenschaften einen idealen Bundespräsidenten – oder eine Bundespräsidentin – zu modellieren.

Das Haus lädt zum demokratischen Mitmachen ein

Neu an der Dauerausstellung ist zudem, dass neben Theodor Heuss auch seine Frau Elly Heuss-Knapp prominent zur Geltung kommt. Genau genommen handelt es sich um eine Ausstellung über die Heussens, und das Heuss-Haus ist im Kern ein Theodor-Heuss-und-Elly-Heuss-Knapp-Haus – obwohl sie nie hier gelebt hat. Die 1881 in Straßburg geborene Frau des aus Brackenheim stammenden ersten Bundespräsidenten, auf die das Müttergenesungswerk zurückgeht, war so viel mehr als die Frau an seiner Seite. Sie verstarb bereits 1952 in Bonn. Heuss zog 1959 nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit als 75-Jähriger von Berlin nach Stuttgart auf den Killesberg und lebte hier bis zu seinem Tod 1963.

Zu den Neuerungen im umgestalteten Heuss-Haus zählt auch die Öffnung der Räume zum großzügigen Garten hin, der in die Gesamtkonzeption mit einbezogen wurde und von verschiedenen Stellen aus betreten werden kann. Neu ist ferner ein multimedialer Schwerpunkt, der dem Grundgesetz gewidmet ist. Das neue Ausstellungskonzept geht dabei bewusst über reine Wissensvermittlung hinaus. Im Heuss-Haus ist man als mitdenkender und mitgestaltender Demokrat gefragt. Besucher – bewusst auch Kinder – sehen sich durch die vielen interaktiven Elemente zum Nachdenken und demokratischen Mitmachen eingeladen, unterstützt von einem Mediaguide, der einigen Mehrwert bietet.

Heuss tritt einem nicht als Demokratieheiliger entgegen

Bei aller Würdigung des Bundespräsidenten und Bildungsbürgers Theodor Heuss, der sich für vieles kompetent und zuständig hielt – von Orden, die er selbst entwarf, bis hin zu einer neuen Nationalhymne, mit der er durchfiel –, tritt er einem in seinem Haus nicht als Demokratieheiliger entgegen, sondern als Persönlichkeit, die auch Fragen hinterlässt. Seine Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz der Nazis ist ebenso thematisiert wie seine kritiklose Verehrung Friedrich Naumanns, der einerseits liberale Ansichten vertrat, andererseits tief in kolonialistischem Denken verhaftet war.

So entsteht der Eindruck einer vielschichtigen, immer auch gegenwartsbezogenen Ausstellung, die ein echtes Demokratieerlebnis darstellt. Von April an wird sie von einer Sonderausstellung zum Thema Kanzler in der Karikatur begleitet. Ein Grund mehr zum Wiederkommen.

Weitere Informationen unter: www.stiftung-heuss-haus.de