Die Schauspielenden Katharina Shakina, Claudia Roick, Josephine Tancke, Sergej Czepurnyi als abgehalfterte Schauspielertruppe. Foto: Crassie

Der Theaterabend „A Magic Mystery Dream“ nach Luigi Pirandello und betitelt nach dem Soundtrack zu dem Beatles-Film „Magic Mystery Tour“ ist ein vergnügliches und doch sperriges Stück über Fiktion, Wirklichkeit und Wahrheit.

Blick auf eine rätselhafte Bühne. Der Boden zeigt eine psychedelische Spirale, und an der Rückwand sind große, mannshohe Bilderrahmen aufgestellt, in die große Puppen eingesetzt sind (Bühne: Enno Craiss). Die Kunstfiguren werden irgendwann ein bisschen lebendig, reale Menschenarme strecken sich aus ihren Ärmeln und gestikulieren. Das letzte Drama des Literatur-Nobelpreisträgers Luigi Pirandello, „Die Riesen vom Berge“, 1937 nach seinem Tod 1936 uraufgeführt, ist Fragment geblieben. Peter Kratz hat es für den Ludwigsburger Theatersommer bearbeitet und seinen Theaterabend „A Magical Mystery Dream“ betitelt, nach dem Soundtrack zu dem Beatles-Film „Magic Mystery Tour“ von 1967.

 

Schräge Kostüme für die Dorfschauspieler

In einer Villa des Magiers Cotrone (Bernhard Linke) leben Außenseiter der Gesellschaft, und ihnen nähert sich eine abgehalfterte fünfköpfige Schauspielertruppe, die auf Markt- und Dorfplätzen auftreten muss (schön-schräge, zeitlose Kostüme: Anja Müller). Die Mimen-Chefin (wunderbar pathetisch-übererregt: Claudia Roick) würde gerne ein Stück eines ihr dereinst erotisch verbundenen Dichters aufführen, der sich das Leben genommen hat.

Beatles-Songs unterstreichen das Geschehen

Ein eigenartiger Plot, den Peter Kratz (Regie) locker in Szene gesetzt hat. Die Beatles-Songs (Cover Songs: John King), sehr nett live als Solo oder im Chor auf der Bühne präsentiert, unterstreichen das seltsame Bühnengeschehen. „Nothing is real“ heißt es in „Strawberry Fields Forever“. Und so ist es in diesem ziemlich sperrigen Stück. Jene Villenbewohner sind bloß als jene Puppen präsent, die Luise Wolff eindrucksvoll gestaltet hat. Und überhaupt geht es um Realität und Fiktion, um Wachzustand und Traum, um Erfindung und Wahrheit. Neu ist da vieles nicht, etwa die Aussage, dass das Theater die Fantasie des Autors in die erfundene Welt einer Theaterbühne übersetzt. Der Magier Cotrone nimmt die klägliche Theatertruppe bei sich auf und schwadroniert mit Hingabe von Fantasie, Träumen und Geistererscheinungen. Das ermüdet irgendwann.

Und doch besticht Pirandellos Text mit höchst anregenden Reflexionen, die um die Verwicklungen von Realität, Erfundenem und Traum kreisen. „Und Sie erfinden also die Wahrheit?“, wird der Magier befragt. Pirandello formuliert aufregende Fragen, und sein Text bietet diverse bedenkenswerte Sentenzen. „Keiner von uns ist in dem Körper, den der andere sieht.“ Was für ein Satz, der in unsere Gegenwart einschlägt. Zu sehen ist aber auch Unterhaltsames. Der Zauberer Cotrone vollführt eine klassische, eigentlich frauenfeindliche Magier-Aktion, die Zersägung einer Frau. Das gerät richtig witzig. Und zum Schluss noch ein Satz: „Mir kam das gleich so komisch vor, ein Theater im Freien“, mault Diamante (Josephine Tancke, auch mit Beatles-Klängen am Keyboard präsent). In Ludwigsburg ist Theater im Freien vor dem immerwährenden, beruhigenden Grün hinter der Bühne immer wieder komisch, aber auch noch alles Mögliche sonst, etwa anregend und vergnüglich.

Aufführungen 13. und 14., 16. bis 21. und 23. bis 28. August. Cluss Garten, Ludwigsburg, https://www.theatersommer.net/